Oelkuerbis Feld
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Kürbis-Recycling für Profis

Anfang Jahr rief uns Robert Courth ganz aufgeregt an und verklickerte uns, dass er einen Kreislauf mehr geschlossen habe. Es ging um den Kürbis.

Denn es ist wie es ist: Die Kürbisse, die an den Ausstellungen unsere Kürbisfiguren zieren, haben ein vorprogrammiertes Ablaufdatum. Nämlich dann, wenn die Ausstellungen abgebaut werden.

Immer wieder fragen uns Leute, was denn danach mit den Kürbissen geschehe. Antwort: Die, die wir nicht mehr verkaufen können, landen in der Biogasanlage und werden zu Energie gemacht.

So.

Das ist ja an sich alles ganz nett. Die Kürbisse wurden zwar sinnvoll verwertet, der Kreislauf war allerdings noch nicht wirklich geschlossen. Es geht noch eine Stufe besser.

Ab diesem Jahr ist es nämlich so, dass auch jene Kürbisse, die in der Biogasanlage landen, wieder zu uns aufs Feld zurückkommen. Allerdings sind sie dann vergoren. Wie geht das? Das wollen wir jetzt erklären:

Was passiert in der Biogasanlage?

In der Biogasanlage werden tierische und pflanzliche Abfälle unter Ausschluss von Luft vergoren. Das dabei entstehende Gas kann für maschinelle Antriebe weiterverwendet oder zu Strom und Wärme umgewandelt werden.

Nach der Vergärung bleiben feste und flüssige Bestandteile zurück. Diese werden voneinander getrennt und können als Dünger auf dem Acker wieder verwendet werden.

Neu bezieht Robert festen Dünger von derselben Biogasanlage, in die unsere Kürbisse gebracht werden. Somit haben unsere Kürbisse nicht nur Strom erzeugt, sondern nähren wieder neue, nachwachsende Kulturen. Der feste Dünger tritt an die Stelle des Hühnermists, den wir bisher zugekauft hatten.

Gedroschener Oelkuerbis

Überreste von Kürbissen landen bei uns in der Biogasanlage.

Festes Gärgut

Das, was nach der Vergärung übrigbleibt, beziehen wir wieder von der Biogasanlage...

Pflanzenkohle mischen

...und stellen damit Terra Preta her - die wiederum unseren Boden aufwertet.

Kürbisgärgut statt Hühnermist

Der Hühnermist bzw. das feste Gärgut landet jedoch nicht direkt auf dem Feld, sondern wird als Zutat für die so genannte «Terra Preta» verwendet. Auch dieses Jahr haben wir wieder Terra Preta produziert, um unsere Böden längerfristig aufzuwerten. Der Hauptbestandteil des Terra Preta-Rezepts ist stickstoffhaltiger Hühner- Pferde- oder Kuhmist oder Kompost. Da wir jedoch – ausser den Weidegänsen - kaum Tiere bei uns auf dem Spargelhof haben, fällt kein Mist an. Also musste dieser bisher zugekauft werden.

Das Tolle an der neuen Lösung ist nun: Statt «fremden» Mist zuzukaufen, kriegen wir das feste Gärgut aus der Biogasanlage – die Überreste unserer Kürbisse und noch einiges mehr - gratis und franko auf den Spargelhof geliefert. Denn die Biogasanlage ist froh, wenn sie das alles loswird. Und da das nicht nur die Überbleibsel unserer vergorenen Kürbisse sind, sondern auch noch eine ganze Menge Mist anderer Bauern, schliessen wir auch deren Kreisläufe gleich mit.

Kreisläufe schliessen

200 Tonnen festes Gärgut waren es dieses Jahr, die wir in Terra Preta einarbeiten konnten, um damit nicht nur unsere Pflanzen zu düngen, sondern unseren Boden längerfristig aufzuwerten.

Von der ganzen Terra Preta haben wir aber erst rund 1/3 ausgebracht. Der Rest kommt nächsten Frühling auf den Acker, um unseren Spargeln einen richtigen Schub zu verleihen.

Wir sind der Überzeugung, dass das Schliessen von Kreisläufen das wichtigste Kernprinzip nachhaltigen Wirtschaftens ist. Auch vermeintlich ökologische Bestrebungen sind erst dann nachhaltig, wenn sie sich lückenlos ins Gesamtsystem einfügen. Das muss immer das Ziel sein. Und mit der Wiederverwertung der Gärüberreste unserer Kürbisse sind wir diesem Ziel einen Schritt nähergekommen.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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