Sonnenaufgang Seegräben

Eine heisse Nacht auf dem Hof

11. August 2016 Giacinto

Wenn alles schläft und träumt und der Juckerhof in Seegräben still und gemütlich die Nacht verbringt, dann ist die Zeit für Dino und sein Team. Dino ist unser Chefbäcker und heute Nacht haben wir ein Date. 01.00 Uhr in der Früh. Meiner einer hat nur gerade eine Stunde Schlaf im Gesicht. Für Dino ist Nachtarbeit Alltag: „Ich schätze es sehr, die Nacht zum Tag zu machen und die freie Zeit am Nachmittag mit meiner Familie zu verbringen“.

Mit Laib und Seele

Obwohl Dino in seiner Freizeit leidenschaftlich Platten auflegt, träumt er nicht davon, ein zweiter DJ Bobo zu werden. „Seit über einem viertel Jahrhundert bin ich Bäcker. Und das soll auch so bleiben“, bestätigt Dino, während er den Holzofen anfeuert. „Uns bleibt nicht viel Zeit. Bis der Ofen die richtige Temperatur hat, brauchen wir heute sicher zwei Stunden.“ Unser Programm ist dicht gedrängt. In unserer Schicht bis um neun Uhr sollen sämtliche Brote für unseren Spargelhof Rafz, den Juckerhof in Seegräben und den Bächlihof Jona gebacken werden, 150 Brötli für die Hofrestaurants, 20 Apfelbrote, 30 Apfelstrudel, 100 Pizzateiglinge und vieles mehr. Und Hilfe kriegen wir erst ab 03.00 Uhr von Alex, dem neuen Bäcker in Seegräben. Dino ist kein Mann der grossen Worte. Seinen kurzen, freundlichen und deutlichen Arbeitsanweisungen folge ich gerne. Denn nur mit einem klaren Plan ist das Mammutprogramm zu bewältigen.

Holzofen-Feuer-Romantik
1. Ladung Holzofen-Brote (Dino)

Wir kriegen das gebacken

Alex ist eingetroffen. Er arbeitet erst seit gestern bei uns und ist fasziniert: „Hier kann ich endlich echte Bäckerskunst lernen und an den Tag legen“, schwärmt die Nachteule. Aus unserem eigenen Getreide macht unsere gute alte Steinmühle in der Backstube Mehl. Mit Wasser, Hefe und Salz (und sonst nix) entstehen Teiglinge, welche von uns viel Zeit zum Gären bekommen. Hier wird wie vor 100 Jahren alles von Hand geformt und mit viel Liebe gebacken. Die schwüle Sommernacht und der Holzofen bringen uns ins Schwitzen. Endlich fünf Minuten Zeit für einen Kaffee im Freien. „Das geniesse ich sehr. Die ruhigen und grossartigen Minuten mit meinem Kaffee und der Aussicht auf den See. Jeden Tag aufs Neue“, so Dino Roth. Gleich danach möchte ich unsere Mühle in Action sehen. Heute lassen wir sie nicht lange drehen. Noch mehr Hitze in der Backstube ist nicht gefragt. Für 100 Kilogramm Mehl braucht das gute Stück rund eine Stunde. Sie nimmt sich auch Zeit für gute Qualität. Das feine Vollkorn- oder Ruchmehl gibt es übrigens auch für den Hausgebrauch in unseren Hofläden zu kaufen.

Gemächliche Steinmühle in der Backstube
Neu dabei: Bäcker Alex

Raum und Zeit vergessen

Und schon ist sechs Uhr in der Früh. Jetzt sind wir fast vollständig. Drei Bäcker sind im Einsatz und besprechen, wer noch was zu tun hat, bis dann am frühen Nachmittag der Tag in der Bäckerei gelaufen ist. Ebenso sind die Konditorinnen eingetroffen. Vom Feld in die Pfanne oder den Ofen. So werden frische Beerendesserts, Wähen, Strudel und vieles mehr für unsere Gäste aufbereitet. Auch für die Zubereitung vieler Speisen werden unser Mehl oder die Nebenprodukte aus der Mühle eingesetzt. Somit sind von den gut 45 Tonnen Weizen von unseren Feldern in Rafz viele Tonnen bereits für den Eigengebrauch im Einsatz.

Ich selber laufe langsam auf dem Zahnfleisch. Denn Dino hat mich nicht geschont und mir volles Vertrauen geschenkt. Jetzt wird es Zeit, die Nacht Revue passieren zu lassen und die produzierten feinen Brötlis und Süssigkeiten zu probieren.

Übrigens: Selber probieren macht feiss. Unser Hof-, Most-, oder Kernenbrot ist täglich frisch in unseren Hofläden bereit. Genauso wie kleine Schoggi- und Grillbrötli. Die Leckereien aus der Konditorei können im Restaurant bestaunt und gekauft werden.

Grossen Respekt an die Jungs und Mädels, welche während 365 Tagen für uns Tag und Nacht chrampfen. Und das mit viel Leidenschaft!

Dino, Flo und Alex (Fehlt: Bäcker Beni im Urlaub)
Süsses aus der Konditorei