Butternuss unreif
Farmticker Icon Feldbericht Feldbericht von Nadine

Kürbiskrise

Regen. Und noch mehr Regen. Und dann noch etwas mehr Regen. Ach und ab und zu noch ein Hagelgewitter. Das ist eine saloppe Zusammenfassung der Wettersituation der letzten Monate. Dieses Wetter macht nicht nur dem Gemüt von uns allen zu schaffen, sondern auch unseren Kulturen auf den Feldern. Besonders die wärmeliebenden Kürbisse leiden stärker als erwartet. Die Situation ist besonders kritisch im Hinblick auf die Kürbissaison. Wir jammern nicht gerne – aber nach einem Blick auf die Felder können wir gar nicht anders…

Den Deko- und Grillkürbissen geht es gut

Starten wir aber zuerst mit ein bisschen Good News! Den Kürbissen, die wir für das Behängen der Kürbisfiguren benötigen, geht es ziemlich gut. Diese wurden nämlich «gesteckt». Das heisst, die Samen wurden maschinell direkt in schwarze Mulchfolie gesteckt statt einfach aufs Feld gesät. Die sind gut gewachsen und konnten teilweise schon geerntet werden – in Kloten hat das Behängen der Kürbisfiguren zum Thema «Römer» bereits begonnen.

Auch bei den Grillkürbissen, die bereits im Verkauf sind, haben wir einen Zusatzaufwand geleistet – zum Glück. Hier wurden die Samen nämlich vor dem Einpflanzen zu Setzlingen aufgezogen und dann einzeln ins Feld gepflanzt. So konnten sie ziemlich gut ausreifen, trotz dem schlechten Wetter. Dasselbe haben wir auch für einen kleinen Teil Butternuss und Oranger Knirps gemacht. Warum wir das nicht bei allen Kürbissen machen? Zu teuer und viel Aufwand.

2021 wohl ohne Butternuss

Bei den normal gesäten Kürbissen sieht es, besonders bei gewissen Sorten, gar nicht gut aus… Während der wichtigen Blütephase war es massiv zu nass und zu kühl. Wenn es so weiter geht, werden die Kürbisse rund vier Wochen zu spät reif sein – wenn überhaupt. Besonders stark betroffen ist eine der beliebtesten Kürbissorten: Der Butternuss.

Der Butternuss gehört zu den Moschuskürbissen, wie auch der Muskat und der Kambodscha. Und diese benötigen rund 120 bis 130 Tage zum Ausreifen – im Vergleich dazu braucht ein Oranger Knirps nur 85 bis 95 Tage. Da es so kühl und nass war, haben die Butternusspflanzen zu viele Blüten gebildet. Die Pflanze hat nun zu wenig Kraft, alle auszureifen. «Die einzige Hoffnung – und ich weiss wie das klingt – ist jetzt der Mehltau» erklärt Rafzer Produktionsleiter Robert Courth. «Mehltau würde in der Butternusspflanze Stress auslösen, so dass sie überschüssige Früchte abwirft. Wenn dann das Wetter stimmt, könnten einige Butternusskürbisse doch noch reifen bis im Oktober.» Ein sehr schmaler Hoffnungsschimmer… Denn bis Anfang Oktober sind es knapp 60 Tage – nur die Hälfte der normalen Ausreifdauer.

Courth rechnet aktuell mit einem enormen Ertragsausfall bei der Kürbisernte. «Immerhin; beim Orangen Knirps und bei den Halloweenkürbissen sieht’s nicht so schlecht aus», meint Courth. «Aber unsere grossen Dekokürbisse wurden grad letzte Woche auch noch verhagelt. Wir hoffen nun, dass sie vernarben und nicht faulen.»

Nervenaufreibend

Bäuerinnen und Bauern sind normalerweise nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. «Du kannst das Wetter nicht beeinflussen, man muss damit leben und das Beste daraus machen», sagt auch Robert Courth. «Aufregen und Jammern lohnt sich nicht.» Aber dieses Jahr wurde das Gemüt von all unseren landwirtschaftlichen Mitarbeitenden hart auf die Probe gestellt. Es sei einfach herzzerreissend, sagt Courth. Die Kulturen, die man mit Herzblut und viel Sorgfalt pflege, werden praktisch weggeschwemmt. Über so viele Monate hinweg sei das schlicht nervenaufreiben und demoralisierend fürs ganze Team. Er übertreibe nicht, wenn er sage, dass das 2021 eine absolute Katastrophe für die Landwirtschaft sei.

Ob wir überhaupt Butternuss haben werden dieses Jahr, steht noch in den Sternen...

Besser sieht's für die Orangen Knirpse und....

...die Halloweenkürbisse aus.

Auch bereits reif, da verfrüht angebaut: Der Grillkürbis!

Kürbisfigur Regenbogenfisch Jona

Auch die Behängekürbisse sind reif. Zum Glück, denn der Aufbau der Kürbisfiguren hat schon begonnen.

Blick auf die anderen Felder

Auch bei unseren anderen Kulturen sieht es nicht rosig aus. Wir werfen einen Blick auf die Felder:

  • Spargeln

    Die Spargelsaison hätte besser sein können. Problematisch wurde es vor allem danach. Mit dem Dämmen und dem Einsetzen neuer Pflanzen konnte viel zu spät begonnen werden – rund 6 Wochen später als in normalen Jahren! Es war einfach zu nass in den Dämmen. Wie sich das auf die Spargelsaison nächstes Jahr auswirkt, wissen wir noch nicht…

  • Beeren

    2021 meint es nicht gut mit unseren Beeren. Aber es gibt auch Good News aus dem Beerendepartement und zwar bei den Heidelbeeren! Denn als Waldfrucht vertragen sie Regen und Nässe gut. Ganz im Gegenteil zu den Erdbeeren, Himbeeren und unseren neuen Brombeeren… Hier haben wir rund 25 bis 30 Prozent Ertragseinbusse im Gegensatz zum letzten Jahr.

     Faule Erdbeeren

  • Getreide

    …das ist eine Geschichte für sich, ein Artikel dazu folgt hier auf dem FarmTicker!

  • Kichererbsen

    Kichererbsenschoten gibt’s und in den Schoten hat’s Erbsen, ob diese reif werden, ist unklar. Aber da wir sie primär verarbeiten (z.B. zu Hummus), müssen sie nicht komplett ausreifen – das schöpft Hoffnung. Geerntet werden kann bis im Oktober. Wir haben also noch Zeit…

  • Sommergemüse

    Die Tomaten und Gurken wachsen zwar im Tunnel und sind somit vor Nässe geschützt. Aber es fehlt die Wärme! Wir sind noch nicht einmal bei 50% der Erntemenge vom letzten Jahr. Die Zucchetti wachsen auf dem Feld, auch dort fehlt Sonne und Wärme.

  • Wintergemüse

    Rosenkohl und Flower Sprout stehen schon lange im Feld, wachsen aber nicht. Seit Wochen stehen sie im Wasser… Auch hier können wir nur Abwarten und Hoffen.

  • Äpfel

    Bei den Äpfeln sieht es nicht ganz so dramatisch aus. Die Früchte sind ca. 2 bis 3 Wochen später dran als in «normalen» Jahren. In Seegräben gibt es recht viele Hagelschäden und der Pilzdruck ist sowohl dort wie auch in Jona relativ hoch. Laut Obstbauchef Stefan Bächli habe man das jedoch soweit unter Kontrolle. Er hofft dennoch auf einen schönen und vor allem trockenen September. Denn dann beginnt die Ernte der Hauptsorten. «Man sollte Äpfel nicht nass ernten, sonst sind sie weniger gut lagerbar», erklärt Bächli.

Langfristige Auswirkungen

Einerseits macht uns natürlich die bevorstehende Kürbissaison Sorgen. Nach zwei schwierigen Jahren mit Einschränkungen wegen Corona, wäre eine erfolgreiche Hauptsaison umso wichtiger. Andererseits beschäftigen uns auch die weitergreifenden Auswirkungen dieser schlechten Ernte. Schliesslich verkaufen wir nicht nur die Rohprodukte vom Feld, sondern benötigen sie auch für die Weiterverarbeitung in der HofManufaktur, der Bäckerei oder in der Küche… Es kommen anspruchsvolle Wochen auf uns zu! Wir halten euch auf dem Laufenden…

Nadine kam von der Bank zum Bauernhof. Sie ist seit 2016 Marketing- und Kommunikationschefin bei Jucker Farm. Ihre Spezialität ist die digitale Kommunikation. Neben Ihrem Job reist sie leidenschaftlich gerne (Zum Portrait).

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