Auf der Spur von Rosenkohl und Nüsslisalat

16. Dezember 2015 Sabrina

Es ist kalt, erdig, nass, und dazu gesellt sich Nebel. 3°C, mitten im Dezember. Heute bin ich mit dabei, wenn es auf die Felder des Spargelhofs Rafz geht. Es werden Rosenkohl und Nüsslisalat geerntet – ja, jetzt haben wir ihn wieder, den Nüsslisalat (mehr dazu weiter unten)! Patric, Anwar und Jabar nehmen mich herzlich in Empfang. Kisten werden geladen. Fast einen halben Meter lang sind die zwei super scharfen Messer, die ebenfalls mitkommen. Ein Spachtel artiges, abgewinkeltes Messer für den Nüsslisalat kommt auch mit. Und blaue Gummihandschuhe, zum Schutz vor Nässe. Mit dem Lieferwagen geht’s auf zum Rosenkohl-Feld.

Rosenkohl-Blätter nach gefrorener Nacht.
Auf dem Rosenkohl-Feld, bei der Ernte.

Ein beeindruckendes Gewächs

Eigentlich mag ich Rosenkohl nicht besonders, aber was sich mir hier heute bietet, ist sehr beeindruckend. Und ich revidiere meine Meinung sofort. Schön steht sie da, in Reih und Glied, die Rosenkohl-Familie. Tauwasser auf ihren Deckblättern. Das Gewächs erinnert mich an Bananenstauden, in Kleinformat. Die Röschen wachsen in Traubenform, gut versteckt unter den grossen Kohlblättern. Ende Juni wurden rund 3‘000 Setzlinge gepflanzt. Alles in Handarbeit. 2013 wurde auf dem Spargelhof zum ersten Mal Rosenkohl angebaut. Ab November und nach den ersten Nachtfrösten wird geerntet. Insgesamt kommen rund 4 – 5 Tonnen zusammen. Verkauft wird der Rosenkohl in unseren Hofläden, bei Globus, auf Wochenmärkten, bei Farmy.ch, dem Online-Hofladen. Und er wird in unserer Hofchuchi verkocht.

Der Rosenkohl wird mit der Gartenschere direkt über der Erde abgezwackt.
Mit einem scharfen Messer werden die Blätter abgeschlagen.

Knackig, eisgekühlt, grün

Patric und Anwar kommen mit den grossen Messern, Jabar mit der Gartenschere. Die gesamte Pflanze wird gepackt und direkt über der Erde mit der Schere abgezwackt. Dann geht’s den Blättern an den Kragen. Wie mit einer Machete werden sie durch die scharfen Messer von der "Traube" geschlagen. Sie bleiben auf dem Boden zurück. Die Trauben mit den einzelnen Röschen kommen in die Kiste. In der Halle werden dann die einzelnen Röschen von Hand abgezwackt und ihre äussersten Blätter entfernt, weil die eher etwas zäh sind.

Rosenkohl-"Traube" mit einzelnen Röschen.
Nach getaner Arbeit.

Da streckt mir Anwar einen Rosenkohl rsp. Röschen entgegen – zum Probieren. Roh! Ich überwinde mich. Und er schmeckt fantastisch. Knackig, eisgekühlt, grün, keine Spur von bitter. Gegen die Mitte zu wird er leicht scharf. Erinnert mich an Kohlrabi, Radieschen. Mit seinen zahlreichen Vitaminen und Mineralstoffen - insbesondere Vitamin C (doppelt so viel wie eine Orange), Magnesium, Calcium - ist der Rosenkohl das ideale Gemüse für den winterlichen Bedarf.

Der Nüssli vom Feld

 

 

Die Nüsslisalat-Ernte - eine diffizile Arbeit.
Auf den Knien ernten - das geht in die Knochen.

Hoher Wert vom Freiland

Jetzt kommt der Nüsslisalat an die Reihe. Ja, doch noch! Der Vorgänger hatte es wegen dem trockenen Sommer und zu wenig Wasser nicht geschafft. Dieser hier nun der Sorte Medaillon – eine Sorte mit kurzen Blattstielen und schönen breiten Löffeln (Blättern) – wurde erst Mitte September gesät, hatte weniger heiss und konnte durch Bewässerung gut keimen und wachsen. Wo jetzt geerntet wird, wird das weisse Flies, das vor Schnee schützt, abgedeckt. Wenn es gefroren ist und Schnee liegt, kann nicht geerntet werden. Drei von den abgewinkelten Spezialmessern kommen zum Einsatz. Anwar, Jabar und Patric knien auf der feuchten, kalten Erde, die in der Nacht zuvor noch gefroren war. Ja, nur so lässt sich der zarte Nüsslisalat ernten. Das ist aufwendig und geht in die Knochen. Eine wertvolle Angelegenheit, der Nüsslisalat. Und eine diffizile Arbeit. Schneidet man zu tief, kommen Wurzeln und Erde mit. Schneidet man zu hoch ab, durchtrennt man die Gruppe in zu kleine Büschel. Das verlangt Fingerspitzengefühl, geübte Technik.

Nüsslisalat richtig schneiden bedarf einer geübten Technik.
Der Nüssli vom Feld - frisch gewaschen.

Im Wasserbad leicht geschwungen

Auf diesem Feld wachsen mehrere Reihen in einer Länge von rund 240 m. Jetzt im Dezember werden rund 1 – 2 Tonnen geerntet. Dieser Nüsslisalat ist etwas Spezielles. Er ist nicht bei Grossverteilern erhältlich. Um die Weihnachtszeit ist der Bedarf sehr gross, drum wird jetzt noch fleissig geerntet. Frisch vom Feld wird er anschliessend in einem grossen Wasserbecken mit einer Riesengabel geschwungen und so gewaschen. Danach rausgeschöpft, in Kisten gelegt und für den Verkauf bereit gestellt.

Nüsslisalat trotzt dem Frost. Und er wird erst durch ihn so kräftig. Er ist der Salat des Winters und unterstützt uns mit Vitamin C, A, Eisen, Kalium, Calcium, Magnesium. Übrigens wurde er, der auch Feldsalat genannt wird, wild geerntet schon in der Steinzeit von Menschen verzehrt. Seit rund 100 Jahren wird er angebaut. Er gehört zu den Baldriangewächsen. Und ich werde mir den nächsten Nüsslisalat folglich in aller Ruhe genüsslich zu Gemüte führen ;-).

Jetzt eindecken mit dem feinen Nüsslisalat und dem Rosenkohl! Zum Beispiel bei farmy.ch oder in unseren Hofläden.