
Geranie – von Südafrika zum Bauernhof-Blüemli
Im Mai beginnen die Geranien zu blühen. Die robusten Pflanzen mit den meist knallig roten Blütendolden und tiefgrünen Blättern sind kaum mehr von den Fassaden der Schweizer Bauernhäuser wegzudenken. Dabei ist die Geranie kein einheimisches Gewächs. Natürlich kommt sie in Südafrika und Namibia vor. Wie also wurde sie zum hiesigen Traditionsblüemli?
Erst in die Stadt, dann auf den Hof
Im 18. Jahrhundert tauchten die ersten Geranien in der Schweiz auf – zur Schau gestellt in botanischen Gärten. Knapp ein Jahrhundert später schmückten erst einflussreiche Stadtbewohner*innen ihre Häuser mit den auffälligen Blumen. Doch die Bäuer*innen wollten sich nicht lumpen lassen. Wie die Berner Zeitung berichtet, begann man im Emmental nach dem verlorenen Bauernkrieg die prächtigsten Bauernhäuser mit nicht weniger prunkvollen Gärten zu bauen - aus Trotz gegenüber der Stadtbevölkerung. Die auffällig rote Blumenpracht passte da perfekt.
Aber Geranien sind nicht nur hübsch, sie sind auch äusserst robust. Der Schweizer Sommerhitze trotzen sie ohne Probleme und brauchen nicht sonderlich viel Wasser. Ausserdem sind sie relativ resistent gegen Blattläuse und weisse Fliegen.
Ein weiterer Vorteil: Geranien lassen sich prima durch Stecklinge vermehren. Wer einmal eine Geranie besitzt, muss, wenn man es geschickt anstellt, keine neuen Pflanzen mehr kaufen. Wie es in der Berner Zeitung weiter heisst, kam es darum nicht selten vor, dass Geranien auf dem Hof von Mutter zu Tochter weitergegeben wurden.
Geranien gehören zum Juckerhof
Elsbeth Jucker bekam zwar keine Stecklinge vererbt, kennt diese Technik aber gut. Wer sich jedes Jahr neue Blumen kaufte, konnte die rote Pracht zwar früher zur Schau stellen, musste aber auch einen ordentlichen Batzen hinlegen. Geld, das auf dem Hof meist für anderes gebraucht wurde.
Schon Elsbeths Mutter und Schwiegermutter hatten stets Geranien. Da musste – und wollte – sie die Tradition fortführen. Ausserdem sagt sie: «Die Pflanzenpflege war Teil des Bäuerinnen-Seins.» Erst hatte es Elsbeth mit den klassischen stehenden Geranien versucht, doch sie stellte fest, dass die hängenden auf dem Juckerhof viel besser gedeihen.
Mittlerweile kümmert sich Gärtnerin und Floristin Nadine Jucker um die Blumenpracht auf dem Hof. An den Geranien hat das nichts geändert. «Rot ist die traditionelle Bauernhoffarbe, darum wird es nur die geben, solange ich hier für die Blumen verantwortlich bin», so Nadine. Auch sie ist Fan von den hängenden Sorten. «Sie sind sehr dekorativ und wirkten viel imposanter als die stehenden Geranien», sagt sie.
Geranie, Geranium, Pelargonie …?
Achtung, jetzt wird's ein bisschen kompliziert. Auf Schweizerdeutsch reden wir häufig vom «Granium». Botanisch gesehen ist das falsch. Denn was auf Lateinisch Geranium heisst, wird auf Deutsch als Storchenschnabel bezeichnet. Unsere Bauernhof-Geranie gehört zwar zur Gattung der Storchenschnabelgewächse, ist – ganz korrekt botanisch - aber eine Pelargonie (Pelargonium).
So bezeichnet sich der hiesige Verein der Geranien Liebhaber*innen auch als «Schweizerischer Pelargonien Verein» und nicht als «Geranien Verein».
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