Nahaufnahme Wähenblech
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67 Wähen an einem Tag

Freitag, 7 Uhr. Gerade noch pünktlich habe ich es auf den Juckerhof geschafft. Bei Jucker Farm ist es Usus, dass jede/r Mitarbeiter/in, der 50% oder mehr arbeitet, einmal im Jahr einen Arbeitstag in einem anderen Arbeitsbereich verbringt. Dieses Jahr habe ich mich für die HofKonditorei entschieden.

Ich stehe also pünktlich auf der Matte und per Zufall beginnt mein Arbeitstag heute mit einer Pause. Die kommt mir sehr gelegen, da ich – zwischen Kinder wecken und anziehen – noch keine Zeit fand, mir irgendetwas Essbares, geschweige denn einen Kaffee hinter die Binde zu kippen. Glück gehabt.

Aber dann geht’s los: ChefKonditorin Caroline stellt mich mit einer Fett-Spritzpistole vor einen Turm von Wähen-Blechen. Ich soll sie ordentlich einfetten. Gesagt, getan: «Gell es ist nicht schlimm, wenn es etwas daneben geht?», frage ich, und ChefBäckerin Anne schiebt nur schmunzelnd alles aus der Reichweite meiner fettsprühenden Waffe.

Sie und Caroline besprechen kurz etwas Organisatorisches. Ich nutze die Zeit, dem Turm eine Zahl zu verpassen, indem ich mein Tagesschicksal abzähle. 67 Wähenbleche. Ok. «Scho biz anderi Dimensione als dihei», geht es mir durch den Kopf. Nicht zum letzten Mal heute. Dass ich heute noch 100 andere Sachen machen werde, davon ahne ich nichts.

Eimal durefräse-zägg-zägg

Es bleibt nicht beim Einfetten. Alle 67 Bleche wollen noch ordentlich mit Bröseln ausgekleidet sein. Und den Teig, den kann der Schöberli (lies: ich) dann auch noch grad auswallen. Zum Glück habe ich Hilfe von so einer lässigen Flitz-Maschine. Vier Teiglinge aufs Mal kann man da innert kürzester Zeit flach machen. Einmal nach links, zägg! Dann einmal nach rechts! Zägg! Insgesamt 5 Mal macht es zägg, bis die Teiglinge ausreichend flach sind. Ab und zu «fräset» einer über den Rand hinaus. Ups. Zum Glück gibt es da eine Auffangschale. Dann: Zurechtzupfen, falten, aufs Blech drappieren, mit der Igel-Rolle (nochmal zägg-zägg) Löcher reinmachen und den Rand schön rumfalten.

Ou, zu wenig Bleche! Ich will mich auf die Pirsch machen, doch Caroline holt mich ab für eine neue Aufgabe: Kuchen für’s Buffet im HofRestaurant bereitmachen. Also zum Beispiel die Apfelstrudel in genau gleich grosse Stücke schneiden. Gelingt mir trotz Markierhilfe nur mässig. Ich mache zwei Kunden heute besonders glücklich, weil 2 Stücke einfach einen Zentimeter breiter geworden sind. Wähen pudern und raus damit!

Ein Naturtalent 🙂

Ich will wieder zu den Wähen, aber erst müssen noch schöne Tiramisu-Portiönchen in Gläschen produziert werden. Ich kriege den Auftrag, Löffelbiskuits zu Dritteln und in die Gläschen zu verteilen. Easy-peasy. Dann noch Fruchtpüree drauf, das schaffe ich mit nur 1x Kleckern. Fast schon Profi-Niveau. Und ich darf sie sogar dekorieren, mit halbierten kleinen Erdbeerli, Schoko-Herzli und bunten Blüten-Brösmeli. Alessa, die mich unter ihre Fittiche genommen hat, findet, dass ich das schön mache. Dessert fertig, wieder zurück an die Wähen.

10 kg Erdbeeren, 39 kg Birchermüesli, 150 Schoko-Riegel

Als nächstes stellt mich Caroline vor einen weiteren Turm. Diesmal grüne IFCO-Kisten voller Erdbeeren. 2 davon soll ich für Erdbeer-Shake rüsten. Da ich eine Maschine bin, hänge ich mich rein. Die Erdbeeren sind so schön, dass ich nicht viel zu tun habe.

Aber jetzt kommt der Schocker: 3 grosse Wannen voll Birchermüesli à 13 kg soll ich produzieren. Dazu kriege ich einen riesigen Sack Haferflocken, Rieseneimer voll Joghurt, Milch und eine grosse Schaufel. Die Äpfel muss ich noch durch die Reibe lassen, die Beeren sind schon parat. Und als ich mit der grossen Kelle durch die Mischung fahre, summe ich leise «Row, row, row your boat…» und denke, dass ich das jetzt schon nicht jeden Tag machen müsste X-D. Mein persönliches Highlight ist es dann, den Schlagrahm mit den Händen unterzumischen. Ich bin wieder 3 Jahre alt und sitze mental im Sandkasten. 39 kg Müesli haben mich schon etwas müde gemacht, doch es geht einfach weiter.

Die Kürbiskernriegel wollen noch mit Schokolade überzogen sein. Und das ist eine grosse Kunst, wie ich mir von Alessa erklären lasse. Das Ziel ist nämlich, die Riegel so sauber wie möglich zu «trempieren». Also mit einer ruckartigen Bewegung immer weiter aus der Schokolade zu ziehen, damit keine überschüssige Schokolade herunterläuft und unansehnliche «Elefantenfüsse» bildet.

Fazit des Tages

Ich war bei weitem nicht die einzige, die an diesem Tag viel gearbeitet hat. Es ist unglaublich, was unser HofKonditorei-Team an einem Tag so alles raushaut. Ich ziehe meinen Hut vor der schieren Menge!

Aber es hat so viel Spass gemacht, dass ich wiederkomme.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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