In die Falle gegangen!

08. Juni 2017 Valérie

Wer hier an einen armen Braunbären mit Pfötli in einer fiesen, gezackten Bärenfalle denkt, liegt nicht ganz falsch. Auch auf einem Obstbauernhof gibt es Fallen. Allerdings keine Bärenfallen. Aber Fallen ohne Zacken, dafür mit einem Papier, das mit einem besonders widerspenstigen Leim bestrichenen ist. Hier sollen die «bösen» Schädlinge landen, die unsere Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Kirschen befallen und im schlimmsten Fall total ungeniessbar machen. Sie heissen Apfelwickler, Zwetschgenwickler oder kleiner Fruchtwickler, um nur einige zu nennen.

Ganz ohne Tiere töten geht es auch auf dem Obstbauernhof nicht. Sobald die ersten Blüten im April Tageslicht erblicken, kommen auch die ersten Schädlinge auf den Plan. Und sie geben keine Ruhe, bis die Äpfel und ihre süssen Kumpanen im Herbst unter Dach und Fach sind.

Genau hinschauen für weniger Chemie

Aber statt einen Haufen Chemie wild in der Gegend herumzuspritzen, stellen wir lieber Fallen auf und zählen, wie viele Schädlinge in die Falle gegangen sind. Und das machen wir nicht nur unseretwegen. Die Forschungsanstalt Agroscope hat ebenfalls Interesse daran, den Schädlingsdruck engmaschig zu überwachen. Zu diesem Zweck versenden sie über die kantonalen Stellen (in unserem Fall das Landwirtschaftliche Zentrum St. Gallen) wöchentlich Briefe mit Anweisungen, was jeweils ausgezählt werden soll. Auf dem Bächlihof sind wir eine von sechs Stellen im Kanton St. Gallen, die regelmässig Stichproben nehmen, und die Daten Ende Saison an agroscope einschicken. 

Werner Bächli kontrolliert eine Pheromonfalle
Pheromonfalle von innen. Der Duftkörper hängt in der Mitte, unten das weisse Leimpapier.

Schon seit 50 Jahren erledigt Werner Bächli, Vater von Betriebsleiter Stefan Bächli, diesen wichtigen Job. Er zählt jede Woche aus, wie viele Schädlinge in die Falle gegangen sind. Wird ein gewisser Grenzwert überschritten, wird gespritzt. Und zwar erst dann. Im Schnitt ist das 2 Mal pro Saison der Fall.

Schädlinge in Pheromonfallen

Die Pheromonfallen sind kleine braune «Häuschen», die im Baum aufgehängt werden. In den Häuschen hängt ein «Duftstempel», darunter liegt ein mit klebrigen Leim bestrichenes Papier. Die Seiten der Häuschen sind etwas hochgeklappt, dass die Schädlinge nicht mehr so gut raus können. Diese Pheromonfallen werden 1-mal wöchentlich ausgezählt. Wenn nötig wird das Leimpapier ausgewechselt.

Sieben Apfelwickler sind diesmal in die Falle gegangen.
Werner Bächli mit dem Wochenkontroll-Zettel

Heute haben wir den Auftrag, neben der allwöchentlich anfallenden Kontrolle der Pheromonfallen, auch eine Schädlingsauszählung direkt in den Bäumen vorzunehmen. Und zwar müssen wir in fünf verschiedenen Kulturen jeweils Stichproben an 50 Ästen vornehmen. Wir wählen 25 Bäume und untersuchen je 2 Triebe auf Schädlinge, aber auch auf Nützlinge. Dieser Teil der Zählung dauert total ca. 1.5 Stunden. Ich gehe für eine der fünf Kulturen mit. Werner schafft 35, während ich knapp 15 Triebe schaffe. Zusammen finden wir 3 Blutläuse, 5 Spinnen (Nützlinge) und eine mehlige Apfelblattlaus. 

Der ausgefüllte Wochenkontrollzettel
Mehlige Apfelblattläuse

Am Schluss werden alle Schädlinge und Nützlinge addiert. Je nachdem wie das Verhältnis ist, wird entschieden, ob es wirklich nötig ist, Pflanzenschutzmittel zu spritzen. Wenn auch die Art der Kontrollen vom Kanton vorgeschrieben werden, der Entscheid darüber liegt beim Obstbauern.

Weiss- und Gelbfallen

Neben den Pheromonfallen gibt es auch Weiss- und Gelbfallen. Je nach Art der Blüten, die gerade blühen, kommt entweder die eine oder die andere zum Zug. Blühen die weissen Apfelblüten, kommen die Weissfallen zum Zug. Das ist im Prinzip einfach eine Konstruktion aus klebrigem, weissem Papier. Die Schädlinge, die auf die weissen Blüten gehen, werden von der weissen Fläche angezogen und bleiben am Papier kleben. Gelbfallen kommen dann zum Zug, wenn die Kirschen gelb werden.

Auch Nützlinge werden ausgezählt
Gelbfallen im Lehrbuch

Spannender Standort

Für regelmässige Untersuchungen ist der Bächlihof ein guter Standort, weil er von anderen Bauernhöfen relativ isoliert ist. Zudem ist diese Lage in Bezug auf den Pflanzenschutz ein immenser Vorteil, da hier Krankheiten und Schädlinge – wenn sie mal bekämpft sind – nicht so leicht wiederkommen. «Wenn du hier einmal richtig spritzt, hast du nachher für 20 Jahre Ruhe», erklärt Werner Bächli. Das treffe aber nicht für alle Schädlinge zu.

Einmal mehr könnte hier viel weiter ausgeholt werden. Das Thema ist fast unerschöpflich.