Zu Jucker Farm
Frost - schneebedeckte Kirschblüten
von Valérie

Frost – mit einem blauen Auge davon gekommen

Es ist eine Situation, wie sie immer mal wieder vorkommt. Besonders dann, wenn es früh im Jahr eine lange Wärmeperiode gegeben hat und die Obstbäume früh blühen: Die Blüten treiben aus, die Bienen fangen an zu fliegen – und dann kommt der Frost.

Warum ist das kritisch?

Wenn die Blüten abfrieren bevor oder kurz nachdem sie befruchtet wurden, können an dieser Stelle keine Früchte wachsen. Deshalb wird so eine Wetterlage, wie wir sie die letzte Woche und Anfang dieser Woche hatten zur Zitterpartie.

Besonders kritisch war die Situation in der Nach von Sonntag auf Montag.

In der Nacht waren Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, bis zu -1,5°C vorausgesagt. Das ist genau die Temperatur, ab welcher ein Erfrieren der Blüten möglich wird. Allerdings dürften die Temperaturen an der Blüte selbst leicht höher ausfallen. Ab -1,5°C (an der Blüte) kann es bis zu 10% Ausfall geben, bei -3°C können bereits rund 50% der Ernte ausfallen, je nach Situation, Wind, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit.

Frostbeurteilung – eine diffizile Angelegenheit

Dabei können schon wenige Zehntelgrade eine Rolle spielen. Gerade in einer Situation, die sich temperaturmässig gerade so an der Grenze bewegt, lohnt es sich genau hinzuschauen. Denn Frostschutzmassnahmen sind auch immer ein enormer Aufwand und bergen selbst ein gewisses Risiko.

Das Aufstellen von Frostkerzen beispielsweise nützt nur etwas, bei relativer Windstille. Wenn es durch die Anlagen bläst, wie es am Wochenende der Fall war, wird die ganze Wärme einfach fortgewindet.

Grundsätzlich gibt es auch besondere Lagen, die mehr- oder weniger für solche Frosteinbrüche gefährdet sind. In Mulden zwischen Erhöhungen können beispielsweise regelrechte Kälteseen entstehen. Diese sind viel anfälliger für Frostschäden, als eine erhöhte Lage in Seenähe, die von einer gewissen Wärmeabstrahlung des (meist) wärmeren Wassers profitieren kann.

Ebenfalls kommt es drauf an, in welchem Stadium sich die Blüten befinden. Ist die Befruchtung bereits seit einigen Tagen über die Bühne gegangen, ist Frost nicht mehr sehr gefährlich.

Was für Frostschutzmassnahmen gibt es?

Im Wesentlichen gibt es drei Massnahmen, die man als Obst- bzw. Gemüsebauer treffen kann. Die defensivste ist sicher das einfache Bedecken mit Vlies von bodennahen Kulturen wie z.B. Erdbeeren oder Spargeldämmen. Auch Kürbisjungpflanzen können durch eine Bedeckung mit Vlies vor Temperaturen bis zu -2°C relativ gut geschützt werden. Insbesondere dann, wenn die Kälteperiode nicht zu lang ist und noch eine gewisse Restwärme im Boden steckt.

Für höhergelegene Kulturen wie Bäume oder Sträucher kann das Aufstellen von Frostkerzen hilfreich sein. Man entzündet mehrere kleine Feuer innerhalb der Baumreihen einer Obstanlage in Form von Eimern Dies jedoch – wie oben erwähnt – nur, solange Windstille herrscht. Bei Temperaturen unter -2°C hilft das auch nichts mehr.

Die invasivste Möglichkeit ist sicher die Frostberegnung. Dabei wird Wasser auf die Kulturen gespritzt, um sie mit einer Eisschicht zu überziehen. Diese soll die Blüten schützen, denn unter dem Eis bleibe die Temperatur bei ca. Null Grad. Selbst bei Temperaturen bis zu -9°C. Wenn man das macht, muss man aber durchziehen. Das heisst, man darf die Beregnung erst wieder ausschalten, wenn die Temperaturen über den Gefrierpunkt steigt und das Eis abgetaut ist. Das macht man nicht gern, denn der Boden wird dadurch komplett durchnässt und macht die Anlage wieder anfällig für Krankheiten.

Doch welche Auswirkungen hatten diese frostigen Nächte nun auf dem Juckerhof und auf dem Spargelhof?

Rückblick: Glück gehabt

Auf dem Juckerhof selbst blieben die Temperaturen innerhalb des tolerierbaren Bereichs. Die Messungen betrugen zwischen –0.2 und -0.9°C. An anderen Standorten ging die Temperatur bis auf -1.3°C. Das heisst, es sollte gereicht haben für unsere Kulturen. Wenn überhaupt, werden die Ausfälle nur sehr begrenzt sein.

Auch auf dem Spargelhof in Rafz, wo es in der Nacht auf Freitag nochmal kritisch wurde, sind wir ohne Frostkerzen oder Beregnung ausgekommen.

Die Spargeln waren zu keinem Zeitpunkt wirklich gefährdet. Die weissen Spargeln, die im Damm wachsen, sind durch die Erde ausreichend geschützt. Die grünen Spargeln wurden mit Vlies bedeckt. Auch erfolgte kein kompletter Erntestopp. Die geernteten Mengen waren zeitweise massiv reduziert. Mit dem wärmeren Wetter dürfte sich die Situation wieder entspannen.

Für dieses Jahr sind wir also vermutlich über den Berg. Auch wenn der Frost zu einem für die Blüten sehr kritischen Zeitpunkt kam.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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