Transmission auf dem Juckerhof
Bauern Lexikon von Valérie

Was ist das für ein Ding?

11 Jahre lang überquerte ich tagtäglich den Hofplatz auf dem Juckerhof, stieg die Treppe hoch und sah «dieses Ding», ohne mich auch nur einen Moment zu fragen, was es eigentlich ist und wofür es da sein könnte. Mein Unterbewusstsein hatte es einsortiert unter «irgend so ein altes Bauernhof-Dings – sieht noch cool aus».

Doch was ist das eigentlich genau, dieses Konstrukt da oben? Antwort: Ein Transmissionsantrieb.

Was ist ein Transmissionsantrieb?

Die Transmission war eigentlich eine feine Sache, da sie gewisse Arbeiten, die sonst von Hand erledigt werden mussten, automatisierte. Zum Beispiel beim Mosten, Dreschen, Sägen oder um Gülle umzurühren oder eine Pumpe anzutreiben.

Dabei wurde mittels eines Motors (elektrisch, hydraulisch oder vom Traktor angetrieben) ein Riemen mechanisch angetrieben, der die Bewegung wiederum auf andere Geräte übertragen konnte, wie zum Beispiel ein Dreschgerät. Diese Riemen waren aus strapazierfähigem Gewebe oder Leder und übertrugen die Bewegung direkt auf das Gerät oder durch eine Antriebsstange (wie oben im Bild ersichtlich), die wiederum mehrere Geräte antreiben konnte.

Da Motoren damals noch teuer waren, gab es genau 1 Motor, der für den Antrieb mehrerer Geräte zuständig war. Für jedes Gerät gab es ein eigenes Antriebsrad an das man den Riemen anhängen konnte, oder auch nicht – je nachdem, welches Gerät gerade benötigt wurde.

Das war natürlich eine etwas unflexible Angelegenheit, da der Motor fix am gleichen Platz angebracht war und alles durch die gleiche Stange angetrieben werden musste.

Mehr Infos zur Transmission

 

Ungefähr so hat die Transmission ausgesehen:

(im Beispiel Antrieb durch einen Traktor)

Und wofür wurde er auf dem Juckerhof benutzt?

Auf dem Juckerhof bestand die Transmission in einer langen Stange, die fast die ganze Länge des Hauptgebäudes einnahm. Der heute sichtbare Teil ist nur noch ein Teilstück davon. Diese Stange wurde von einem Elektromotor angetrieben, der nur rund 3 PS hatte.

Mit der Transmission konnten 3 verschiedene Maschinen angetrieben werden. Zum einen die «Mosti» in der heutigen HofBäckerei, in der der Apfelschredder und die Presse damit angetrieben wurden. Etwa auf der Höhe des heutigen Standorts des Motörlis war die Güllenpumpe und das Rührwerk für die Güllengrube angebracht. Und weiter vorne – ungefähr auf der Höhe des heutigen Eingangs zum HofRestaurants – wurde der Aufzug für das Heufuder angetrieben. Je nachdem, welche davon benötigt wurde, hängte man den entsprechenden Riemen ein oder nicht. Das «Motörli» war so schwach, dass immer nur eine Maschine aufs Mal angetrieben werden konnte.

Über diese Stange wurden die verschiedenen Geräte angetrieben...

Für jedes Gerät gab es ein Rad mit einem entsprechenden Riemen (hier ausgehängt).

Das hat dann in etwa so ausgesehen...

Dieses Rad hat übrigens nichts mit dem Transmissionsantrieb zu tun, sondern wurde erst später zur Belüftung des Heustocks eingebaut.

Den Transmissionsantrieb gab es schon, bevor Ueli Jucker – der Vater von Martin und Beat – damals den Hof übernahm. Er kannte es gar nicht anders. Bis irgendwann in den 1990er-Jahren soll der Transmissionsantrieb in Betrieb gewesen sein. Danach wurde er durch bessere, mobilere und erschwingliche Geräte mit jeweils einem eigenen Motor nach und nach ersetzt (wikipedia.org).

 

Hast du schon mal einen Transmissionsantrieb in Aktion gesehen? Wofür wurde er verwendet?

 

PS: Das grosse «Rad» in der Wand hat übrigens nichts mit dem Transmissionsantrieb zu tun. Es wurde viel später im Zusammenhang mit der Heubelüftung eingebaut und hatte einen eigenen Motor.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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