Hilfe aus Eritrea

25. April 2016 Valérie

Fesehazien Emahazien (sprich „Fsehasié Mhasié“), 31 Jahre alt, kam Ende Juni 2013 als Asylsuchender aus Eritrea und arbeitet bei uns seit dem 4. April auf dem Bächlihof als Praktikant. Er hat eine B-Bewilligung. Lesen Sie die eindrückliche Geschichte.

Gemäss Amt für Wirtschaft und Arbeit sind Leute mit einer B-Bewilligung „Personen, deren Flüchtlingseigenschaft anerkannt wird und in der Schweiz Asyl erhalten. Mit dem positiven Asylentscheid erhält die Person die Jahresaufenthaltsbewilligung B“. Das heisst, er darf hier arbeiten. Aber so einfach ist das gar nicht. Erst muss er den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt finden. Wir bieten ihm auf dem Bächlihof in Jona genau diese Gelegenheit. Er kommt frisch aus dem Asylverfahren und ist im Rahmen eines Integrationsprogramms von REPAS (Regionale Potenzialabklärungs- und Arbeitsintegrationsstelle Rapperswil-Jona; www.abs-sg.ch) hier.

Fesehazien ist froh um Beschäftigung
Levi hat ihn unter seine Fittiche genommen

Nach einem Probearbeiten und einem Treffen unsererseits mit seinem „Coach“ wurde eine Vereinbarung unterzeichnet, die ihn für 3 Monate bei uns in Form eines Praktikums arbeiten lässt. Dieses Praktikum kann auf 6 Monate verlängert werden. Bezahlen müssen wir nichts. Dafür müssen wir auch damit rechnen, dass Fesehazien – wenn er einen bezahlten Job finden sollte – von einem Tag auf den anderen weg ist.

Nie mehr zurückgehen können

Eine Berufsausbildung besitzt Fesehazien gemäss seinem Lebenslauf nicht. Er hat in Eritrea 5 Jahre lang die Grundschule besucht und dann mehrere Jahre als Feld- und Gartenarbeiter gearbeitet. Wie er erzählt, haben seine Eltern dort noch immer einen Bauernhof, auf dem er auch mitgearbeitet hat. Mit Bäumen, Kühen und Ziegen.

Sein Bruder ist auch geflüchtet – er ist in Basel gelandet. Fesehazien wirkt zurückhaltend, aber freundlich. Auf die Frage hin, ob es ihm hier gefalle, antwortet er mit einem knappen Ja. Möglicherweise liegt es am fehlenden Wortschatz, um noch was anzufügen. Aber seine Mimik sagt was anderes – sofern ich das überhaupt auf mein mitteleuropäisches Interpretationsschema beziehen kann.

Als ich versuche, ihn nach seinem Traum zu fragen, ringt er mit sich – wieder bin ich nicht sicher, ob er meine Frage vielleicht gar nicht verstanden hat. Ob er denn zurückwolle, hake ich nach. Aufgebracht erklärt er mir, dass er nicht zurück könne, selbst wenn er wollte – dies hier sei schliesslich nicht seine Heimat. Bei meiner Recherche erkenne ich warum die Rückkehr momentan für immer unmöglich scheint: Gemäss einem Bericht 2008 von Amnesty International werden Personen, die in einem anderen Land Asyl beantragt haben, inhaftiert (wikipedia.org). Angesichts der Menschenrechtsverletzungen in dem Land eine ungeheure Vorstellung. Er muss also damit rechnen, seine Eltern nie wieder zu sehen.

Wie kam es dazu?

„Als nachhaltig agierendes Unternehmen ist es uns ein Anliegen, Menschen in unsere Arbeitslandschaft zu integrieren. Es ist uns eine Herzensangelegenheit, Hilfe suchenden Menschen eine Chance zu eröffnen“, so Susanne Vontobel, Personalchefin der Jucker Farm Betriebe. Ein Anruf des ABS Betreuungsservice AG habe den Stein schlussendlich ins Rollen gebracht. ABS führt in Rapperswil eine regionale Arbeitsintegrationsstelle (REPAS). Diese arbeitet im Auftrag von zehn St. Galler Gemeinden der Region Zürichsee-Linth und ist beauftragt und bemüht Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene fit zu machen für den ersten Arbeitsmarkt und sie dort zu integrieren. 

Ab zum Pfählen!
Einfach zeigen wie's geht - wenn Worte nicht mehr ausreichen.

Wohnen tut Fesehazien in Rapperswil in einer eigenen Wohnung, zusammen mit seiner Frau, mit der er 8 Jahre verheiratet ist. Als Praktikant ist er unter Levente Kovacs‘ Fittichen. „Levi“ kommt aus Ungarn und ist seinerseits seit 5 Jahren im Obstbau auf dem Bächlihof tätig. Levi nimmt Fesehazien jeden Tag mit zu allen Arbeiten, die eben gerade so anstehen. Dabei lernt er sämtliche Bereiche bei uns im Obstbau kennen. Das können Jobs sein wie Heidelbeer-Sträucher schneiden, Äpfel sortieren, neu Pfählen, Stroh verteilen, den Hofplatz wischen, später eben auch Beeri Pflücken. Die Verständigung klappt nicht schlecht. Er versteht viel. Und was nicht erklärt werden kann, wird eben vorgezeigt.

Er und Levi scheinen sich schon gut angefreundet zu haben. Immer wieder mal fällt ein Spruch, bei dem die beiden Grinsen. Bisher mache er seinen Job gut. Er sei immer pünktlich und freundlich, meint auch sein Vorgesetzter Stefan Bächli.

Bestrebungen auch auf dem Spargelhof in Rafz

Auch auf dem Spargelhof in Rafz sollen – soweit wie irgend möglich – Asylbewerber zur Arbeit kommen. Auch da stehen wir mit den lokalen Behörden in Kontakt über eine mögliche Zusammenarbeit und wollen möglichst vielen Leuten die Gelegenheit bieten, auf unserem Hof den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt zu finden. Die Landwirtschaft bietet hier gute Einstiegsmöglichkeiten, die wir und auch andere Bauernhöfe nutzen sollten.

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