Die Sache mit dem Reismehlkäfer

03. Juli 2018 Valérie

Es war in der Woche vor Ostern, als das Bäckerei-Team bei ihren routinemässigen Reinigungsarbeiten einen unangenehmen Fund machte. Beim Öffnen der Mühle fiel ihr plötzlich ein Käfer in der Grösse eines Leinsamens auf. Auf der Suche nach seiner Herkunft hat man festgestellt, dass er nicht der einzige war. Zunächst war unklar, um welche Käfer es sich dabei handelte.

Chef-Bäckerin Luana hat sofort Hannes, unseren Mann für solche Fälle, informiert. Ein erster Verdacht, es könnte sich um den «Amerikanischen Reismehlkäfer» handeln, hat sich bei einer genaueren Analyse durch externe Experten bestätigt. Der ist ein alter Bekannter in vielen Bäckereien und Mehlverarbeitungsbetrieben. Nun hatte es uns auch erwischt.

«Grundsätzlich ist es normal, dass kleine Getreideschädlinge in kleiner Zahl mal vorkommen. Getreide wächst in der Natur und wird nicht sterilisiert. Nirgends auf der Welt, denn dann würden ja wichtige Nährstoffe kaputtgehen. Trotzdem müssen allfällige Entdeckungen sorgfältig behandelt werden. So geschehen auch in diesem speziellen Fall», so Martin Jucker.

Das Auftauchen des Reismehlkäfers war deshalb so delikat, weil die Ausscheidungen dieses possierlichen Tierchens potenziell giftig sein können, wenn er in grösseren Mengen vorkommt. Es musste sichergestellt werden dass dies nicht der Fall war.

Glück gehabt

Glücklicherweise haben wir den Käfer früh genug entdeckt. Das Mehl war noch nicht kontaminiert und somit hat auch zu keiner Zeit eine Gefahr für unsere Gäste oder irgendeine Qualitätseinbusse unseres Brots bestanden.

Trotzdem haben wir das Thema sehr ernst genommen. Das Bäckerei-Team wurde geschult und informiert darüber, was das für Tierchen sind und welchen Schaden sie theoretisch anrichten könnten, sollten sie in grösserer Zahl auftauchen. Und es wurde rasch ein Plan verfasst, wie wir auf die Situation reagieren.

HS Fugen-dichtungen aus Grüningen bei der Arbeit.
Alles wurde dichtgemacht.

In einer Hauruck-Aktion wurde alles zu diesem Zeitpunkt in der Bäckerei vorhandene Mehl vorsichtshalber entsorgt. Die Bäckerei wurde 2 Tage lang gereinigt und die Mühle komplett in alle Feinteile zerlegt. Danach hat man die Bäckerei für 3 Tage lang auf 55 Grad erhitzt, was sämtliche Käfer getötet hat.

Martin Jucker ist froh, dass man dabei ohne Chemie ausgekommen ist: «Die Wärmebehandlung ist eine sehr biologische Lösung. Wir brauchten keine Pestizide. So blieb unser Mehl frei von synthetischen Schadstoffen».

Die Brote haben wir während dieser Zeit nicht im Holzofen, sondern im ganz normalen elektrischen Backofen gebacken. Zudem wurde mit Argusaugen auf allfällige Ritzen geachtet und alles was noch nicht dicht war, komplett versiegelt.

Die Mühle kriegt ein Gehäuse

Da sich die Käfer bei warmen Temperaturen sehr wohl fühlen, bot unsere HofBäckerei, in der es oft über 30 Grad warm ist, optimale Bedingungen. Das wird sich jetzt ändern.

Massnahmen eingeleitet

Natürlich galt es jetzt zu verhindern, dass das jemals wieder vorkommt. Vor wenigen Wochen wurde unsere Steinmühle deshalb mit einem Glasgehäuse eingekleidet und im Innern dieses Gehäuses eine Kühlanlage installiert, die den Bereich um die Mühle herum konstant auf 18 Grad herunterkühlt. So wird verhindert, dass sich allfällige Käfer – sollten jemals wieder welche den Weg hineinfinden - fortpflanzen können.

Zudem unterziehen wir den Bereich neu prophylaktisch 2 Mal jährlich einer Wärmebehandlung. Sprich, wir erwärmen die Steinmühle einen Tag lang auf 55 Grad, so dass allfällig vorhandenes Ungeziefer definitiv abgetötet wird. «Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. In keinem Betrieb», so Martin Jucker, der als Obstbauer viel Erfahrung mit Schädlingsbekämpfung hat, «doch mit den aktuellen Massnahmen fahren wir eine sehr sichere Strategie. Wichtig ist, dass man bei so einem Fund rasch handelt. Und das haben wir getan. Ich bin sehr stolz darauf, wie professionell unser Team reagiert hat».

Seither wurden auch keinerlei Tierchen mehr gesichtet. Alles in allem hat uns diese Aktion eine ganze Stange Geld gekostet. Nur schon die Einkleidung der Mühle mit der zugehörigen Infrastruktur geht in die Zehntausende von Franken. Und das ist nur ein Bruchteil aller Kosten. Doch das musste es uns Wert sein, um die Vision der eigenen HofBäckerei weiterzuverfolgen.

Kategorien:

Diese Seite Teilen:

Ähnliche Beiträge