Bereitstellung Online-Bestellungen
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Direktvermarktung boomt dank Corona

Die Leute bleiben zuhause, die Nachfrage an online bestellter Ware ist explodiert. Davon profitieren auch jene Bauern, die ihre Ware seit längerem direkt an einzelne Kunden ausliefern.

Viele haben richtiggehend Mühe, den vielen Bestellungen hinterher zu kommen.

So hiess es zum Beispiel auf der Website von BiOnline-Shop des Bolderhofs in Schaffhausen: «Als Dienstleister sind wir diese Tage besonders gefordert, um alle Kundenbedürfnisse und Hygienevorschriften voll umfänglich erfüllen zu können. Der massive Anstieg der Bestellvolumina führt leider dazu, dass die Kapazitäten unserer Lieferfahrzeuge - trotz vermehrtem Einsatz - nicht mehr ausreichen und dass ein termingerechtes Bereitstellen der Ware personell nicht immer gewährleistet werden kann.»

Über einen Monat Lieferfrist

Auch auf farmy.ch - der auch unseren OnlineShop juckershop.ch betreibt - besteht zurzeit eine Wartefrist von über einem Monat: «Aufgrund der starken Nachfrage im Rahmen des Corona Virus sind viele Lieferslots mehrere Tage im Voraus ausgebucht», heisst es auf der Website. In einer Medienmitteilung von Farmy.ch heisst es, dass sich die Nachfrage von Mitte Februar bis Mitte März praktisch verzehnfacht hat. Der Online-Hofladen hat massiv mehr neue Klienten und diese tätigen auch grössere Einkäufe als es bei den bisherigen Durchschnittsbestellungen der Fall war. Um der hohen Nachfrage zu begegnen, hat Farmy.ch jetzt zusätzliche Lieferslots freigeschaltet, um Direktbetroffene und Leute aus der Risikogruppe prioritär beliefern zu können. Ab dem 3. April erfolgen diese ersten Auslieferungen.

Eine Chance für «die Kleinen»

Was für grössere Firmen eine grosse Herausforderung darstellt, stellt für kleinere Betriebe eine Riesenchance dar. Sie profitieren davon, die «Überschüsse» der grösseren Zulieferern abfangen zu können.

Cowpassion, eine Initiative, die ihre Kunden monatlich per Post mit Käse aus Mutter-Kalb-Haltung versorgt, spüren ebenfalls einen Aufschwung. Einen Teil des Käses verkaufen sie in einem Quartierladen. Da und im Hofladen seien sie richtiggehend überrannt worden von Kunden. Sie vermuten allerdings, dass hier der Antrieb sei, «im Kleinen einkaufen zu können, ohne viele Leute zu treffen». Die monatlichen Bestellungen seien jeden Monat mehr geworden seit Lancierung im Dezember. Vermutlich spüre man einen allfälligen «Corona-Effekt» erst bei der nächsten Auslieferung im April.

Bestellungen bei Farmy

Bei Farmy hat sich die Nachfrage beinahe verzehnfacht...

Kalb saugt bei Mutter

Auch bei Cowpassion machte sich die verstärkte Nachfrage bemerkbar...

Ralph Rüegg beliefert seine Kunden wöchentlich mit Eiern...

...bei ihm fand eine Verlagerung von Gastro-Kunden auf Privatkunden statt.

Hofladen Rafz

Die Leute geniessen die Ruhe in den Hofläden...

Auch Ralph Rüegg spürt eine Veränderung. Er führt einen kleinen Betrieb in Mühlrüti (SG) und fährt wöchentlich eine «Eier-Tour» ins Zürioberland. Zudem produziert er schmackhaftes «Kräuter-Säuli-Fleisch», Maispoulet und weitere hausgemachte Produkte. Er beliefert auch Gastronomie-Betriebe. Da sei die Nachfrage zwar komplett eingebrochen. Dieser Einbruch wurde aber innert Kürze wieder durch einen massiven Anstieg bei den Privatkunden kompensiert.

Mehr Wocheneinkäufer in den Hofläden

Unter «normalen» Bedingungen war es bisher für viele Bauern eher herausfordernd, ihre Ware direkt unter die Leute zu bringen. «Dank» der Corona-Krise erleben Direktvermarkter momentan einen regelrechten Aufschwung. Die träge Kundschaft wird jetzt sozusagen in den digitalen Raum «gezwungen». Man will lieber online bestellen und wenn man schon in einen Laden muss, dann lieber nicht in die gedrängte Migros, sondern in ein kleines Hoflädeli, das nur wenige Leute besuchen.

Gemäss einem Bericht in der Bauernzeitung sind Hofläden zurzeit sehr gefragt. Auch bei Jucker Farm laufen die Hofläden - der Situation entsprechend - gut. Es kommen trotzdem noch Leute zum Einkaufen. Auch solche die noch nie da waren, und sie machen gleich den Wocheneinkauf im Hofladen. Zum Beispiel auf dem Juckerhof in Seegräben, der sonst primär als Ausflugs- und nicht als Einkaufsziel gilt. Manche der Kunden sind Seegräbner, die jetzt das lokale Gewerbe unterstützen möchten, wieder andere sind aus Zürich, weil sie da nicht mehr alles bekommen, oder weil es in Seegräben ruhiger ist. Allerdings dürfen nicht mehr als 4 Leute gleichzeitig in den Hofladen auf dem Juckerhof. Das ist per se schon eine Einschränkung. Da ist am Wochenende in normalen Zeiten mehr los.

Neuer Pop-Up-Hofladen in Kloten

Da die Wochenmärkte geschlossen sind, verkaufen manche Bauern ihre Ware nun direkt ab Hof. Auch Jucker Farm war Stammgast am Wochenmarkt in Kloten. Auch hier fehlte ein Absatzkanal. Deshalb, und auch um wenigstens einen Teil des ausfallenden Gastronomiebetriebs auf dem Jucker- und auf dem Bächlihof zu kompensieren, hat Jucker Farm nun kurzerhand einen zusätzlichen Pop-Up-Store auf dem Römerhof in Kloten eröffnet. Dieser hat täglich von 11-18 Uhr geöffnet.

Für alle Bauern bleibt zu hoffen, dass dieses Verkaufsverhalten auch nach der Krise noch nachhallt. Denn der Bauer hat mehr von dem Preis, den der Käufer ihm bezahlt, als wenn er dem Detaillisten für die Vermarktung noch was abgeben muss. «Ich persönlich würde mich freuen, wenn der Aufschwung beim Direktvertrieb länger bleibt als die Corona-Krise 🙂 vielleicht kommen die Leute ja auf den Geschmack von Frische und Authentizität...», sagt Evelyn vom Cowpassion-Team.

Nachtrag: In der vierten Folge unseres Podcasts #FarmTalk spricht Martin Jucker über ebendiese Chance in Zeiten einer Krise. Zu hören gibt's den Podcast z.B. auf Spotify oder iTunes.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und hat vor der Geburt ihres zweiten Kindes das Kommunikationsteam von Jucker Farm geleitet (Zum Portrait).

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