Susanne Vontobel
Hofleben von Valérie

Goodbye nach 18 Jahren

Susanne geht. Und das ist ein «big deal». Weil Susanne gehörte sozusagen zum Inventar. Sie war quasi von Anfang an dabei. Die Jucker Farm Mitarbeiterin der ersten Stunde. Und natürlich sind wir emotional komplett im Seich, dass sie geht. Sie war so etwas wie das Hofmami und hat zum Schluss das Personal unter sich gehabt.

Aber fangen wir von vorne an. Aufgewachsen ist auch sie auf einem Bauernhof. Auf der «Amsle» ob Gibswil, als jüngstes von sieben Kindern. Die Lehre hat sie in einer Papeterie in Rüti als Detailshandelsfachangestellte gemacht. Dann hat sie eine Saison lang im Engadin gearbeitet und war bei der Confesserie Feller und bei Hakle. Irgendwann war ihr dann langweilig und landete mit diesem Bedürfnis genau zum richtigen Zeitpunkt bei den Jucker Brüdern.

Mittlerweile ist sie HR Fachfrau. Bäuerin habe sie in ihrer Jugend nie werden wollen, aber heute «heimele» sie dieser Gedanke doch noch an. Wie sie es über 18 Jahre bei uns ausgehalten hat, das erfahrt ihr im Interview:

Liebe Susanne, warum verlässt du uns?

Ich war jetzt sehr, sehr lange hier. Irgendwann trifft man immer wieder auf die gleichen Problemstellungen. Es ist alles mehr oder weniger absehbar, es gibt keine Überraschungen mehr. Schlussendlich war jetzt doch die Luft draussen. Es ist sicher gut, wenn hier jemand wieder frischen Wind reinbringt.

Seit wann arbeitest du hier und wie kam es dazu?

Ich kannte die Jucker Brüder schon länger durch den Skiclub am Bachtel. Irgendwann im Sommer 1999 habe ich damit angefangen, am Wochenende Kürbisse verkaufen zu helfen auf dem Juckerhof. Offiziell engagiert bin ich seit dem 1. August 2000. Das war auch das Jahr, in dem die Juckers 100'000 Kürbis-Kochbücher kauften. Beat meinte damals in der Anfangseuphorie, sie bräuchten jemanden fürs Büro und so. Da mir bei meinem alten Job ohnehin langweilig war, liess ich mich auf das Abenteuer ein. Aber so wirklich gebraucht hat es mich damals noch nicht 🙂

Was für Jobs hast du gemacht und ist dein Job heute?

Gestartet habe ich als Mädchen für alles. So wie eigentlich alle, die damals auf dem Juckerhof gearbeitet haben. Anfangs haben «alle chli alles» gemacht. Es war eine Kombination aus Büro, Logistik und Einkauf. Und auch mal im Hofladen arbeiten. Eine Zeit lang habe ich in Winterthur in einer gemieteten Halle gearbeitet und da Bestellungen von Coop entgegengenommen. Oder ich war dafür zuständig, jeden Abend die Post ins Aathal zu bringen.

Und dann kamen immer neue Aufgaben dazu. Irgendwann war ich dann für die Finanzen zuständig, für die Kassen und für die Löhne. Ich bin immer mehr ins Personalwesen reingerutscht, weil mir das lag.

Und ich habe hier viiiel aufgeräumt 🙂 Es gab einige Räumungsaktionen, bei denen ich – zum Leidwesen von anderen Leuten – als Tätschmeister ziemlich durchgegriffen habe. Ich erinnere mich, dass im Büro, da wo das Event-Team heute sitzt, alles so zugestellt war, dass man kaum aus dem Fenster schauen konnte.

Was gefällt dir hier? Was hat dich so lange hier gehalten?

Das waren die Leute hier. Hier arbeiten viele, tolle Menschen. Aber schön war auch, dass ich mir hier auf einem sehr breiten Spektrum Wissen aneignen konnte. Ich habe sehr viel erlebt. Es wurde nie langweilig.

Und einzigartig ist hier auch, wie viele Freiheiten man hat. Man kann kommen und gehen wie man will, solange man seine Arbeit macht. Flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten sind selbstverständlich. Aber auch innerhalb des Jobs, hat man sehr viel Raum für eigene Ideen und Projekte.

Wenn du zurückschaust: Wie hat sich Jucker Farm in den letzten 18 Jahren verändert? Was ist anders? Was ist gleich geblieben?

Etwas Unbeschwertheit ist verloren gegangen. Das hat sicher mit der Grösse des Unternehmens, aber auch mit der Erfahrenheit der Geschäftsleitung zu tun. Da sind wir sehr viel gesetzter geworden. Aber diese Struktur hat es auch gebraucht.

Trotzdem ist das Familiäre erstaunlicherweise erhalten geblieben. Es fühlt sich nach wie vor an, wie in einer Familie. Nur dass es viel grösser und bunter geworden ist. Früher waren das mit Ausnahme der Juckers vielleicht noch 5 «Schnäuz». Heute sind es so viele unterschiedliche Menschen, auch aus verschiedenen Kulturen, die hier arbeiten. Und natürlich weiss man nicht mehr alles von jedem. Das war früher anders.

Geblieben ist das teilweise Unorganisierte und der Innovationsgeist. Allerdings ist auch der heute anders als früher. Früher wurden verrückte Ideen noch viel mehr zelebriert. Das hat auch wieder mit der Narrenfreiheit zu tun, die dieses Unternehmen vielleicht etwas verloren hat. Heute ist Innovation fast Pflicht, aber innovative Ideen müssen auch «verhebe». Das heisst aber nicht, dass wir keine guten Ideen mehr hätten 😉

Gab es in den 18 Jahren Momente, in denen du am liebsten alles hingeschmissen hättest?

Ja klar! Immer wieder 😀

Weisch wie oft hani ghüület!

Aber nach einmal drüber schlafen war’s dann amigs wieder gut. Ich glaube am knappsten war es in der Zeit, in der ich alles gemacht habe, über Finanzen und Logistik bis zum Personal.

Welcher war der beste Jucker-Moment in deiner Karriere?

Uff…

Eigentlich ist es ja schon ein Highlight, wo wir heute stehen, wenn man vergleicht, wie alles angefangen hat. Dann gab’s natürlich einige denkwürdige Momente wie zum Beispiel die Guerilla-Aktion in Zürich, die erste Kürbisregatta oder unser Versuch, aus der Seerose ein L’AQ zu machen.

Aber insgesamt werde ich von der Zeit all die fantastischen Begegnungen mit den Menschen mitnehmen. Die Kürbisendparties oder die lustigen Runden nach Arbeitsschluss.

Welcher der Schlimmste?

Schlimm war halt immer, wenn wir uns von Mitarbeitern trennen mussten. Oder als unser Mitarbeiter Fabio gestorben ist. Das war schon hart.

Welche verrückte Anekdote wirst du nie vergessen?

Haha! Ui, also wenn ich so darüber nachdenke, kommen mir da schon einige lustige Storys in den Sinn.

Zum Beispiel das GL-Weekend in Davos. Da haben wir alle im Iglu übernachtet. Ich zusammen mit den Jungs. Erstens war es sch…kalt und zweitens war das Schnarchkonzert irgendwann so schlimm, dass ich mitten in der Nacht ein unbesetztes Iglu gekapert habe.

Aber auch hier auf dem Hof gibt es so viele lustige Geschichten mit verrückten Menschen. Zum Beispiel die Gäste, die uns am Telefon die komischsten Fragen gestellt haben oder die Mitarbeiter, die im Mini-Jupe und bauchfrei arbeiten gekommen sind. Oder der Chauffeur, der in unserem Logistikzentrum auf dem Stroh übernachten musste, weil wir mit der Lieferung noch nicht bereit waren.

Wer ist Susanne privat? Was machst du in deiner Freizeit?

Meine grosse Leidenschaft ist sicher der Sport: Ob ich den jetzt am TV oder Live schaue oder selber mache. Im Winter gehe ich gerne Langlaufen, im Sommer Velofahren oder Joggen. Nicht auf Hochleistungsniveau. Aber ich bewege mich einfach gerne draussen in der Natur.

Lange war ich ja im Vorstand und J & S Leiterin vom Skiclub am Bachtel. Jetzt bin ich einfach so noch dabei und übernehme immer mal wieder ein Sonderjöbli.

Und dann habe ich auch eine gemütliche Seite. Ich kann ohne Probleme auch mal einen Sonntag auf dem Sofa verbringen. Und sonst bin ich einfach gerne da, wo’s lustig und gesellig ist. Darum bin ich auch gerne mit meiner Familie oder mit Freunden zusammen.

Aber langweilig wird’s mir nie.

Hast du Zukunftsträume, die du uns verraten magst? Wohin geht’s jetzt?

Die sind eigentlich recht bescheiden. Ich bin ja nicht so ein Reisefüdli, eher der Heimweh-Typ. Aber einmal durch Russland mit der Transsibirischen Eiesenbahn, das fände ich noch lässig. Oder mit dem Velo durch Osteuropa.

Sonst hoffe ich eigentlich einfach, dass ich mich mit meinem neuen Job dann auch identifizieren kann und auch dort tolle Leute kennen lernen werde. Und dass ich gesund und immer offen für Neues bleibe.

 

Das ganze Jucker-Team wünscht Susanne auf jeden Fall alles Gute und einen erfolgreichen Start am neuen Ort! Wir hoffen, dass sie ab und zu mal wieder einen Kaffee trinken kommt bei uns 😉

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenns "brennt". Die Medienwissenschaftlerin hat vor der Geburt ihres zweiten Kindes das Kommunikationsteam von Jucker Farm geleitet.

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