Spargelernte unter Folie
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Was bestimmt den Start der Spargelsaison?

Die Spargeln sind da! Und das ist wirklich früh für Schweizer Verhältnisse. Der Februar war warm, stimmt. Aber im März wurde es wieder kälter. Das bringt uns auf die Frage:

Welche Faktoren bestimmen denn den Start der Spargelsaison?

Ich habe den Spargelprofi Robert Courth vom Spargelhof in Rafz gefragt..

Seine Antwort:

«Licht. Sonne, das ist das Wichtigste! Als Beispiel: 15°C über Null, aber bedeckt und regnerisch bringt dem Spargel weniger als -5°C und Sonne! Sonne ist das A und O».

Am Puls der Spargeln

Und – man höre und staune – das wird alles akribisch genau beobachtet. Ab Mitte Februar kriechen Roberts Argusaugen unter die Erdoberfläche, genauer gesagt in 40 cm Tiefe unter den Spargeldämmen. Und zwar in Form eines Spargelsensors. Der sieht ganz ähnlich aus wie den Thermometer für den Schweinebraten im Ofen und misst die Temperatur in den Spargeldämmen. Und das Beste daran ist: Er kann das alles in einer App auf seinem Handy überwachen.

2 Tage lang 10°C an der Knolle

«Die frühen Spargeln erwachen, wenn an der Wurzelknolle der Spargelpflanze in ca. 40 cm Tiefe für 1-2 Tage eine Temperatur von 10°C oder mehr erreicht wird, bei den späteren Kulturen braucht es ungefähr 12°C». Eine weitere Faustregel, um den Start der Spargelsaison abschätzen zu können ist die: Wenn die Temperatursumme (=Dauer in Stunden der Anzahl Grade über 5°C in einer Tiefe von 20 cm) 500 Stunden erreicht, geht die Spargelsaison los.

Also:

Angenommen es ist in 20 cm Tiefe an einem Tag 4 Stunden lang 10°C, dann gäbe das 20 Stunden an die Temperatursumme (5° drüber mal 4 Stunden). Das müsste dann 25 Tage lang so sein, bis die Spargelsaison anfängt. Alles klar? 🙂

Aber auch dies sei nur ein Richtwert des Computers. Manchmal stimme es – manchmal aber eben auch nicht, erklärt Robert.

Warum startete die Spargelsaison heuer so früh?

Man ahnt es schon: Bereits während des warmen Februars konnten fleissig Stunden für die benötigte Temperatursumme gesammelt werden. Dank einer ausgeklügelten Folientechnik konnte die Wärme im Boden behalten werden, trotz des erneuten Kälteeinbruchs im März. «Über der normalen schwarzen Folie, die über den Spargeldämmen liegt, haben wir zudem noch eine transparente Folie angebracht. Das führt dazu, dass zwischen den beiden Folien ein isolierender Luftpuffer entsteht, der eine Art Frostbarriere darstellt. Die Kaltluft dringt so gar nicht bis zur schwarzen Folie vor. Unter der schwarzen Folie ist es tagsüber momentan bis zu 48°C warm», erklärt Robert Courth. Wenn die Temperatur an der Wurzelknolle der Spargelpflanze über 20°C steigt, muss die Folie allerdings wieder auf ihre weisse Rückseite umgedreht werden, sonst wachsen die Spargeln zu schnell.

Mehr zum Thema Spargel

…diese und viele weitere Artikel zum Thema Spargel findet ihr auf farmticker.ch unter dem Hashtag #spargeln.

Spargel-Rezepte

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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