Der unnütze Birnbaum

23. Januar 2018 Valérie

Hinter dem Juckerhof bei der grossen Wiese neben dem TCS-Parkplatz stehen alte Wasserbirnen-Hochstammbäume. Die wurden vor rund 70 Jahren gepflanzt, als Lieferant für Mostbirnen und haben noch nie irgendwelche Pflanzenschutzmassnahmen benötigt. Einer davon ist ganz abgestorben, ein anderer fast.

Trotzdem wollen wir die beiden Bäume nicht fällen.  

Warum nicht?

Kurz: Weil er gut für kleine Käferli und Tierli ist.

Hintergrundinfo: «Das ist gar nicht so einfach», erklärt unser Obstbauchef Stefan Bächli, «der abgestorbene Baum gehört zu einem Strukturelement von unserem Hochstammobstgarten. Der erreicht die höchste Biodiversitätsstufe Q2. Das tut er nur, wenn gewisse formelle Kriterien erfüllt sind, die die Biodiversität auch weiter gewährleisten.

So ist zum Beispiel zusätzliche, schwach oder gar nicht bewirtschaftete Fläche (sog. Zurechnungsfläche; kein Dünger, kein Pflanzenschutz, späterer Schnittzeitpunkt) Bedingung 0,5 Aren pro Baum. Und es benötigt eben auch Strukturelemente wie Asthaufen, Trockenmauern, Tümpel oder eben abgestorbene Bäume. Sie bieten kleinen Tieren und Insekten Unterschlupf und Nistplätze. Wenn keine natürlichen Nistmöglichkeiten vorhanden sind, müssen künstliche Nistmöglichkeiten für Vögel und Fledermäuse angebracht werden. Minimum 1 pro 10 Bäume. 

Ungefähr diese Bäume umfasst unser Obstgarten
An der benachbarten Scheune des Birnbaums: Fledermaus-Nistkasten.

Aus Überzeugung – mit oder ohne Subventionen

Bis letztes Jahr hatten wir das nicht speziell angemeldet. Die besagten Bäume waren auf unserem Hof vermerkt als Hochstammbäume. Dass das alles als zusammenhängendes Konstrukt einen Mehrwert für die Biodiversität darstellt, hat ein Kontrolleur zufällig bei einem Rundgang festgestellt.

Nun kriegen wir sogar einen Batzen für die Pflege. Dafür haben wir uns auch dazu verpflichtet, diese Strukturen für die nächsten 8 Jahre zu erhalten und zu pflegen. «Also kriegen wir doch Subventionen?», frage ich Stefan Bächli ganz entsetzt – da wir uns in der Kommunikation gerne damit brüsten, eben keine Subventionen zu beziehen.

«Wenn man so will, ja das würde wohl streng genommen unter den Begriff Subventionen fallen. Allerdings muss man hier schon unterscheiden zwischen Ausgleichs-Zahlungen als Entschädigung für eine ökologische Leistung und schlichten Direktzahlungen (was man wohl unter klassischen Subventionen versteht)», erläutert Stefan Bächli, «für die Pflege und den Unterhalt dieser Anlagen haben wir schon etwas Aufwand, sei es für den Baumschnitt oder das Instandhalten der Vogelhäuschen. Das, was wir dafür bekommen, deckt die Ausgaben gerade so.  Das andere sind Direktzahlungen, die ein Bauer bekommt, um etwas günstiger produzieren zu können. Das ist hier ja nicht der Fall. Hiervon können wir nichts verkaufen».

Wir sind wohl ein Spezialfall

Für Vogelhäuschen und andere Strukturelemente sorgt Stefan Bächli auch von sich aus. Weil es ihm wichtig ist, naturnah zu produzieren. Auf die Frage hin, ob das bei all seinen Berufskollegen Usus sei, schmunzelt er: «Es gibt wohl zwei Arten von Obstbauern: Die einen legen sehr viel Wert darauf, haben aber kaum mehr Zeit, wirklich wirtschaftlich zu funktionieren und sind sehr stark abhängig von diesen Zahlungen. Die anderen, grossen Obstbauern machen fast nur Niederstammproduktion und scheren sich eher nicht um solche Details. Dass wir mit unserer Grösse trotzdem Wert darauf legen, ist wohl eher ein Ausnahmefall.

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