Unternehmer Stefan Müller
Hofleben von Nadine

Unternehmerportrait #1: Stefan Müller

Im Rahmen des Unternehmer-Lehrgangs der HofAkademie stellen wir eine Reihe interessanter Unternehmer vor, die während dem Lehrgang als Mentoren agieren. Den Anfang macht Stefan Müller von der S. Müller Holzbau AG in Wil im Kanton St. Gallen.

Wer bist du und was macht dein Unternehmen?

Ich bin als Bauernsohn aufgewachsen und wollte eigentlich immer Bauer werden. Unser Bauernhof war jedoch sehr klein und mein Vater hat mich ermutigt zuerst etwas anderes zu lernen. So habe ich die Lehre als Zimmermann begonnen. Dann bin ich irgendwie da hängengeblieben. Hatte gute Noten, habe eine kaufmännische Ausbildung angehängt und bin am Schluss in der Technikerschule gelandet. Mit den Händen arbeiten, auf dem Bau, das hat mir gefallen. Das kommt jetzt etwas zu kurz – viel zu kurz ehrlich gesagt.

Die S. Müller Holzbau AG besteht heute aus 90 Mitarbeitern und ich führe das Unternehmen auf sehr kollegiale Art und Weise. Beispielsweise sind wir alle gleich angezogen, man sieht also nicht, wer Chef oder Lehrling ist. Wir feierten 2018 unser 10-jähriges Bestehen.

Wir bieten eine grosse Breite von Kompetenzen und Arbeiten in Holz, jedoch vor allem Holzelementbau für Ein- oder Mehrfamilienhäuser, Industriebauten, Gewerbe usw. an. Wir haben gemerkt, dass wir uns als Unternehmen nur weiterentwickeln und qualitativ wie auch quanitativ wachsen können, wenn wir an den Endkunden rankommen. Daraufhin haben wir unsere Dienstleistungen weiter ausgebaut, eine Architekturabteilung aufgebaut, begannen Brandschutzkonzepte und Bauberatungen anzubieten und wollen in der Zukunft eine Ingenieurabteilung aufbauen. Wir können dem Endkunden also ein Bauprojekt von A bis Z anbieten.

Was hat dich dazu bewegt ein Unternehmen zu gründen?

Ich habe diese Firma vor 10 Jahren gegründet, es war ein Management Buyout aus der Firma Marty Häuser AG, die beschlossen hat, den ganzen Bereich Holzbau abzutrennen. Ich arbeitete damals während meiner Technikerschule als Praktikant dort und habe recht Gas gegeben, was dem Management gefallen hat. Nach der Schule kam ich zurück zur Firma und man hat mich gefragt, ob ich bereit wäre, den Holzbau Bereich zu übernehmen. Man muss sich vorstellen, ich war damals 24, hatte null Erfahrung, kein Geld, ich stand vor einem riesigen Berg mit nichts in meinem Rucksack. Nach vielen Gesprächen mit der Familie, mit Banken, anderen Unternehmern haben mir alle davon abgeraten das Angebot anzunehmen, da das Risiko einfach zu hoch war. Ich habe dann auch abgesagt. Aber der Geschäftsführer fragte mich, ob das meine Herzensentscheidung sei oder die des Umfelds und mittels Handschlag wurde ich an diesem Tag Unternehmer.

In den ersten 8 Jahren habe ich die Firma primär durch Bauchgefühl geführt, mit den richtigen Mitarbeitenden, den richtigen Kunden. Etwas Glück half, jedoch steckte viel Arbeit und Wille dahinter. Ich habe Tag und Nacht gearbeitet und konnte innert kürzester Zeit dieses Unternehmen aufbauen.

Welche Eigenschaften machen einen guten Unternehmer oder eine gute Unternehmerin aus?

Ein guter Unternehmer muss zuhören können, das ist etwas vom Wichtigsten. Man muss Meinungen, Bedürfnisse und Ideen von Anderen aufnehmen können, so dass nicht nur deine eigene Meinung zählt. Ich selber beurteile mich als eher schlechten Geschäftsführer oder Unternehmer, trotzdem gibt mir der Erfolg recht. Manchmal frage ich mich, wieso es so gut läuft (schmunzelt), vielleicht hängt viel auch von meinem Ehrgeiz ab. Von meinen Mitarbeitenden kriege ich jedoch viel positives Feedback, sie sagen mir, dass ich eher indirekt führe, über Aufgaben.

Ein guter Unternehmer muss nach vorne schauen, muss wissen, wohin er will, eine Vision haben. Und klare Ziele mit dem Team zusammen erarbeiten, damit die Vision erreicht werden kann.

Ah und Vorleben – das ist eigentlich das Wichtigste!

 

Im Video fasst Stefan zusammen, was für ihn ein guter Unternehmer ausmacht:

Welches sind deine High- welche deine Low-Lights deines Unternehmer-Daseins?

Ein Highlight war 2014, als wir im Final um den Preis des Swiss Economic Award kämpften. Auch wenn wir nicht gewonnen haben, das hat uns klar gezeigt, dass wir etwas geschafft haben. Vor allem als Unternehmen in der Baubranche, die doch sehr traditionell unterwegs ist. Das hat uns den Drive gegeben, noch mehr zu erreichen.

Wir hatten aber auch schon Projekte die «Bach ab gingen». Vor allem auf finanzieller Basis. Ein Beispiel ist eine grosse Überbauung, die ich unbedingt wollte, um unsere Kompetenzen und Leistungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dabei haben wir den Kampf mit den grössten Schweizer Bau-Playern aufgenommen. Das hat finanziell wirklich weh getan… Aber im Nachhinein kann ich sagen, dass sich aus all meinen Projekten etwas Positives ergeben hat, auch aus den Gescheiterten. Ich bereue nichts.

Ich bin sehr stolz auf das, was wir bisher als Unternehmen geschafft haben, es ist schön, Erfolg vorweisen zu können. Vor allem wenn man bedenkt, wie alles angefangen hat und woher ich komme. Die Kehrseite des Erfolgs ist das Zeitmanagement, ich tendiere etwas zum Workaholic. Das versuche ich seit einer Weile zu verbessern, habe die Firma umstrukturiert, gute Mitarbeiter eingestellt, eine Geschäftsleitung gegründet, die mir den Rücken freihält. Der Körper gibt schon klare Signale, auf die man hören sollte.

Schlussendlich – trotz super Mitarbeitenden – hängt trotzdem viel an mir. Ich stehe mit meinem Namen hinter dem Unternehmen. Das ist schön, übt aber einen gewissen Druck aus. Der Druck ist unter anderem finanzieller Art, ich will Sicherheit bieten für meine Leute. Als Unternehmer muss man mit diesem Druck umgehen können.

Welche Werte lebst du vor in deinem Unternehmen?  Und wie stellst du sicher, dass deine Mitarbeitenden diese Werte leben?

Wir haben eine tolle Unternehmenskultur im Unternehmen, vorgelebt von mir, aber getragen vom Team. Wir haben eine wirklich «geile» Truppe, das muss ich hier mal sagen. Gearbeitet wird auf sehr kollegialer Basis, trotzdem herrscht Respekt untereinander.

Meine Werte, die ich lebe sind Ehrlichkeit, Fairness und Transparenz. Diese drei Schlagwörter sind die Basis für die Zusammenarbeit. Schon in der Personalrekrutierung legen wir viel Wert auf Persönlichkeit. Zuerst muss immer die Person stimmen, Kompetenzen kann man aufbauen und weiterentwickeln. Wenn jemand nicht ins Team passt, dann fühlt sich derjenige auch nicht wohl.

Jeder Mitarbeiter muss zuerst Probearbeiten kommen. Da merken wir schnell, ob es für uns und den Bewerber passt. Manchmal muss man nach dem Probearbeiten Hhalt sagen, es geht nicht und die Stelle wieder ausschreiben. Lieber etwas länger warten und weitersuchen, als jemanden anstellen, der nicht wirklich in die Firma passt. Das haben wir am Anfang etwas vernachlässigt, da haben wir einfach Leute gebraucht. Mittlerweile kennen wir uns besser und haben unsere Werte niedergeschrieben. Bei der Rekrutierung hilft auch eine professionelle HR-Fachfrau.

Schwierig ist ja immer die Werte weiterzuführen, wenn man wächst als Unternehmen. Man muss sich konsequent ans Leitbild und die niedergeschriebenen Werte halten.

Neu haben wir das GAV Label Holzbau Plus eingeführt. Dort werden zuerst einmal die Anstellungsbedingungen der Mitarbeitenden angeschaut, aber auch die Unternehmenskultur, Personalführung usw. werden bewertet. Das Label ist eine Art ISO Zertifizierung im Personalführungsbereich.

"Schon in der Personalrekrutierung legen wir viel Wert auf Persönlichkeit. Zuerst muss immer die Person stimmen, Kompetenzen kann man aufbauen und weiterentwickeln."

Stefan Müller, Gründer von S. Müller Holzbau AG

Wie bist du auf die HofAkademie gekommen? Wie engagierst du dich bei der Hofakademie?

Ich habe Beat und Martin Jucker am Swiss Economic Forum kennengelernt und über sie habe ich von der HofAkademie erfahren. Zuerst wollte ich nicht mitmachen, weil mir einfach die Zeit fehlt. Doch es reizte mich, da viele interessante Personen mit dabei sind, auch aus anderen Branchen. Auch die Jucker Farm AG ist wertemässig ähnlich wie die S. Müller Holzbau AG.

Auch möchte ich meine Erfahrungen weitergeben. Ein anderer Jungunternehmer muss die gleichen Fehler ja nicht unbedingt wiederholen. Auf die Nase fliegen ist nicht schlimm. Wichtig ist, dass man wieder aufsteht und aus den Fehlern lernt. Deshalb habe ich den Job als Mentor in der HofAkademie angenommen.

Was machst du neben deiner Arbeit und all deinen beruflichen Engagements?

So wild ich im Unternehmertum bin, so wild bin ich auch Privat. Ich mache viel Sport; Biken, Wandern, Bergsteigen habe ich angefangen, Skifahren, Skitouren, Langlaufen und immer mal wieder was Neues. Ich kann einfach nicht «normal», es braucht immer eine Leistungskomponente. Immer Vollgas. Und immer zu unmöglichen Zeiten, zum Beispiel geh ich am oft am Sonntagmorgen um 5 Uhr biken.

Dann habe ich Familie. Drei Kinder, die kommen leider immer etwas zu kurz. Ich glaube, die haben sich schon dran gewöhnt. Aber aufs neue Jahr hin habe ich mir zum Ziel gesetzt, mir etwas mehr Zeit für sie zu nehmen. Aber ich werde wohl nie der klassische Familienvater sein, der abends um 17 Uhr zu Hause ist. Das will auch meine Frau nicht, denke ich mal (lacht). Meine Kinder haben auch eine Werkstatt, kommen ab und zu in die Firma. Sportlich sind sie auch sehr aktiv. Kommen wohl nach mir…

 

Mehr zum Unternehmer-Lehrgang finden Sie auf www.hofakademie.ch.

Nadine kam von der Bank zum Bauernhof. Sie ist seit 2016 Marketing- und Kommunikationschefin bei Jucker Farm. Ihre Spezialität ist die digitale Kommunikation. Neben Ihrem Job backt sie leidenschaftlich gerne (Zum Portrait).

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