Ziegengehege Tierwohlsorgen
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Tierwohlsorgen auf dem Hof

Auf dem Juckerhof in Seegräben und auf dem Bächlihof in Jona halten wir Tiere. Ziegen, Schafe, Häschen, Hühner… und die Liste wird in Zukunft eher noch etwas länger werden.

Immer mal wieder erhalten wir Kommentare oder Fragen von Besuchern, die sich Sorgen machen um das Wohl unserer Tiere. Gerne möchten wir hier auf die wichtigsten Anliegen eingehen:

Haben die Tiere genügend Auslauf?

Besonders bei den Ziegen bezweifeln manche Gäste, ob das Gehege wirklich gross genug sei. Grundsätzlich kann so ein Gehege natürlich immer grösser sein. Wir haben viel Platz, aber auch dieser ist begrenzt. Schliesslich ist da noch Kürbisausstellung und all die Leute, die (wenn sie dann wieder dürfen) bei uns essen und Zeit verbringen.

Gesetzlich vorgeschrieben sind – je nach Haltungsform und Ziegenart – zwischen 0,5 und 2,2 m2 pro Tier. Bei uns stehen den 9 Ziegen insgesamt 427 m2 zur Verfügung. Nämlich 132 m2 im Begegnungsbereich, 20 m2 im gedeckten Rückzugsbereich (ohne Stall) und 250 m2 im Weidebereich (ohne Besucherkontakt), zudem einen 25 m2 grossen Stall. Die gesetzlich vorgeschriebene Fläche wird hier also um ein Vielfaches übertroffen.

«Bei einer Kontrolle des kantonalen Veterinäramts letztes Jahr gab es auch keinerlei Beanstandungen», sagt Petra Hager, die die Verantwortung über die Ziegen und Schafe innehat. Die Vorgaben bei den Schafen seien ähnlich. Und da schaut Petra, dass sie eher das 1.5-fache der vorgeschriebenen Fläche für die Schafe einzäunt. Zudem wechseln die Schafe ja immer wieder ihre Weideflächen und kriegen so immer wieder frisches Gras. Und Petra geht immer mal wieder mit unseren Schöfli spazieren.

Unseren Ziegen steht auf dem Bächli- wie auch auf dem Juckerhof jeweils eine besucherfreie Zone zur Verfügung, in die sie sich zurückziehen können, wenn es ihnen mal zu viel wird.

An dieser Stelle möchten wir nochmal darauf hinweisen, dass diese Rückzugszone bitte unbedingt respektiert werden soll. Wenn die Ziegen sich dahin zurückziehen, bitte nicht nachlaufen, sondern in Ruhe lassen.

Ziegen Gehege Begegnungszone

Die neue Begegnungszone des Ziegengeheges ist mit 132 m2 bereits das Vielfache dessen, was gesetzlich mindestens vorgeschrieben wäre.

Ziegen Gehege Ruhezone

Zudem haben Sie eine gedeckte Rückzugszone mit Stall, in dem sie die Nacht verbringen....

Ziegen Gehege Auslauf

...plus die besucherfreie Freilaufzone von 250 m2.

Die Ziegen sind aggressiv und haben unser Kind umgeschubst

Es stimmt, die Ziegen können ganz schön zickig werden. Vor allem, wenn es Futter in der Nähe hat. Dann sehen sie nur noch die Leckerlis und können in ihrer Gier durchaus ruppig werden. Bös gemeint ist das aber nicht 😉.

Deshalb sollen jüngere Kinder im Geisslipark unbedingt von Erwachsenen beaufsichtigt werden. Der Besuch des Geissliparks geschieht auf eigene Verantwortung.

Ausserdem mögen sie es gar nicht, wenn man sie an den Hörnern packt. Wie immer gilt auch bei den Geissen: Lieb und anständig bleiben und die Geissen nicht jagen oder gar schlagen. Respektiert, dass sie eigene Lebewesen sind und keine Gegenstände oder Spielzeuge.

Sind die Häsli nicht traurig, wenn sie nicht raus dürfen? (Bächlihof)

Die Häsli in Jona waren bisher in einem 1,5 x 4 Meter langen Anhänger untergebracht. Auslauf im Freiland hatten sie bisher nicht, das stimmt. Sie hatten aber sicher genügend Möglichkeiten, sich zurückzuziehen. Die Bedingungen entsprachen nicht ganz unseren Vorstellungen, weshalb wir in den nächsten Wochen ein Häsli-Gehege mit Freilauf bauen werden. Die Arbeiten hatten sich wegen Kurzarbeit noch etwas verzögert.

Die Schafe haben einen komplett verkoteten Hintern!

Leider kommt es vor, dass Schafe auch mal Durchfall haben. Das war in den letzten Wochen leider der Fall. Der Kot wurde mittlerweile zur Kontrolle eingeschickt, die Ergebnisse stehen noch aus.

Obwohl sich Schäfchenmama Petra ebenfalls am verkoteten Hinterteil stört: Abwaschen macht keinen Sinn, solange der Durchfall weiterbesteht. Sie möchte einen Weidewechsel abwarten, bis sie die Reinigung vornimmt, damit da dann wirklich alles sauber ist.

Es kann also vorkommen, dass die Schafe für eine kurze Zeit so aussehen. Gemäss Tierarzt stellt das bei den aktuellen Temperaturen aber keine erhöhte Infektionsgefahr dar. Ihr könnt versichert sein, dass wir uns darum kümmern und die Schafe nicht einfach so ihrem Dreck überlassen.

Petra besucht die Schafe immer einmal morgens und einmal abends zur Fütterung. Dabei fallen ihr ungesunde Veränderungen jeweils sofort auf und sie kann jederzeit den Tierarzt kontaktieren.

Die Schafe liegen an der prallen Sonne und haben kein Trinkwasser in Sichtweite

Den Schafen steht immer auch ein Unterstand zur Verfügung, in den sie sich jederzeit zurückziehen können, falls es ihnen zu heiss (oder zu kalt oder nass) wird. Den nehmen sie allerdings nicht immer in Anspruch. Je nach Weideplatz gibt es zudem schattenspendende Bäume.

Ebenso gibt es einen genügend grossen Wasserbottich, der mehrmals täglich mit frischem Wasser aufgefüllt wird.

Die Schafe sind ja gar nicht geschoren, die schwitzen doch in der Sonne?

Schafe sind wie Hunde. Sie regulieren ihre Körpertemperatur übers Hecheln. Das ist ganz normal. Zudem schützt das Luftpolster in der Wolle nicht nur vor tiefen, sondern auch vor hohen Temperaturen. Aufpassen muss man erst, wenn die Temperaturen über 25 Grad steigen (Quelle: Tierschutz.com). In den letzten Wochen war es nachts noch ziemlich kühl. Dann waren die Schafe froh um ihren Pelz. Geschoren werden Schafe in der Regel zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Dieses Jahr waren die Schafe letzte Woche beim Coiffeur.

Wenn Schafe Siesta machen, kann das durchaus sehr unheimlich aussehen. Es komme schonmal vor, dass ein Schaf dabei alle Viere von sich strecke, erzählt Petra. Sie habe sich da auf den ersten Blick auch schon erschrocken. Aber dann habe das Schaf den Kopf gehoben und sei auf sie zugetrabt.

Eine Ziege wird von anderen gemobbt!

Ja, auch das kommt vor. Ziegen haben eine Hierarchie untereinander, das gehört bis zu einem gewissen Grad zu ihrem natürlichen Verhalten. Grundsätzlich schauen wir immer, dass auch die weniger dominanten Ziegen genügend Essen und unsere Zuwendung bekommen. Sollte eine ernsthafte Gefährdung bestehen, würden wir natürlich eingreifen.

Wir sind sehr besorgt darum, dass es den Tieren bei uns gut geht. Unsere Tiere werden zweimal täglich gefüttert und regelmässig ausgemistet. Bei jeder Fütterung kommen die betreuenden Personen mit den Tieren in Kontakt. Dann fällt sofort auf, wenn etwas nicht stimmt. Zudem werden wir einmal jährlich vom kantonalen Veterinärsamt kontrolliert.

Trotzdem sind wir froh, wenn ihr uns Auffälligkeiten meldet. Z.B. auch, wenn die Ziegen wieder mal ausgebüxt sind 😉

 

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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