Bauern Lexikon von Valérie

Kirschen rot, Spargel tot

Das Bauern-Sprichwort besagt, dass die Spargelsaison dann endet, wenn die Kirschen reif zum Pflücken sind. Und das ist in der Regel um den 24. Juni der Fall. Aber die Spargelsaison ist trotzdem vorbei, und zwar genau heute.

WARUM GENAU AM 24. JUNI?

Der 24. Juni ist der Johannistag. Den hat man wohl gewählt, weil es einfach ein guter Zeitpunkt ist und dazu ein Tag, den sich alle merken können.

Theoretisch könnte man fröhlich weiter ernten, die Spargeln würden immer noch weiterwachsen. Allerdings würde dann die Knolle der Spargelpflanze, die tief unter der Erde liegt, immer mehr an Kraft verlieren. Und die nächste Saison sähe gar nicht mehr rosig aus. Die verbleibende Zeit benötigt die Spargelpflanze, um wieder Energie zu tanken und in den Wurzeln einzulagern. Nur so hat sie im Folgejahr genügend Power um anständig Spargelstangen zu produzieren.

WAS HAT ES DENN AUF SICH MIT DIESEM JOHANNISTAG?

Das ist eigentlich der Geburtstag von Täufer Johannes, also wie so viele besondere Tage im Jahr eben biblisch begründet. Lustigerweise steht er in enger Verbindung mit der Sommersonnenwende, die zwischen dem 20. und dem 22. Juni stattfindet.

Die Tag- und Nachtgleiche wird seit dem 14. Jahrhundert als Brauch gefeiert, oft mittels eines Johannisfeuers, das Krankheiten, Dämonen und – für Bauern besonders wichtig - Viehschaden und Hagel abwenden soll. Dafür habe man symbolischerweise Strohpuppen ins Feuer geworfen («Hanslverbrennen»).

Heute machen wir hier kein Feuer mehr, sondern verlassen uns einfach darauf, dass sich unsere Pflanzen im Restjahr gut erholen können.

Was passiert mit den Spargeln nach dem 24. Juni?

Spargelkraut Illustration

Nach der Ernte wächst der Spargel weiter und stängelt auf (Nr. 1) . Sobald die Spargelpflanze nicht mehr geschnitten wird, treibt sie aus (Nr. 2). Es bildet sich Spargelkraut, das zu blühen beginnt (Nr. 3). Dabei wachsen kleine gelbe Blüten, die allerlei Insekten anziehen. Anschliessend wird das Kraut gelb (Nr. 4) und es bilden sich rote runde Beeren - Futter für Vögel. Das Kraut wird nicht geerntet, sondern es wuchert - mannshoch. Diese Ruhephase ist enorm wichtig für die Spargelpflanze - so hat sie wieder genügend Kraft für die nächste Saison. Durch Photosynthese wird nämlich der Wurzelstock mit Nährstoffen versorgt (Nr. 5).

Zwischen den Dämmen wächst die sogenannte Zwischensaat (Nr. 6). Mehr dazu in diesem Artikel: Was ist eine Gründüngung?

Im darauffolgenden Frühling wird das Spargelkraut geschnitten und gemulcht, dann werden die Spargeldämme neu aufgehäuft. Die nächste Spargelsaison kann starten!

Und so sieht das ganze in "echt" aus:

überwucherte Spargelpflanze

Nach der Ernte wächst die Spargelpflanze weiter.

Sie stängeln auf und machen Seitentriebe - das typische Spargekraut entsteht...

...und färbt sich allmählich gelb. Das Grüne dazwischen ist eine so genannte Zwischensaat, die wir zur Gründüngung einsetzen.

Zuerst blüht das Kraut, dann bilden sich rote Beeren.

Spargeldamm fräsen

Im Frühling wird die Pflanze gemulcht und die Dämme neu gefräst. Die Wurzelknolle der mehrjährigen Spargelpflanze bleibt in der Erde und treibt ab März wieder neu aus.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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