Drohne über Maisfeld
Antworten von Valérie

«Precision Farming» – Star Wars auf dem Getreidefeld

Brave New World ist über die Landwirtschaft hereingebrochen. Der technologische Fortschritt macht auch vor dem Bauernleben nicht halt. Gerade im grossformatigen Anbau. «Precision farming» heisst das Zauberwort.

Doch was ist damit genau gemeint?

Landwirtschaft wird messbar gemacht und zwar in einer sensationellen Detailliertheit. Etwas gestelzter heisst das: «Teilflächenspezifische Bodenbewirtschaftung». Der Kiefer fällt einem runter, wenn man sieht, was heute schon alles möglich ist:

Eine kleine Kostprobe (ENG):

Für alle, die keine Zeit für ein Video haben hier kurz zusammengefasst in Textform:

Es gibt heute schon hochpräzise Laser, die Unkraut erkennen und gezielt weglasern. Sieht aus wie bei Star Wars. Oder Roboter, die systematisch Bodenproben nehmen und auf diverse Kennwerte überprüfen, die der Bauer dann auf seiner Smartphone-App einsehen kann. Oder Satelliten überwachte Traktoren mit einem Navi, das die unterschiedlichen Mähfahrzeuge erkennt. Oder Sensoren, die den Atem von Kühen dahingehend analysieren, ob eventuell Hinweise auf Ernährungsprobleme bestehen.

Spezifische Teile eines Feldes können unterschiedlich bewirtschaftet werden, Smartphone-gesteuerte Drohnen und Pflückautomaten übernehmen die Arbeit auf dem Feld. Der Bauer wird je länger je mehr zu dem in den eigenen Kreisen vielgescholtenen Bürogummi ;-).

Digital Farming…

…ist längst Realität geworden. Nur schon in der Schweiz gibt es diverse Anbieter von Softwarelösungen, die dem Bauern das Leben einfacher machen sollen:

  • Farmoffice.ch: Softwarelösungen zum «Decision Farming mit FarmFacts», inklusive einem Beratungsservice.
  • lenzberg.ch: Einmannfirma, Schweizer Spezialist für landwirtschaftliche GPS-Lenksysteme.
  • swissfuturefarm.ch: Eine Art Forschungs- und Innovationsfarm im Bereich Smart Farming; mit spezifischen Projekten: Kameragesteuertes Hacken, Schulungen zum Thema Smart Farming, exakte Nährstoff- und Gülleausbringung, digitale Dokumentation
  • agricircle.com: Feldmanagementlösungen, die aktuelle Felddaten mit historischen Wetterdaten sowie Vorhersagemodellen verknüpfen und so die erwartete Wachstums- und Krankheitsentwicklung errechnen.

Das sind nur einige Beispiele.

Chancen für die Landwirtschaft und für die Menschheit

Ein riesiger Vorteil bietet sich beispielsweise gerade im Bereich des Pflanzenschutzes. Mit Hilfe von intelligenten Kameras können Pflanzenschutzmittel sehr viel gezielter eingesetzt werden, die Gülle kann exakter dosiert werden, so dass nur noch ein Bruchteil der bisher benötigten Menge eingesetzt wird. Das bietet nicht nur einen enormen ökologischen, sondern auch einen ökonomischen Mehrwert. Landwirtschaft wird noch effizienter, Erträge werden optimiert, Kollateralschäden eingedämmt. Es gibt sogar Leute die behaupten, die Ernährung künftiger Generationen sei unter anderem nur dadurch zu erreichen, dass die Felder dank des technologischen Fortschritts einen höheren Ertrag abwerfen.

Doch macht das auf unseren kleinen Flächen in der Schweiz überhaupt Sinn?

Zugegeben, manche Technologien mögen auf den kleinen Schweizer Flächen wenig Sinn machen. Dennoch beschäftigt das Thema auch die Schweizer Landwirtschaft. Aktuell startet ein Versuchsprojekt über die Verringerung von Pflanzenschutzmassnahmen in den Kantonen Aargau, Thurgau und Zürich . Der LID hat bereits 2001 eine mehrteilige Serie zu modernen Technologien in der Landwirtschaft verfasst. In Fachkreisen ist das Thema also längst etabliert.

Und auch bei Jucker Farm liebäugelt man mit gewissen Technologien, doch der Kostenfaktor bleibt bis anhin ein Hemmnis.

Precision Farming bei Jucker Farm

«In Rafz verwenden wir fast keine von diesen einschlägigen Technologien. Hie und da vielleicht etwas GPS-Technologie», erwähnt Spargelhof-Betriebsleiter Raphael Peterhans. Man habe das nötige Geld gar nicht. Beziehungsweise; die dadurch generierten Mehreinnahmen stünden (noch) in keinem Verhältnis zu den Kosten. Die Technologien würden – seiner Erfahrung nach – bisher eher von Lohnunternehmern eingesetzt. Toll wäre es allerdings schon, meint er.

Wenn er eine Präzisions-Anlage kostenlos kriegen könnte, wünschte er sich einen kleinen Feldroboter mit unterschiedlichen Funktionsaufsätzen. Sei es zum Hacken, Säen oder Tragen unterschiedlicher anderer Anbaugeräte. Das Potenzial sei klar da, gerade im Hinblick auf die Bedürfnisse der Öffentlichkeit.

So oder so: Als moderner Bauer bleibt man hier dran, denn die Chancen sind gross und der Fortschritt unerbittlich.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie liebt schöne Texte und hat vor der Geburt ihres zweiten Kindes das Kommunikationsteam von Jucker Farm geleitet (Zum Portrait).

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