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Warum wird man Bauer?

Man arbeitet mindestens 55 Stunden die Woche, muss bei Wind und Wetter raus, wird dreckig bei der Arbeit und der Lohn ist am Ende bescheiden. Und doch haben sich viele bei uns bewusst für diesen Beruf entschieden. Bauer sein, das ist eine Berufung. Oder doch nicht?

Wir haben fünf unserer Bauern gefragt, was SIE jeden Tag motiviert, aufs Feld zu gehen.

  • Raphi Peterhans (32), Stv. Vertrieb und selbständiger Landwirt
  • Walter Pfister (48), Mitgründer und Verwaltungsrat
  • Petra Hager (45), Leitende Obstbäuerin Juckerhof
  • Martin Jucker (50), Mitgründer Jucker Farm
  • Stefan Bächli (39), Leitender Obstbauer und Inhaber Bächlihof

Raphael Peterhans (32), Stv. Vertrieb und selbständiger Landwirt.

Walter Pfister (48), Mitgründer und VR Jucker Farm

Petra Hager (45), leitende Obstbäuerin Juckerhof Seegräben

Martin und Beat Jucker

Martin Jucker (links, 50), gelernter Obstbauer und Mitgründer Jucker Farm

Stefan Bächli (39), leitender Obstbauer und Inhaber Bächlihof

Wie gerne bist du Bauer/Bäuerin?

Stefan Bächli (StB): Sehr gerne. Es war und ist mein Traumjob.

Martin Jucker (MJ): Was gibt es schöneres, als gesunde Nahrungsmittel herzustellen?

Walter Pfister (WP): Leidenschaftlich gerne, das Produzieren und Verkaufen von Lebensmitteln ist mein Lebensinhalt.

Petra Hager (PH): So gut, dass mir unberechtigte Anfeindungen von Drittpersonen nichts ausmachen 😊.

Warum hast du dich (damals?) für deinen Beruf entschieden? War das ein bewusster Entscheid, fühltest du dich dazu gezwungen oder war das Zufall?

SB: Es war eigentlich gar nicht so klar, obwohl meine Eltern Bauern sind…. Zuerst hatte ich mal TV-Radio-Elektriker geschnuppert, aber dieses «Den-ganzen-Tag-drinnen-sein» hat mir dann nicht so gefallen. Ich ging dann bei Ueli Jucker doch noch Obstbauer schnuppern und da hat es einfach «klick» gemacht. Das familiäre Zusammenarbeiten, das draussen schaffen, das hat mir gefallen. Ich habe gemerkt, dass ich gerne mit den Händen arbeite und sehe, was ich gemacht habe. Alle anderen Schnupperstellen waren nach 2-3 Stunden bereits langweilig. Hier war meine Kindheit wahrscheinlich schon prägend: Ich war da halt schon viel draussen. Und im Beruf gehalten hat mich sicher auch die Möglichkeit, in Zukunft den Hof zu übernehmen und mitzugestalten. Lange zu arbeiten hat mich nie gestört, dafür konnte ich auch mal früher gehen. Die Flexibilität, mir meine Arbeit selber einteilen zu können, gefällt mir heute noch.

RP: Ich habe schon als Kind und Jugendlicher immer zuhause auf dem Hof gespielt und später auch gerne mitgearbeitet. Das war unser Hobby und Spielplatz und eine gute Abwechslung zur «langweiligen» Schule 😉 Aus verschiedenen Gründen, insbesondere der eventuell unsicheren Zukunft der CH-Landwirtschaft und wegen der flexibleren Job-Wahl, habe ich als 1.-Ausbildung Zimmermann gelernt. Anschliessend war aber klar, dass ich gerne in die Landwirtschaft einsteige und Obstbauer werden möchte. Weil die Betriebsgemeinschaft während meiner Ausbildungszeit zu «bröckeln» begann, beschloss ich, noch ein Fachhochschulstudium anzuhängen. Je länger, desto mehr bin ich von der Wahl sehr überzeugt und stolz einen «richtig sinnvollen» und schönen Job machen zu können.

MJ: Das war von Ueli (Vater) geschickt eingefädelt. Er hat mich zum Beruf des Obstbauern hingeführt. Ich wollte das damals und es kam nichts anderes für mich in Frage.

WP: Als ältester Sohn bin ich immer mit dem Vater mitgelaufen im eigenen Betrieb und bin so automatisch reingewachsen. Es gab null Zweifel oder andere Gedanken.

PH: Ich hatte zuerst einen anderen Jon. Aber dann habe ich bewusst etwas gesucht, wo man draussen arbeiten kann. Und so bin ich Landwirtin geworden.

In welchen Momenten gibt dir dein Beruf besonders viel?

RP: Mit coolen Leuten zusammen richtig viel erreicht zu haben. Am Abend kurz vor dem Regen das letzte Fuder Heu verräumt zu haben und dann ein Bier aufzutun ist wohl das Schönste auf der Welt.

SB: Die Erntezeit ist die schönste Zeit. Und die lustigen Momente mit den Tieren. Das ist sehr erfüllend. Oder das Zusammenarbeiten mit anderen Leuten. Am gleichen Strick ziehen, mit den Eltern und den Kindern, das ist schon was Schönes. Bauern ist eine Lebenseinstellung, kein Job.

MJ: Bei der Ernte.

WP: Wenn ich ein schönes Produkt produziert und gut verkauft habe, an den Handel oder noch lieber direkt an den Konsumenten. Und dann natürlich die Erlebnisse in der Natur, v.a. am frühen Morgen, wenn der Tag erwacht.

PH: Wenn ich etwas mit anderen Gleichgesinnten teilen kann. Überhaupt, das miteinander Erleben, Erlernen und Erfahren. Die Arbeit mit der Natur und den Tieren gibt mir eine gewisse Demut und Respekt dem Leben gegenüber. Und die Sicht auf die Dinge verändert sich.

Und in welchen Momenten würdest du am liebsten den Bettel hinschmeissen?

RP: Wenn ich mich nur ums Probleme lösen kümmern muss. Erfolgserlebnisse müssen zwischendurch kommen, sonst ist es sehr ermüdend.

SB: Was ich gar nicht gerne machen ist der ganze administrative Firlefanz, das bremst einen aus und hat in den letzten Jahren nur noch zugenommen. Aber so wirklich zum Hinschmeissen bringen wird mich auch das nicht. Zweifel gibt es vielleicht schon, aber man findet halt immer wieder einen neuen Weg.

MJ: Wenn es hagelt.

WP: Bei Überlastung oder bei Konflikten mit dem Personal. Oder wenn das Wetter nicht passt oder Ausfälle verursacht.

PH: Bei grossem Unverständnis oder Unverhältnismässigkeiten seitens der Nicht-Landwirte.

«Ich würde mich sofort wieder für diesen Beruf entscheiden, weil ich mir keinen anderen Beruf vorstellen kann.»

Walter Pfister - Mitgründer und Landwirt

Deine Einschätzung: Warum werden andere Leute Bauern?

RP: Bei Lernenden wahrscheinlich, weil sie gerne mit Maschinen, Tieren und der Natur arbeiten. Bei Umsteigern ist es eher, weil sie eine Tätigkeit mit viel Sinn suchen und gesunde Nahrungsmittel produzieren wollen.

SB: Entweder kommst du von der Landwirtschaft und kennst es von zu Hause. Bei den Zweitbildnern dürfte schon die Selbstverwirklichung im Vordergrund stehen. Es sind sicher Leute, die gerne selbständig arbeiten und ihr eigener Chef sind. Und sie haben meist Ideen wie man Landwirtschaft besser machen könnte.

MJ: Ich denke, wenn man auf einem Bauernhof aufwächst und sich zu dem Beruf berufen fühlt haben sich solche Fragen nie gestellt.

WP: Einerseits wegen der natürlichen Nachfolge wie bei mir, innerhalb der Branche. Andererseits gibt es Quereinsteiger mit Weltverbesserungsansichten, die sehr positive Inputs für die Branche bringen und traditionelle Strukturen aufbrechen können.

PH: Weil sie selber auf einem Hof aufgewachsen sind, den Hof übernehmen können oder einfach, weil es ein sehr vielseitiger Beruf ist.

Wenn du NICHT Bauer geworden wärst – was hättest du dann gemacht?

RP: Ich hätte wohl die Höhere Fachschule als Holzbautechniker gemacht und dann im Holzbau gearbeitet.

SB: Früher wollte ich mal Millionär werden 😊 Keine Ahnung, hab ich mir gar nie so überlegt... Ich hätte mich sicher selbständig gemacht. Ich bin ein «Draussen-Unternehmer». Ich mache gerne neue Sachen.

MJ: Ich wäre wohl in der Berufsfeuerwehr.

WP: Das war nie ein Thema. Heute denke ich, dass Koch auch eine spannende Sache wäre, aber nur wenn das Produkt von A-Z durch meine Hände geht. Also ein spezieller Koch, der auch noch Produzent ist.

PH: Vielleicht hätte ich weiter im Verkauf gearbeitet und dafür meine Hobbies in der Natur mehr ausgelebt.

Würdest du dich heute nochmal für diesen Beruf entscheiden? Warum ja/nein?

RP: Ja, aber immer in einem Team. Bei Jucker arbeiten wir als Unternehmen in einem Team und können so erfolgreich, kreativ und flexibel sein. Und bei Bedarf können wir uns ergänzen oder ablösen. Dasselbe haben wir auf meinem Betrieb in der Betriebsgemeinschaft. «Allein» einen Betrieb zu schmeissen wäre nichts für mich.

SB: Ja, aber nur wenn ich auch dann selber einen Hof hätte und den weiterentwickeln könnte. Wenn ich nur angestellt wäre als Obstfachmann, weiss ich es nicht… Dann würde ich vielleicht was anderes machen. Oder nur Äpfel einfach in den Handel abliefern, das wäre auch nicht lustig. Ich bin zwar Bauer, aber eben auch Unternehmer auf meinem Hof.

MJ: Ja, weil es kein Beruf sondern eine Berufung ist…

WP: Ja sofort. Weil ich mir keinen anderen Beruf vorstellen kann, auch wenn ich heute nur noch selten direkt mit der Scholle arbeite.

PH: Ja, weil es so abwechslungsreich, vielseitig und sehr naturbezogen ist.

 

...und wer bis hierhin gelesen hat, darf jetzt selber noch eine Frage beantworten: 

Wenn du Bauer oder Bäuerin bist: Würdest du nochmal deinen Beruf wählen und warum ja/nein? 
Wenn du einen anderen Job hast: Könntest du dir vorstellen, Bäuerin oder Bauer zu sein?

Schreib doch unten einen Kommentar hin ;-).

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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