Aus Liebe zum Fruchtgemüse

14. Juni 2016 Giacinto

Richtig gehört: Fruchtgemüse gibt es. Dazu gehören alle Sorten von Kürbissen. Und ganz erstaunlich: Trotz ihrer Süsse gehört auch die Melone zu dieser grossen Familie. Übrigens hat unser Hof in Rafz bis im letzten Jahr sogar Melonen auf seinen Feldern angebaut: Adieu, Rafzerfelder Melone!

Alter Franzose auf dem Balkon

Es sei ganz einfach, selber Kürbisse zu pflanzen, wurde mir versichert. Gesagt getan: 100 Töpfli, 90 Kilo Erde, 7 Gemüsekistli und die passenden Kürbissamen. Und schon war mein Experiment geboren. Bei unserer gewählten Versuchssorte handelt es sich um den "Rouge d'Etampes", eine alte französische Sorte, die aus Südfrankreich stammt und eine leuchtend tief-orange Schale hat. Die wohlschmeckenden Früchte sind flach-rund und erreichen ein Gewicht von 8 bis zu 15 kg. Der Kürbis hält sich gut im temperierten Lager. Die Pflanze ist stark rankend.

Setzlinge im Experiment zu Hause

So wirst du zum Kürbisbauer

Die Aussaat findet ab Mitte April (je 1 Samen in 10er Topf bei ca. 20°C) in Innenräumen statt. Nur leicht mit Erde oder Sand bedecken und gleichmässig feucht halten. Auspflanzen ab 20. Mai am Fuss des Komposthaufens oder in nährstoffreiche Erde. Abstände 80-100 cm allseitig. Ernte ab September, sicher aber vor dem ersten Frost.

Ernten kann man den „Rouge d'Etampes“ sobald das Laub an ihm abstirbt. In kühlen Räumen sind die Früchte bei luftiger Lagerung nach der Ernte monatelang haltbar. Das Fruchtfleisch ist wässrig und saftig. Aus diesem Grund eignet sich diese Sorte besonders gut für Suppen, Pürees, Strudel und Aufläufe, Kürbisbrot, Konfitüre oder roh für Salate. Die Kürbisse erfüllen dank ihrer Größe auch dekorative Zwecke.

Nach ca. 3 Wochen kommen die Pflänzchen ins Freie
Samenauswahl in unseren Hofläden

Schwieriges Kürbisjahr 2016

„Obwohl unsere Kürbisfelder erst kürzlich (zwischen 1. und 20. Mai) angesät wurden, ist das Risiko für einen Ernteausfall im Herbst jetzt besonders gross. "Durch das nass-kühle Wetter sind viele Samen im Boden gefault, statt zu keimen“, erklärt unser Kürbis-Spezialist Walter Pfister. Der Kürbis - als Wärme-liebende Pflanze - mag es richtig heiss und das Wetter der vergangenen Wochen behagt den Pflanzen gar nicht.

Natürlich wird versucht, Felder mit vielen Lücken nochmals neu anzusäen, doch das ist gerade für eine frühe Ernte viel zu spät. „Die Natur fordert uns immer wieder aufs Neue heraus und das macht den Job hier auf dem Spargelhof in Rafz so spannend“, erzählt Spargelhof-Chef Walter Pfister weiter.

Unser Experiment ist einmal bis zu diesem Punkt gut gelungen. Allerdings sind auch unter "normalen" Bedingungen zu Hause von 100 Samen nur 70 Setzlinge gewachsen.

Ein Teil davon wächst im hofeigenen Kürbisgarten in Seegräben weiter (hoffe ich, Petrus). Einen grossen Teil der Experimentsetzlinge verkaufen wir mit "Gebrauchsanweisung" in unserem Hofladen Seegräben "für nur en 2Fränkler" für die Weiterführung des Projektes bei euch zu Hause.

Da staunt der Leihe: Auf unserem Spargelhof in Rafz werden auf gut 50 Hektaren über 100 Kürbis-Sorten angebaut (5ha Ölkürbisse, 7ha Zierkürbisse und 38ha Speisekürbisse). Ein Teil der 1'000 Tonnen geernteten Kürbisse werden im Herbst als Highlight auf unseren Erlebnishöfen in Seegräben und Jona zu sehen sein oder wandern an Hotspots in der ganzen Schweiz.

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