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Regenerativer Spargel

Spargel ist eine sehr intensive Kultur. Einmal gepflanzt, bleibt sie 10 Jahre am gleichen Ort. Sie benötigt sehr viel Energie vom Boden. Damit sie so lange Ertrag abwerfen kann, entzieht sie ihm Nährstoffe. Zudem wird der Boden intensiv mechanisch bearbeitet. Ein Spargelfeld ist also für den Boden darunter enorm auslaugend. Wie passt das in unser Konzept der regenerativen Landwirtschaft, bei dem ja genau die Bodengesundheit im Zentrum steht?

«Wir versuchen den Boden mit regenerativen Massnahmen zu pflegen» erklärt Sven Studer, Landwirtschaftskoordinator von Jucker Farm. Vieles ist experimentell – und ob es funktioniert, weiss man erst in ein paar Jahren. Es kostet Zeit, Nerven und hat auch mal einen Fehlschlag zum Ergebnis.

Regenerative Massnahmen im Spargeldamm

Schauen wir uns vier Massnahmen, die wir umsetzen etwas genauer an:

Massnahme 1: Gründüngung

Am 24. Juni, am Johannistag, ist die Spargelernte beendet. Man lässt die Stangen weiterwachsen - es gibt Spargelkraut. Dieses dient dazu durch Photosynthese Nährstoffe in die Spargelwurzel zu bringen, damit die Spargel im nächsten Frühling wieder genug Energie hat, um auszutreiben. Zudem wird zwischen den Dämmen eine Untersaat gesät – was das genau ist, erklären wir hier: «Was ist eine Gründüngung». Kurz zusammengefasst dient eine Untersaat dazu, Nährstoffe im Boden zu binden, Energie wiederum durch Photosynthese in den Boden zu pumpen, Unkraut zu verdrängen und den Boden zu lockern und zu festigen.

Spargelkraut mit Zwischensaat

Das Gelbe ist das Spargelkraut und das Grüne ist die Gründündung zwischen den Dämmen.

Das Spargelkraut stehen zu lassen ist wichtig, damit die Spargelpflanze Energie sammeln kann für die nächste Saison.

Massnahme 2: Weizen im Damm

Nehmen wir an, es regnet 50 mm über dem Spargelfeld. Da die Dämme mit Folie bedeckt sind, fliesst alles Wasser in die Zwischenräume und sammelt sich dort. Dort hat es also sozusagen 100 mm geregnet. Der Boden zwischen den Dämmen ist sowieso schon verdichtet, da man zu Fuss oder mit der Spargelspinne (siehe Bild 2) regelmässig drüberfährt. Um den Boden aufzulockern, saugfähiger und stabiler zu machen, säen wir im Oktober Weizen ein. «In einem Jahr wie 2021, in dem es so viel geregnet hat, konnten dem Weizen sei Dank die Erntehelfer*innen überhaupt noch zwischen den Dämmen laufen, resp. mit den Spargelspinnen fahren» sagt Studer.

Hier sieht man schön im Hintergrund den eingesäten Weizen zwischen den Dämmen.

Spargeln Spargelspinne

Die Spargelspinne hilft bei der Spargelernte. Sie hebt die Folie hoch und bietet Platz für mehrere Kistli. Sie wird manuell dem Spargeldamm entlange geschoben.

So sieht's aus, wenn das wasser den Erntehelfern bis zu den Knien steht.

Massnahme 3: Wenig Pflanzenschutz

«Wir versuchen, so wenig Pflanzenschutz auszubringen wie möglich» sagt Sven Studer. Die grösste Gefahr für den Spargel ist der Spargelkäfer (Käfer essen Spargel auf). Dieser muss mit Pestiziden bekämpft werden, da sonst die Ernte flöten geht. Das Produktionsteam spritze biologische Mittel. Bewährte Mittel sind Rapsöl oder Kaliseife und neu wird Neemöl (Öl aus den Samen des Niembaums) zum Einsatz kommen. Diese Mittel funktionieren mittelmässig gut, so Studer. Aber – auch synthetische Mittel sind nicht immer 100% effektiv gegen den Schädling.

Ein weiteres Problem auf den Spargeldämmen ist die Distel. Diese kann sehr effektiv mit komplett biologischen und natürlichen Mitteln bekämpft werden: Kalk und Milch (nein nicht Hafer- sondern Kuhmilch 😉).

Massnahme 4: Terra Preta

Seit diesem Jahr setzen wir Terra Preta statt Kunstdünger im Spargeldamm ein. Ob es klappt steht in den Sternen. Aber in anderen Kulturen haben wir mit der "Zaubererde", die wir auf dem Spargelhof selber herstellen, gute Erfahrungen gemacht. Der Sinn und Zweck von Terra Preta ist, den Boden resp. den Humusgehalt im Boden zu verbessern - das ist für die Intensivkultur Spargel sehr interessant. Was Terra Preta genau ist und wie sie hergestellt wird, lest ihr hier: Terra Preta – Zaubererde mit Pflanzenkohle?

 

Lohnt sich der Aufwand?

Warum nehmen wir diesen riesigen Aufwand auf uns? Einerseits natürlich, um den Boden – unsere Arbeitsgrundlage - zu schützen. Schliesslich soll auf diesem Boden nach den Spargeln auch wieder was wachsen können. Und unsere Bekenntnis zur regenerativen Landwirtschaft endet nicht bei den Spargeldämmen.

Aber es geht uns auch um ganz praktische Gründe. Je mehr Nährstoffe die Spargeln haben, desto mehr Ertrag gibt es. Und durch die Weizeneinsaat können wir auch nach Regenfall besser ernten, da die Spinnen weniger einsinken.

Unsere experimentellen Massnahmen haben bereits die Aufmerksamkeit der internationalen Spargelbauer-Community erregt. So wurden wir als Speaker zur jährlichen Spargeltag der expo-SE - Europäische Spargel- und Erdbeermesse eingeladen, um vor der Crème de la Crème der Spargelwelt über die ersten Erfahrungen im regenerativen Spargelanbau zu sprechen. Ein weiterer schöner Nebeneffekt unserer Bemühungen.

Aber es schlägt sich auch im Preis nieder. Spargeln sind sowieso schon ein teures Gemüse (Warum ist Schweizer Spargel so teuer?). Schlussendlich wissen wir auch noch nicht, ob sich eine so intensive Dauerkultur wie der Spargel wirklich regenerativ anbauen lässt. Um ein Fazit ziehen zu können, müssen wir uns noch mind. fünf Jahre gedulden. Aber regenerative Landwirtschaft ist kein Status, sondern ein Weg, auf dem es viel zu lernen gibt.

Und mit diesem philosophischen Schlusswort beenden wir diesen Artikel – wer sich weiter über das Thema informieren, für den haben wir hier ein paar Interessante FarmTicker Artikel:

Nadine kam von der Bank zum Bauernhof. Sie ist seit 2016 Marketing- und Kommunikationschefin bei Jucker Farm. Ihre Spezialität ist die digitale Kommunikation. Neben Ihrem Job reist sie leidenschaftlich gerne (Zum Portrait).

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