Warum sind Spargeln so teuer?

18. April 2017 Valérie

Spargel ist eines der teuersten Gemüse überhaupt. Warum das so ist, und warum der Spargel aus Mexiko so viel günstiger ist, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Ausserdem hat das SRF unsere Spargelstecher in Rafz interviewt:

Zur Reportage

Hauptteil importiert

2014 wurden 872 Tonnen Schweizer Spargeln verkauft. 10'855 Tonnen wurden importiert, die meisten davon aus den USA und restlichem Amerika oder aus Spanien (Quelle: Gemuese.ch). Die Schweizer Nachfrage kann also bei weitem nicht durch inländische Produktion gedeckt werden.

Es wird gut 12-mal mehr importiert, als hier in der Schweiz momentan produziert wird. Pro Kopf wurden 2014 also 1,4 kg Spargeln verzehrt, allerdings wurden nur lausige 100 Gramm davon durch Schweizer Produktion gedeckt. Auch wenn gemäss Tagi-Umfrage alle behaupten, sie würden Schweizer Spargel bevorzugen. Die Realität sieht anders aus.

Mit ein Grund, warum so viel mehr Importspargel konsumiert wird, dürfte der hohe Preis für Schweizer Spargel sein. Während man im Grossverteiler für das Kilo Spargeln aus Peru oder Mexiko ab 8.50 CHF bezahlt, kosten Spargeln der gleichen Qualitätsklasse von uns zwischen 19 und 23 Franken, also das Doppelte bis Dreifache.

Warum ist der Schweizer Spargel so viel teurer?

Spargelernte ist Handarbeit. Und zwar eine zeitaufwändige und schwierige Arbeit. Denn jede Stange wird einzeln gestochen (weisser Spargel) oder geschnitten (grüner Spargel). Es braucht also vergleichsweise viel Manpower, um das Gemüse zum Kunden zu bringen. Und hier haben wir in der Schweiz natürlich viel höhere Löhne.

Höhere Löhne

Wir richten uns nach den Landwirtschaftlichen Normen. Ein absoluter Anfänger-Erntehelfer verdient 3200 Franken pro Monat. Dieser Lohn steigt durch mehr Arbeitserfahrung, Anzahl Jahre Tätigkeit bei uns im Betrieb, Deutschkenntnisse, übernommene Verantwortung etc. Ein Vorarbeiter verdient bis zu 4500 Franken im Monat. Die Normarbeitszeit eines Spargelstechers sind 10 Stunden pro Tag, oder 55 Stunden pro Woche bzw. 220 Stunden pro Monat. Überstunden werden zusätzlich zum Monatslohn ausbezahlt. Meist wollen die Leute auch mehr Stunden leisten, um in der kurzen Zeit, in der sie hier sind, möglichst viel Geld zu verdienen (Bericht 20 Min).

In Deutschland gilt neu seit diesem Jahr ein Mindestlohn von 8.50 EUR pro Stunde (Quelle: Deutschlandfunk.de). Rechnet man das auf einen Monat hoch, ergibt das einen Monatslohn von 1'870 Euro oder knapp 2000 CHF. In Mexiko sind die offiziellen Mindestlöhne um die 120 CHF pro Monat (je nach Quelle und Umrechnungskurs; Amerika21.de, tradingeconomics.com). 

Vergleichen wir doch mal die Spargelpreise und die Mindestlöhne:

Spargelpreise im Vergleich (Schweiz-Mexiko)

 

Preis pro Kilo 1. Klasse Spargel CH: ca. 17 CHF (Saisondurchschnitt)

Preis pro Kilo 1. Klasse Spargel MX: 8.50 CHF

(Unterschied Spargelpreis CH-MX Faktor 2)

Vergleich Mindestlöhne Spargelstecher (CHF)

Mindestlohn Spargelstecher pro Monat CH: 3'200.-

Mindestlohn (alle Berufe*) pro Monat MX: 120.-

(Unterschied Mindestlohn CH-MX Faktor 26.7)!

*wir gehen davon aus, dass ein Spargelstecher in Mexiko den Mindestlohn erhalten.

 

Während der Spargelpreis bei uns rund 2-mal teurer ist, verdienen Spargelstecher bei uns 26.7-mal mehr als in Mexiko! Ein frappanter Unterschied. Allerdings ist Mexiko in Punkto Arbeitsbedingungen nun wirklich nicht jenes Land, an dem wir uns orientieren wollen. Zudem fliessen in den Spargelpreis noch andere Faktoren mit ein.

3'200 Fr. Lohn für 24'000 Fr. Spargel

Ein geübter Spargelstecher erntet zwischen 7 und 10 Kilogramm Spargeln pro Stunde. Die Ausbeute an 1. Klasse-Spargel liegt bei ca. 80%, also zwischen 5.6 und 8 kg. Von den 220 Arbeitsstunden pro Monat verbringt ein Spargelstecher rund 176 Stunden effektiv mit Stechen. Er sticht also zwischen und 985 kg und 1'408 kg Spargel pro Monat.

Wenn man pro Kilo 1. Klasse Spargeln x 17 Franken rechnet, liegt der erwirtschaftete Betrag pro Spargelstecher monatlich bei 16’755- 23’936 CHF. Der Spargelstecher erhält also ca. 13% von dem, was er geerntet hat.

Das mag auf den ersten Blick brutal scheinen. Allerdings fliessen in den Preis noch zahlreiche andere Faktoren mit ein. Die Arbeiten vor- und nach der Erntezeit sind ebenfalls mit dieser Spargelmenge zu bezahlen.

Nicht nur der Spargelstecher

Der Spargel-Setzling hat bereits etwas gekostet, das Setzen, die Spargeldämme fräsen. Nach der Ernte muss der Spargel gewaschen werden. Das geschieht durch eine spezielle, in der Anschaffung teure Spargelsortier- und Waschanlage, die ebenfalls amortisiert werden musste.

Es braucht auch sonst einen Haufen Infrastruktur, um Spargeln produzieren zu können: Schockkühler, Spargeldammfräse, Spargelpflug, Spargelspinne. Mit einfliessen tut auch der Lohn des Personals beim Sortieren, Rüsten und Packen, die Lagerung und Kühlung, Lohn des Verkaufspersonals, Kosten für den Vertrieb und das Marketing etc. Das alles muss von der geernteten Spargelmenge ebenfalls abgedeckt werden.  

«Am Ende bleiben uns nur noch wenige Franken von den 17 Franken pro Kilo, die wir wieder ins Geschäft oder neue investieren können», so Raphael Peterhans, Produktionsleiter auf dem Spargelhof in Rafz.

Fazit

Auf den ersten Blick scheint der Spargel teuer und der Lohn ungerecht. Aber es steckt eben auch eine Menge Arbeit und Infrastruktur dahinter.

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