Trockener Winter – Auswirkungen auf Landwirtschaft?

05. Januar 2017 Valérie

Vor wenigen Tagen war es in aller Munde: Der extrem trockene Dezember 2016. Zwar hat es mittlerweile ordentlich geschneit, aber dass es im vergangenen Monat praktisch nicht geregnet hat, schleckt keine Geiss weg (Bericht SRF Meteo)

Dies, nachdem es im Herbst 2015 bereits eine sehr trockene Phase gegeben hatte, die unseren Nüsslisalat-Kulturen stark zusetzte (wir berichteten: „Nüsslisalat im Freiland vertrocknet“ 4. November 2015)

Was hat der trockene Dezember nun für Auswirkungen auf unsere Kulturen?

Es ist gar nicht so schlimm, wenn es im Winter so trocken ist. Das wird in den Interviews mit unserem Obstbauchef Stefan Bächli und dem stellvertretenden Leiter des Spargelhofs in Rafz, Raphael Peterhans klar. Zudem darf das erste Mal in der Landwirtschaftsgeschichte ein Bauer das Wetter wünschen! ;-)

Stefan Bächli, hat der trockene Dezember Auswirkungen auf den Obstbau?

Eigentlich nicht. Der Boden ist feucht genug. Die Bewässerung der Heidelbeeren ist schon länger abgestellt. Die brauchen momentan auch kein Wasser, weil sie alle Blätter verloren haben. Im Winter ist für viele Kulturen Ruhepause. Das Wetter war für den Obstbau eigentlich ideal. Man konnte gut arbeiten, so ohne Schnee.

Im Frühling wäre so eine Trockenheit nicht so gut. Sobald die Bäume erwachen, starten sie mit dem Wachstum, sie produzieren Blüten und Blätter. Dann wäre knappes Wasser nicht gut. Oder später im Sommer, während der Zellteilung der Äpfel. Aber auch für eine allfällige Trockenphase sind wir gut gerüstet: Das Wasserreservoir, das wir vor 2 Jahren in Seegräben gebaut haben, ist randvoll und würde uns für eine gewisse Zeit „über Wasser halten“ ;-).

Aktuell ist es ja schön kalt. Besteht die Hoffnung, dass der kalte Winter wenigstens mit der lästigen Drosophila Suzuki-Plage aufräumt?

Drosophila Suzuki ist nun schon einige Jahre in der Schweiz. Sie hat sich mittlerweile angepasst und kann auch Minustemperaturen ertragen. Es braucht neu etwa -15 Grad Celsius, damit sie stirbt. Oft überwintern die Tiere auch im Kellerfenster, wo es nie ganz so kalt wird. Ich fürchte, wir müssen uns auch nächstes Jahr wieder mit unserer neuen „Freundin“ herumzuschlagen.

Raphael Peterhans, stellvertretender Leiter des Spargelhofs, sieht die Lage ähnlich. Den Nüsslisalatkulturen gehe es gut. Dieses Jahr sei die Trockenheit etwas später gekommen. Dies zu einem Zeitpunkt, an dem es für die Kulturen keine grossen Auswirkungen mehr gehabt hat. „Der Nüsslisalat war schon gross genug und wir haben eine gute Restfeuchte im Boden – auch vom Nebel. Jetzt wächst der Nüsslisalat nicht mehr so schnell“, so Peterhans.

Wenn du als Gemüsebauer jetzt wünschen könntest: Was wäre dein Traumwetter für die nächsten 4 Monate? :-)

Aah, ich darf das Wetter wünschen!! (lacht). Das ist ja mal eine schöne Überraschung :-). Aaalso: Jetzt im Januar und im Februar darf es gerne noch etwas kalt sein, damit wir möglichst viele Schädlinge loswerden durch den Frost. Frostharter Boden ist gut, dann können wir auch mal Arbeiten mit dem Traktor ausführen. Etwas Schnee, zum Isolieren der Kulturen, aber nicht zu viel, damit wir den Nüsslisalat noch bequem ernten können.

Dann im März darf es langsam wärmer werden, gegen Ende Monat so gegen 10 Grad erreichen und 1x pro Woche etwas regnen. So 10-15 Millimeter pro Quadratmeter. Aber immer mit einer Pause dazwischen, damit das Wasser Zeit hat, zu versickern oder von den Pflanzen aufgenommen zu werden.

Im April hätte ich dann gerne auch noch etwas durchzogenes Wetter mit etwas Regen zwischendurch, aber dann doch auch zünftige Sonnentage mit Temperaturen um die 15 Grad, damit die Spargeln schön in Schwung kommen. 

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