Zu Jucker Farm
Regenerative Anbaumethoden in der Wildkultur auf dem Juckerhof
von Leslie

Von Agroforst bis Permakultur – regenerative Anbaumethoden erklärt

Kurz erklärt

  • Für regenerative Landwirtschaft gibt es keine konkreten Vorgaben oder ein Regelwerk.
  • Es existieren aber gewisse Anbaumethoden und Massnahmen. 
  • Zu den Anbaumethoden gehören unter anderem: Agroforst, Permakultur, Mosaik-Landwirtschaft und Keyline Design. All diese Methoden werden in der Wildkultur auf dem zu Jucker Farm gehörenden Juckerhof veranschaulicht.
  • Ziel dieser Anbaumethoden ist es, mit der Natur statt gegen sie zu arbeiten und natürliche Kreisläufe zu fördern. 
  • Ein Nachteil dabei ist, dass sich die meisten der Anbaumethoden nur schwer skalieren lassen.  

Für die regenerative Landwirtschaft gibt es keinen konkreten Bauplan und kein Regelwerk. Die 5 regenerativen Prinzipen geben Anhaltspunkte. An Kursen und Seminaren werden Grundlagen vermittelt und sich ausgetauscht. Trotzdem gilt: Wer regenerativ arbeiten will, muss vieles selbst ausprobieren und die für den eigenen Betrieb passenden Methoden finden.

Einige Anbaumethoden – manche neu, andere wiederentdeckt – eignen sich aber besonders gut für eine Landwirtschaft, die den Boden und dessen Gesundheit im Fokus hat. Wir möchten hier einige davon vorstellen, die auch in der Wildkultur auf dem Juckerhof zum Einsatz kommen. Falls du sie also mal live statt nur auf virtuellem «Papier» sehen möchtest, komm vorbei 😉

Und falls du schon vorneweg wissen möchtest, warum nicht alle auf solche Anbaumethoden setzen, geht’s hier zur Antwort von unserem Experten für regenerative Landwirtschaft:

Agroforst – Wald & Feld kombiniert

Wer sich ein bisschen mit regenerativer Landwirtschaft beschäftigt, trifft schnell auf den Begriff Agroforst. Das Wort setzt sich aus Agrikultur (also Landwirtschaft) und Forstwirtschaft zusammen. Und das beschreibt diese Art des Anbaus schon ziemlich gut. Denn hier werden Bäume und Sträucher in den Acker- und Gemüsebau integriert.

Agroforstbereich in der Wildkultur auf dem Juckerhof

Zwischen den Beeten wachsen Bäume im Agroforstbereich in der Wildkultur auf dem Juckerhof.

Waldweide

Waldweide: Statt auf einer kahlen Wiese weiden die Tiere zwischen Bäumen und Sträuchern.

Agroforst ist in der Schweiz nichts Neues. In Form der Waldweiden im Jura, Kastanienselven im Tessin oder der klassischen Hochstamm-Obstgärten, existiert diese Anbaumethode bereits seit Jahrhunderten. Kein Wunder, denn sie bringt einige Vorteile mit sich:

  • Dank der Bäume und Sträucher wird der Boden gut durchwurzelt. Das schützt vor Bodenerosion.
  • Die Bäume und Sträucher bieten Lebensraum für verschiedene Tierarten (auch für wichtige Nützlinge) und fördern so die Biodiversität.
  • Mehr Biodiversität bedeutet weniger Schädlinge und bodenbürtige Krankheiten.
  • Den Kulturpflanzen dienen die Bäume und Sträucher als Schattenspender. Ausserdem sammelt sich Tau an ihnen, wodurch sie zu einem natürlichen Bewässerungssystem für die Kulturpflanzen werden.
  • Agroforstflächen tragen zur Reduktion von CO2 bei. Schliesslich verwandeln Grünpflanzen Kohlendioxid in Sauerstoff. Weiter speichern die Pflanzen Kohlenstoff im Boden.

Permakultur – immer mit der Natur

Eine Permakultur (permanent agriculture) lässt sich auf einem Landwirtschaftsbetrieb, aber auch im heimischen Garten anlegen. Ziel ist es, mit der Natur zu arbeiten und so ein lange funktionierendes auf Kreisläufen basierendes System zu schaffen.

regenerative Permakultur auf dem Juckerhof

In der Wildkultur haben wir Permakultur und Keyline Design kombiniert.

Permakultur in der Wildkultur auf dem Juckerhof

Regenerativ angebaut wachsen hier Spargeln neben Wildblumen und Weizen neben Mais.

In der Permakultur arbeitet man mit Kleinbeetstrukturen. Ausserdem werden intensiv bewirtschaftete Zonen mit weniger intensiv bewirtschafteten Flächen gemischt. Für eine möglichst grosse Diversität an verschiedenen Pflanzenarten sind hier einjährige mit mehrjährigen Pflanzen kombiniert. Ähnlich wie beim Agroforst wachsen Bäume und Sträucher neben bodennahen Kulturen – so wie in der wilden Natur auch. Entsprechend sind auch die Vorteile der beiden Systeme ähnlich.

Mosaik-Landwirtschaft – Bewährtes kombinieren

Die Mosaik-Landwirtschaft verfolgt ähnliche Ansätze wie die Permakultur. Auch hier gibt es eine Beetstruktur. Die Beete sind aber in die Länge gezogen. So lassen sie sich auch mit modernen Geräten bewirtschaften. Für den Traktor gibt es in der Mosaik-Landwirtschaft speziell angelegte Fahrspuren zwischen den Beeten. Denn jede Durchfahrt verdichtet den Boden und schadet so im Endeffekt auch der Kulturpflanze.

Mosaik-Landwirtschaft

Von unten mögen die Bahnen der Mosaik-Landwirtschaft etwas wackelig aussehen ...

Drohnenaufnahme Mosaik-Landwirtschaft

... aber von oben sieht man, dass sie schnurgerade verlaufen.

Ziel der Mosaik-Landwirtschaft ist es, ein Ökosystem zu erschaffen, das sich selbst reguliert. Entsprechend wird auf Kunstdünger und Pestizide verzichtet.

Keyline Design – Wasser optimal nutzen

Beim Keyline Design geht es primär um die optimale Nutzung von Wasser. Das ist gerade dann, wenn sich Trockenheit und Starkregen abwechseln, wichtig. Denn in diesen Zeiten fällt es dem Boden besonders schwer, Wasser aufzunehmen.

Regeneratives Keyline Design

Das Keyline Design in der Wildkultur verläuft entlang dem Hügel.

Komplexeres Keyline Design

Je komplexer die topografische Struktur, desto «gewundener» das Keyline Design.

Die Landschaft wird beim Keyline Design extra so gestaltet, dass das Wasser nicht ungehindert abfliessen kann. Angepasst an die topografische Lage wird es mit Gräben besser dem Hang entlang verteilt und so den Pflanzen zugänglich gemacht. Die Gräben und Linien verlaufen dabei immer parallel zueinander und unterscheiden sich stark von einer gerade verlaufenden Ackerfläche. Das macht die Methode nicht nur nützlich, sondern verleiht ihr auch eine ästhetische Komponente.

Die permanente und unterschiedlich tiefe Durchwurzelung des Bodens spielt zudem mit in einem gut funktionierenden Keyline Design. Obstbäume wurzeln tiefer als Getreide und kommen daher an Wasser aus anderen Bodenschichten.

Warum sind diese Anbaumethoden selten?

Die regenerative Landwirtschaft ist in der Schweiz noch wenig bekannt und verbreitet. Aber nicht nur darum trifft man die oben erklärten Anbaumethoden selten an. Denn alles was Vorteile hat, birgt auch gewisse Nachteile. Welche das sind, erklärt unser Experte für regenerative Landwirtschaft, Sven Studer:

  • Agroforst: «Agroforst ist nicht ganz einfach umzusetzen, weil viele Landwirt*innen grosse Teile ihres Betriebes gepachtet haben und viele Verpächter*innen einen Agroforst als Abwertung ihrer Flächen sehen.»
  • Permakultur: «Diese Anbaumethode ist aus arbeitswirtschaftlichen Gründen meist schwer skalierbar.»
  • Mosaik-Landwirtschaft: «Die Methode ist durchaus skalierbar, steckt aber aktuell noch in den Kinderschuhen.»
  • Keyline Design: «Das Keyline Design funktioniert in Hanglagen, nicht aber auf grossen flachen Feldern. Ausserdem ist es sehr teuer im Aufbau.»
Sven Studer, Experte für regenerative Landwirtschaft bei Jucker Farm
Sven Studer ist unser Experte für regenerative Landwirtschaft.

Natürlich ist Sven trotzdem Fan von regenerativer Landwirtschaft und nicht gegen diese Anbaumethoden. Sie können an spezifischen Lagen oder für gewisse Betriebe sehr gut funktionieren. Auch unsere Wildkultur ist nicht umsonst, sondern eine Versuchsfläche, in der wir neue und wiederentdeckte Anbaumethoden testen und veranschaulichen wollen.

Den Schlüssel zum Erfolg respektive die grosse Hebelwirkung, wenn es um die Ernährung der Weltbevölkerung geht, sieht Sven eher in grossflächig einsetzbaren Massnahmen. «Mit den grossen und auch skalierbaren Flächen können wir viele gesunde Lebensmittel produzieren. Auf den Flächen sollen die Grundsätze der regenerativen Landwirtschaft umgesetzt werden: geringe Bodenbearbeitung, so wenig Pestizide wie möglich, organische Düngung, möglichst viel Begrünung mit Untersaaten, Gründüngungen usw.», sagt er.

Jucker Farm und Soil to Soul

Bei Jucker Farm betreiben wir Landwirtschaft, die dem Boden und damit auch den Menschen gut tut. Immer wieder experimentieren wir darum mit neuen Anbauweisen. Unser so angesammeltes Wissen teilen wir gerne. Deshalb freuen wir uns sehr über die Content-Partnerschaft mit Soil to Soul. Gemeinsam setzen wir uns für eine Landwirtschaft ein, die nicht nur den Boden respektiert, sondern auch die Menschen, die von ihm leben. 

Als Wissensplattform stellt Soil to Soul wertvolle Informationen für Konsument*innen, Produzent*innen und die Gastronomie rund um Bodengesundheit und Ernährung zur Verfügung, organisiert Events, vernetzt relevante Akteure und motiviert zum nachhaltigen Handeln. 

Jucker Farm und Soil to Soul verbindet die gemeinsame Vision: Ernährung beginnt im Boden – und gesunde Böden sind die Grundlage für gesunde Menschen.

Leslie haut gerne in die Tasten. Seit Juli 2024 macht sie das auch für den FarmTicker. Bevor sie den Weg auf den Bauernhof fand, berichtete sie über IT-Themen und Gadgets.

Beiträge von Leslie
Noch keine Kommentare zu “Von Agroforst bis Permakultur – regenerative Anbaumethoden erklärt”

Weitere Berichte

Hartweizen im Feld
von Leslie

Woher das Saatgut für unsere Lebensmittel kommt

Ohne Samen, keine Pflanzen. In der Schweiz gibt es rund 1350 Produzenten, die Saatgut vermehren,…

Weiterlesen
Grünspargel auf Spargelfeld
von Leslie

Ist Spargel wirklich so schlecht für den Boden?

Wenn die Vögel wieder zwitschern und die ersten Blumen blühen, beginnt auch die Spargelsaison. In…

Weiterlesen
von Leslie

Äpfel anbauen ohne Herbizid

Der Apfel gehört zu den meistkonsumierten Obstsorten in der Schweiz. Pro Kopf schnabulierte die Bevölkerung…

Weiterlesen
Kürbis Etampes
von Leslie

Mit Fruchtkalk und Mulchfolie zum regenerativen Kürbis

Herbst ohne Butternuss, Oranger Knirps, Halloweenkürbis und Co. ist in der Schweiz kaum vorstellbar. Der…

Weiterlesen
Getreide noch grün, im Feld
von Leslie

Getreide anbauen mit Blick in den Boden

Zwischen Juni und August ist in der Schweiz Getreideernte. 2023 bauten hiesige Landwirt*innen auf knapp…

Weiterlesen
Pflanzen mit Erdballen
von Leslie

Mikrobiom – das Verdauungsorgan des Bodens

Ohne Wasser und Nahrung können wir Menschen nicht überleben. Das Gleiche gilt für Pflanzen. Auch…

Weiterlesen
×