Winter Arbeit
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Winter auf dem Feld

Winter - das ist die Jahreszeit, in der es auf dem Bauernhof am friedlichsten zu und her geht. Wobei es nicht so ist, dass der Bauer dann nur am «Käfelen» ist. Vielleicht ist es eher so: Im Winter ist die einzige Zeit, in der der Bauer mal Zeit für eine Kafipause hat ;-).

Was der Bauer im Sommer macht, ist klar: Ernten, Heuen, Verkaufen. So.

Und im Winter? Was macht der Bauer im Winter? Ich habe bei Robert Courth unserem Produktionsleiter in Rafz nachgefragt, was er mit seinem Team gerade so zu tun hat.

Wintergemüse ernten und verkaufen

Das was man im Sommer auch macht, hört im Winter nicht einfach auf. Auf dem Spargelhof in Rafz wächst einiges an Wintergemüse, das ebenfalls geerntet, geputzt, verarbeitet und verkauft werden will. Allerdings sind es niemals die Mengen und Frequenzen vom Sommer.

Am meisten ernten Robert und sein Team von den 3 HA Freiland-Nüsslisalat. Daneben wachsen auf den Feldern Rosenkohl, Federkohl, Rot- und Weisskabis, Wirz, Flower Sprouts, und Chicco Rosso und Rosso-Verde. Ernten kann man aber nur, wenn kein Frost ist. «Eine Woche Frost kann man noch gut vorbereiten. Dann ernten wir vor dem Frost einfach so viel wie möglich, um dann in der Folgewoche genügend Rüstarbeit in der Halle zu haben. Ab zwei Wochen Frost wird’s schwierig. Dann kann es schon mal sein, dass wir für ein paar Tage die Füsse hochlegen müssen».

Neben den Ernte- und Rüstarbeiten fallen auch bei den Winterkulturen Pflegearbeiten an. Beim Nüsslisalat muss zum Beispiel ein Vlies gelegt werden, wenn es allzu kalt wird.

Kürbisse aufbereiten

Arbeiten für den Grossverteiler: Der Spargelhof ist bestimmt nicht der einzige Landwirtschaftsbetrieb, der für Grossverteiler weiter Kürbisse verarbeitet. Auch wenn die hofeigenen Kürbisse längst verkauft sind: Coop braucht weiter Kürbisse. Und zwar Butternuss entkernt und halbiert. Da der Spargelhof dafür ausgerüstet ist, halbiert das Team in Rafz die Kürbisse und verpackt sie für Coop. Aber die Kürbisse dafür kommen aktuell aus Spanien - was natürlich auf der Etikette auch so beschriftet ist. Zwischen 40 und 80 IFCO-Kisten täglich werden jeweils von ca. 4 Personen bereitgestellt. Das ist eine Arbeit, die in der Produktionshalle passiert und gut bei jedem Wetter erledigt werden kann.

Nüsslisalat im Winter

Wichtigste Winterkultur auf dem Spargelhof: Der Freiland-Nüsslisalat.

Nüsslisalat im Wasserbad

Typische Winterarbeit: Gemüse waschen und rüsten.

Rosenkohl rüsten

Beim Rosenkohl bleiben grobe Rüstabfälle direkt auf dem Feld.

Federkohl Reihen

Auch die anderen Kulturen wollen gepflegt sein.

Traktor am Fräsen

Wenn es das Wetter zulässt, werden jetzt die Dämme für die Spargelsaison vorbereitet.

Winter Arbeit

Auch Heidelbeeren und andere Sträucher werden im Winter geschnitten.

Vorbereitung Frühjahr

Dann gilt es, die Kulturen für’s Frühjahr vorzubereiten. Zum Beispiel Spargeldämme fräsen. Das ist auf dem Spargelhof eine diffizile Angelegenheit, da die Böden tendenziell sehr feucht sind.

Eigentlich ist das eine Arbeit, die der Bauer gerne im Herbst erledigt. Doch auf dem Spargelhof waren die Böden im Herbst viel zu feucht zum Dämmen. Also müsste er es jetzt machen. Aber wenn’s gefroren ist, kann auch nicht gedämmt werden. Optimalerweise verrichten Robert und sein Team das Spargeldammfräsen kurz vor dem Auftauen, so bei -2 bis -3 Grad (und trockenem Wetter!). Danach werden die Dämme abgedeckt, damit sie ihre Form behalten und sich bei sonnigem Wetter schon mal aufheizen können. Teilweise müssen alte, zerrissene Folien ausgetauscht werden.

Bei den Erdbeeren (die ja eigentlich erst im Mai aktuell werden) muss ebenfalls geschaut werden. Hier wird aktuell «geputzt». Alle Ranken müssen weg, abgestorbene Pflanzenteile entfernt werden. Blieben sie dran, würden sich Pilze darauf ansiedeln und verbreiten, ehe die Saison überhaupt angefangen hat.

Überhaupt ist das «Anbaumanagement» bei den Erdbeeren eine komplizierte Angelegenheit. Wird es zu kalt (-5°C und kälter), müssen die Pflänzchen zugedeckt werden. Wird es zu warm, müssen sie wieder abgedeckt werden, damit sie nicht zu früh aus dem Winterschlaf erwachen. Aber was man genau macht, hängt ausserdem davon ab, auf wann man die Ernte der betreffenden Kultur gerne terminiert haben möchte. Hier kann man noch mittels Stroheinlagen verzögern oder beschleunigen. Insgesamt sind von Ende April bis Ende Juni 7 verschiedene Erdbeersorten geplant, danach folgen noch so genannte «Terminkulturen», die erst im Mai gesetzt werden und für Erdbeeren bis in den Herbst hinein sorgen.

Beeren, Tomaten und, und, und

Nachdem die Heidelbeeren geschnitten wurden (auch eine Winterarbeit), hat Robert auf seiner To-Do-Liste auch noch die Jungen Sommer-Himbeeren. Diese müssen noch von kleinen Töpfen in grosse Kübel umgetopft werden.

Dann muss der Tomatentunnel abgebaut werden. Um die Fruchtfolge einzuhalten dürfen am selben Ort nicht zwei Jahre hintereinander Tomaten wachsen. An diesem Ort kommen dieses Jahr Blaubeeren hin.

Es gibt also genug zu tun. Diesen Winter sogar so viel, dass Robert seinen Personalbestand für die nächsten Wochen verdoppelt und einige Erntehelfer, die sonst erst im März beginnen würden, schon jetzt wieder engagiert hat.

Alles wofür sonst keine Zeit war

Parallel zu alledem werden dann noch Arbeiten wie der Umbau der Büroräume oder Plätze pflastern erledigt. Zudem muss der ganze Bürokram aufgeholt werden, den man in der Hektik des Sommers und Herbstes nicht hingekriegt hat. Ganz nach dem Motto: «Alles was jetzt gemacht ist, ist gut». Denn wenn es Ende März dann wieder losgeht, dann kommt man wieder ins Weibeln.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und hat vor der Geburt ihres zweiten Kindes das Kommunikationsteam von Jucker Farm geleitet (Zum Portrait).

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