Mann auf Nüsslisalatfeld
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Glücksfall aus dem Rheinland

Dass so ein Mann wie Robert bei uns gelandet ist, war ein absoluter Glücksfall. Mit «so ein Mann» meinen wir einen gestandenen Landwirt und studierten Diplom-Agraringenieur aus Deutschland, der nicht nur einiges an Erfahrung mitbrachte, sondern auch Bock hatte, sich bei uns einzubringen und menschlich einfach super zu uns passte.

Beat Jucker sei damals vor einem knappen Jahr denn auch mitten im Vorstellungsgespräch aufgestanden und hätte gemeint: «Wann möchtest du bei uns anfangen?».

Der Vater von 2 erwachsenen Kindern ist mit seiner zweiten Frau in die Schweiz gekommen. Einer 19 Jahre jüngeren Polin, die erst noch seine Erntehelferin war. Klingt total klischiert, doch wer Robert zuhört, steckt seine Vorurteile schneller zerknüllt hinter die nächste Gehirnfalte, als dass man Wurzelspinat sagen kann. Ausserdem sind die beiden bereits seit 10 Jahren verheiratet. Thema abgeschlossen.

Roberts Geschichte ist wahnsinnig spannend. Die möchten wir euch keinesfalls vorenthalten. Nur schade, dass ihr seinen «Kölschen» Dialekt nicht mitkriegen könnt. Es war eine Freude, ihm zuzuhören. Wie der Herrscher über Wurzelspinat, Kürbis und Federkohl bei uns gelandet ist, erfahrt ihr im Interview:

 

SEIT WANN ARBEITEST DU HIER?

1.  Februar 2018

WAS IST DEIN JOB?

Leiter Produktion. Ich bin auf dem Spargelhof verantwortlich für sämtliche Kulturen im Anbau und in der Ernte und für die Arbeitsplanung der Erntehelfer.

WIE BIST DU BEI JUCKER FARM GELANDET?

Das ist eine längere Geschichte.

Eigentlich hatte ich in Deutschland einen eigenen Gemüsebaubetrieb, der in 350-jährigem Familienbesitz war. Leider konnten auch wir irgendwann mit unserer Grösse nicht mehr mit den immer grösser werdenden Konkurrenzbetrieben mithalten. 5 HA Eigenbau und 32 HA in Fremdbewirtschaftung haben nicht mehr gereicht. Das hatte ich bereits im Studium kommen sehen und erst mal auf anderen Betrieben gearbeitet. Ich war unter vielem anderen stellvertretender Geschäftsführer einer Agrargenossenschaft. Zusammen mit meinem Vater habe ich es dann trotzdem nochmal versucht, 18 Jahre lang Gemüse zu verkaufen.

Als es dann wirklich nicht mehr ging, habe ich so wie während des Studiums wieder als Fernfahrer gearbeitet. Auch wenn ich erst mal nichts mehr von Gemüsebau wissen wollte, hat es mich nie mehr ganz losgelassen. Und Fachkräfte wurden händeringend gesucht. Unter anderem auch in der Schweiz.

Meine erste Stelle hier war bei einem grossen Gemüseproduzenten. Das hat aber wegen persönlicher Differenzen dann nicht geklappt. Und dann habe ich mich bei Jucker beworben. Und das hat dann schlussendlich auch sehr zackig vonstattengegangen.

WAS WAR SCHWIERIG BEI DEINEM START IN DER SCHWEIZ?

Ja, das war schon eine Herausforderung. Wir Rheinländer tragen das Herz auf der Zunge, erzählen halt auch mal private Sachen und sind sehr direkt. Das ist hier nicht so. Da muss man schon sehr gut überlegen, wie man etwas formuliert. Kritikfähigkeit ist jetzt nicht so eure Stärke :-).

WAS GEFÄLLT DIR HIER?

Die flachen bis nicht vorhandenen Hierarchien und das selbstverantwortliche Arbeiten. Dadurch dass sehr transparent kommuniziert wird, gerade auch über Geschäftszahlen, ist jeder Bereichsleiter etwas ein Unternehmer. Ich sag immer: Jucker ist selbständig für Feiglinge. Du hast Entscheidungsmöglichkeiten, aber auch einen Fixlohn.

Druck von den Chefs gibt’s nicht so. Den macht man sich schon selber ;-).

WAS MAGST DU WENIGER GERN AN DEINER ARBEIT?

Dass wir noch nicht da sind, wo wir eigentlich hinwollen.

WAS IST DEIN LIEBLINGSGEMÜSE?

Wurzelspinat 🙂 ((und das sagt er auch noch so schön Kölsch: «Wuchzelspinaat»))

WAS MACHST DU AM LIEBSTEN AUSSERHALB DER ARBEIT?

Durch mein grosses Arbeitspensum mag ich es schön ruhig. Gut kochen und gut essen gehen, das machen wir am liebsten. Oder ich geniesse einen schönen Tag im Sommer am Rhein.

Kontrastprogramm dazu: Ich fange gerade mit Boxen an.

HAST DU ZUKUNFTSTRÄUME, DIE DU UNS VERRATEN MAGST?

Am liebsten würde ich bis zur Rente hier bleiben ;-). Und gesund bleiben, damit ich noch ein Bisschen länger arbeiten kann. Ich kann ja schlecht noch 19 Jahre rumhocken, wenn meine Frau noch weiterarbeitet.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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