Der Pfäffikersee und seine Ranger

02. Dezember 2015 Sabrina

Laura Walther (Stv. Leiterin Ranger und Gebietsverantwortliche Pfäffikersee) im Porträt.

Er liegt so quasi zu unseren Füssen und zieht jährlich Tausende von Besuchern an: Der Pfäffikersee. Er gilt als "die Perle unter den Seen im Zürcher Oberland“, ist 3.3 km² gross und liegt inmitten einer Hügellandschaft zwischen den Gemeinden Pfäffikon, Wetzikon und Seegräben. Der Pfäffikersee ist eines der wichtigsten Feuchtgebiete der Ostschweiz. Fast alle in der Schweiz vertretenen Pflanzengesellschaften der Hoch- Übergangs- und Flachmoore sind hier vertreten, wodurch das Gebiet als Moorlandschaft von besonderer Schönheit von nationaler Bedeutung ist. (Quelle: www.greifensee-stiftung.ch)

Aufgrund der Nähe unseres Juckerhofs zu diesem ökologischen Schutzgebiet war es naheliegend, Kontakt und Austausch mit den Pfäffikersee Rangern zu unterhalten. Die Arbeit der Pfäffikersee Ranger ist uns wichtig, und wir interessieren uns dafür, was dieses Schutzgebiet ausmacht. Dazu durften wir Laura Walther, Stv. Leiterin Ranger und Gebietsverantwortliche Pfäffikersee der Greifensee-Stiftung befragen:

Laura, was machen die Pfäffikersee Ranger am Pfäffikersee? Was ist ihre Aufgabe?

Wir Ranger vermitteln zwischen Mensch und Natur. Am Pfäffikersee sind wir für die Umsetzung der Schutzverordnung zuständig und betreiben einen Informationsdienst, um Besucher für die Besonderheiten des Schutzgebietes zu sensibilisieren. Hierfür machen wir Rundgänge im Schutzgebiet, organisieren an schönen Sonntagen Infostände zu aktuellen Naturthemen, bieten Führungen für Private und Schulklassen an und betreiben ein Junior Ranger Programm. Die Junior Ranger Gruppen (Kinder aus der Umgebung) lernen viel über die Natur vor ihrer Haustüre und werden auch selber aktiv, z.B. durch Müllsammelaktionen, Rietpflege oder das Erstellen von Kleinstrukturen für z.B. Igel.

Laura Walther mit Interessierten an einer Führung am Pfäffikersee.
Das Robenhauserriet - im Hintergrund Wetzikon und die Glarner Alpen.

Wie oft seid ihr auf Patrouille?

Wir sind rund zweimal unter der Woche unterwegs und jedes Wochenende am Samstag und Sonntag.

Welches Gebiet am See bedarf besonderer Beobachtung?

Am südlichen Ende des Pfäffikersees befindet sich das Robenhauserriet, eine der letzten Hochmoorflächen im Kanton Zürich. Darin enthalten sind seltene Pflanzen und Tierarten. Auch der intakte Schilfgürtel rund um den See ist besonders wichtig für unsere Tierwelt. Unter der Wasseroberfläche finden Jungfische Schutz darin, und über der Wasseroberfläche brüten viele Vogelarten. Am seltensten und gefährdetsten ist die Zwergdommel. Mit ein wenig Glück lassen sich Eisvögel beobachten. Was für mich den Pfäffikersee so speziell macht, ist, dass er einer der wenigen Seen im Kanton Zürich ist, dessen Ufer nicht zugebaut wurden. So bieten sich verschiedene Landschaftsformen auf einer kleinen Fläche. Von Baumalleen über das karge Hochmoor bis hin zur fast schon städtischen Seepromenade in Pfäffikon ist alles vorhanden.

Die Badi Seegräben wird rege besucht.
Die Zwergdommel. Fotografiert von Peter Schmid.

In welcher Jahreszeit gibt es am meisten zu tun?

An schönen Wochenenden im Frühling und Herbst ist an Land am meisten los. Dann tummeln sich Spaziergänger mit und ohne Hunde, Velofahrer, Fischer und Naturbeobachter auf den Wegen und Stegen rund um den See. Im Sommer sind die meisten Leute im und auf dem See unterwegs. Seit 2015 sind wir deshalb im Sommer nicht nur an Land unterwegs, sondern auch mit Kajaks auf dem Wasser. So können wir aktiv auf die Wassersportler zugehen, denn auch auf dem See gibt es Regeln und Ruhezonen für Wildtiere.

Waldohreule am Pfäffikersee.
Das kalte Weiss liegt rund um den See.

Was machen die Tiere im See und am Ufer während der Wintermonate?

Das ist ganz unterschiedlich. Wir haben relativ viele Wasservögel, die nur im Winter bei uns sind und hier bei uns im „Süden“ überwintern (solange die Wasserfläche nicht zugefroren ist). Andere Vogelarten ziehen in den Süden nach Südeuropa oder Afrika. Viele Tiere bleiben das ganze Jahr bei uns und haben verschiedene Strategien entwickelt, um den Winter zu überstehen. Amphibien und Reptilien suchen sich einen Unterschlupf und begeben sich in eine Winterruhe, Igel und Fledermäuse machen einen Winterschlaf, Insekten überwintern als Ei, Puppe oder lassen sich im ausgewachsenen Stadium in eine Winterstarre fallen. Viele Tiere im Schutzgebiet sind aber auch im Winter aktiv, wie Rehe, Füchse, Hermelin, Mäuse, Hasen, Eisvögel, Waldohreulen etc. Wegen der Kälte und Nahrungsknappheit im Winter sind sie besonders stressempfindlich. Deshalb dürfen die Wege im Schutzgebiet auch im Winter nicht verlassen werden. Sobald es wieder wärmer wird, meistens im März, April kommen die Tiere aus ihrer Winterpause, auch die Zugvögel kommen dann zurück.

Wer kümmert sich um den Unterhalt, wenn die Wege gefroren sind?

Die Wege werden im Winter nicht speziell wegen Eis unterhalten. Betreten gilt also auf eigene Gefahr.

Was hat der nun schon länger tiefe Wasserstand für einen Einfluss auf die Tiere, Pflanzen am See?

Für die Tiere direkt am und im See ist dies kein Problem, weil der See noch immer genug Wasser hat. Problematischer ist es für all die kleinen Tümpel in den Rietwiesen, die ausgetrocknet sind und Lebensraum für viele Insekten und Amphibienarten bieten würden. Z.B. trocknen Libellenlarven mit dem Tümpel aus und sterben dadurch ab. Auch für viele feuchtigkeitsliebende Pflanzen kann das Austrocknen der Riet- und Moorflächen langfristig Auswirkungen haben. Torfmoose z.B. speichern Regenwasser und lassen den Moorboden im Hochmoor in die Höhe wachsen. Kurze Zeiten der Trockenheit können sie überstehen, wiederholen sich in den nächsten Jahren aber ausgedehnte Trockenphasen, würden die Torfmoose verschwinden und damit auch die Hochmoore.

 

Vielen Dank, Laura, für all die spannenden Informationen!

Hier erfahrt ihr mehr über die Arbeit der Ranger und erhaltet Hintergrund-Infos: www.greifensee-stiftung.ch

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