Sämi for President

08. Februar 2016 Valérie

Sämi ist ein Jucker-Urgestein. Seit 2005 ist der Goldinger Landwirt Teil des Betriebs und hilft immer da aus, wo’s brennt. Und neuerdings will er hoch hinaus. Er kandidiert für die St.Galler Kantonsratswahlen am 28. Februar 2016. Darum die Flyer auf dem Bächlihof in Jona. Sonst wollen wir ja politisch neutral bleiben, aber bei Sämi konnten wir einfach nicht nein sagen. Es ist schliesslich „unser Sämi“.

Sämi heisst eigentlich Anselm Artho, ist 1952 geboren und auf dem elterlichen Bauernhof in Goldigen aufgewachsen und da kräftig mitgeholfen. „Ich habe nie offiziell Landwirt gelernt, und in der Schule hatte ich einen Fensterplatz“, sagt Sämi, der in seiner Freizeit gerne zuhause im Liegestuhl eine „Sigarre“ raucht.

Sämi, seit wann bist du auf dem Juckerhof?

Seit dem 12. April 2005.

Wie bist du bei hier gelandet?

Ich hatte ja eigentlich selber einen Bauernbetrieb, in der Milchwirtschaft, 30 Jahre lang. Eigentlich hatte ich mit meinem künftigen Schwiegersohn eine Betriebsgemeinschaft, aus der er aber bereits nach einem Jahr wieder ausgestiegen ist. Von meinen Kindern wollte dann keines den Betrieb übernehmen, und alleine wollte ich es nicht mehr machen. Deshalb habe ich über den Maschinenring Zürcher Oberland die Arbeit hier auf dem Juckerhof gefunden.

Eigentlich wurde ich eingestellt als Stv. Leiter Obstbau, unter Ueli Jucker. Aber durch mein „Basteltalent“ hat sich alles etwas in eine andere Richtung entwickelt. Das Gestell im Weinkeller ist zum Beispiel von mir. Ich war sozusagen der Hofreparateur. Mädchen für alles – ohne Computer – dafür kann man mich nicht gebrauchen.

Heute bin ich Chauffeur und ganz zufrieden damit.

Beschreibe einen Arbeitstag…

Morgens um 7.00 fahre ich mit dem Bus nach Jona, lade das Schmutzgeschirr vom Hofladenrestaurant und den Events auf und fahre nach Seegräben. Da nehme ich das frische Gemüse und neues Geschirr mit und fahre nach Jona. Am Nachmittag steht vor allem Abfallentsorgung an.

Was magst du an deiner Arbeit am liebsten?

Die Selbständigkeit. Und der Job ist recht vielseitig.

Was nervt dich hier?

Das Chaos im Herbst. Ohne das wäre es perfekt.

Wie entspannst du dich in der Freizeit?

Am liebsten geniesse ich die Natur – zuhause an der Sonne im Liegestuhl und rauche dazu eine Zigarre. Oder am Sonntag gehe ich gerne in den Frühschoppen – oder in die Kirche – aber eher dort, wo es ein Bier gibt ;-).

In den Ferien unternehme ich gerne Reisen in andere Länder. Im Mai wartet zum Beispiel Kanada und anschliessend geht es für eine kleine „Kulturreise“ nach Kroatien. Im Moment nutze ich die Zeit aber für den Wahlkampf und verteile fleissig Kaugummis an öffentlichen Plätzen.

Hast du Zukunftsträume, die du uns verraten magst?

Mich verstärkt in der Politik engagieren! Die Landwirtschaft ist im Kantonsrat St. Gallen untervertreten.

Warum kandidierst du für den Kantonsrat?

Ich bin schon länger politisch engagiert. Seit 1993 im Vorstand der FDP. Damals war der Auslöser für mein Engagement der CVP-Filz in Goldingen. Meine Familie war aber eher unpolitisch.

Heute geht es mir darum, mich als Vertreter der Bauern für die Wirtschaft stark zu machen. Wir Landwirte leben nicht nur von der Natur – wir erhalten und gestalten sie auch. Unsere Freiheiten, wie auch jene des Gewerbes, werden aber immer mehr eingeschränrkt. Dagegen wehre ich mich.

Warum die FDP? Als Bauer könnte man meinen, du würdest dich eher in einer anderen Partei engagieren… 

Die SVP-Bauern können nicht über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Dabei schadet die Abschottungspolitik auch der Landwirtschaft, denn wir sind direkt von der Wirtschaft abhängig. Geht es der Wirtschaft schlecht, haben wir weniger finanzielle Reserven, also auch weniger Geld in der Kasse für Direktzahlungen…