Nüsslisalat im Freiland vertrocknet

04. November 2015 Valérie

Es war ein heisser Sommer. Gemäss den Angaben von Meteo Schweiz hatten wir den zweitheissesten Sommer seit Messbeginn vor über 150 Jahren. Die Temperaturen im Juli lagen 3-4 Grad über der Norm. Zudem waren die Niederschlagsmengen deutlich unterdurchschnittlich. Auch der September war viel zu trocken, wenn auch etwas kühler. Die Niederschlagsmenge im September betrug nur 30-50% der Norm. Quelle: http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/­service-und-publikationen/publikationen.html

Auch jetzt ist kein Regen in Sicht, am Wochenende soll es gar wieder fast 20 Grad warm werden. Den Tagesausflügler freut’s.

Doch was bedeutet diese Trockenheit für die Landwirtschaft?

Für die Kürbisernte waren die Bedingungen ideal. Wenig Dreck und keine Nässe auf den Feldern, die die Kürbisse hätte faulen lassen. Was für die einen Kulturen ein Vorteil ist, ist für andere ein Nachteil: Uns steht eine ziemlich bescheidene Nüsslisalat-Saison bevor.

Ufer des Pfäffikersees: Wo sonst Wasser ist, ist jetzt gut 5 Meter "Sandstrand".
In der Seegräbner Badi kommt das Wasser normalerweise bis zu den Steinstufen...
Anfang Jahr war der Teich noch voll bis 1 Meter unter den Rand.

Man sieht es an den Bachbetten und Seeufern: Sie sind förmlich ausgetrocknet. Bäche verkümmern zu kleinen Rinnsalen und die Ufer des Pfäffikersees sind auf einem Streifen von 5-10 Metern trocken, wo sonst Wasser wäre.

Für die Natur bräuchte es jetzt dringend grosse Mengen an Niederschlag, um die Böden wieder bis in die Tiefen zu sättigen. Bleiben die aus, sind die Vorzeichen für den Frühling problematisch. In Seegräben konnten wir mithilfe des Wasserreservoirs, das wir glücklicherweise vor 2 Jahren angelegt haben, einen Grossteil des Wassermangels ausgleichen. Dafür ist es jetzt praktisch leer.

Für den Freiland-Nüsslisalat sieht es eher weniger rosig aus. Eigentlich hätte die Nüsslisalat-Saison jetzt gestartet und würde bis April dauern. Bei den ersten Sätzen, die bis Januar geerntet würden haben wir viel zu wenig Wasser. Wir rechnen mit massiven Ernteeinbussen vor allem zu Beginn der Saison.

Da Freiland-Nüsslisalat gesät und nicht gesetzt wird, braucht er anfangs viel Wasser zum Keimen. Das hat diesen Herbst schlichtweg gefehlt. Für eine Bewässerung des Nüsslisalats im Freiland waren wir bisher schlecht ausgerüstet. Anderen Produzenten geht es aber ähnlich. Im Freilandbau ist man stärker abhängig vom Wetter.

Die späteren Ernten von Februar oder März hätten auch nur dann eine Chance, wenn wir einen milden Winter erleben. Schade ist das vor allem deshalb, weil wir über die letzten paar Jahre immer mehr Nüsslisalat-Fans mit eigenem Freiland Nüsslisalat versorgen konnten – sei es über unsere Hofläden oder direkt in der HofChuchi. Freiland Nüsslisalat hat einen ganz anderen Biss und Geschmack als „Indoor-Nüsslisalat“.

Die kleinen Mengen, die dieses Jahr direkt von unserem Feld stammen, werden wir diesen Winter über unseren Hofladen auf dem Spargelhof Rafz verkaufen.

Hoffen wir – zumindest für den Nüsslisalat- auf einen milden Winter mit etwas Regen.