Bauer mit Strohhut
Bauern Lexikon von Valérie

Bauernbegriffe erklärt

Schon mal mit Bauern gesprochen und nur Bahnhof verstanden? Gut möglich, denn die Vielfalt an Begriffen, die in der Landwirtschaft gebräuchlich sind ist gross. Weil uns wichtig ist, dass sich Land und Stadt verstehen, starten wir ein Bauernlexikon und erklären jede Woche einen neuen Bauernbegriff aus dem Bereich der Landwirtschaft. Diese Liste wird also laufend ausgebaut.

Manche kennt ihr sicher schon, manche vielleicht noch nicht und dann sind wir froh, wenn wir helfen konnten.

Wenn ihr selber Begriffe habt, die ihr schon lange gern erklärt haben wolltet, dann macht ein Mail an marketing@juckerfarm.ch mit dem Betreff «Bauernlexikon». Wir nehmen eure Anregungen sehr gerne auf.

  • Abkalbebox

    Eine Abkalbebox ist ein abgetrennter Bereich im Stall, der für die gebärende Kuh oder das frischgeborene Kalb mit seiner Mutter reserviert ist. Da Kühe sich natürlicherweise um die Geburt herum von der Herde absondern, ist in Laufställen so ein Bereich vorgeschrieben. Es ist allerdings wichtig, die Abkalbebox gut und häufig zu reinigen. Die Abkalbebox ist nicht zu verwechseln mit den Kälberiglus aus Plastik, in der die Kälber nach der Trennung von der Mutter oft untergebracht werden.

  • Absenkpfad

    Der Absenkpfad ist eigentlich eine strategische Vorgabe, ein «Weg zum Ziel», etwas bis zu einem gewissen Zeitpunkt abzusenken. Konkret geht es aktuell in der Landwirtschaft: 1. um die Absenkung von Stickstoff und 2. um die Absenkung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Der Absenkpfad wurde von der Politik definiert, um bis zu einem gewissen Zeitpunkt gewisse Umweltziele zu erreichen. Er definiert, bis zu welchem Zeitpunkt die Emissionen von Stickstoff- bzw. Pflanzenschutzmitteln einen bestimmten Wert nicht mehr überschreiten dürfen. Darüber haben wir einen ganzen Artikel geschrieben.

  • Betriebsgemeinschaft

    Eine Betriebsgemeinschaft im landwirtschaftlichen Sinne ist der Zusammenschluss von zwei oder mehreren Betrieben zu einem einzigen Betrieb. Auch bei Jucker Farm haben wir eine Betriebgemeinschaft aus dem Spargelhof in Rafz, dem Römerhof in Kloten, dem Juckerhof in Seegräben und dem Bächlihof in Jona. Der Vorteil einer Betriebsgemeinschaft ist, dass gewisse Ressourcen (wie z.B. die Verwaltung, Gerätschaften) gebündelt werden können und die Zusammenarbeit unter den Betrieben einfacher und effizienter läuft. "Vieh und Fahrhabe wird dabei zum Gesamteigentum, Grundstücke und Ökonomiegebäude bleiben im Eigentum der einzelnen Gesellschafter/innen, werden aber der Gemeinschaft zur Nutzung überlassen." heisst es auf agripedia.ch.

  • extensiv vs. intensiv

    Landwirtschaft kann extensiv oder intensiv betrieben werden. Intensiver Anbau bedeutet, dass man mit allen möglichen Mitteln das Maximum aus dem Boden herausholt, ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit. Also tendenziell: Hochleistungssorten in Monokultur, schweres Bearbeitungsgerät, Einsatz von synthetischem Pflanzenschutz. Extensiv hingegen bedeutet, den Anbau so zu planen, dass die Anbaugrundlagen wie z.B. der Boden längerfristig anbaufähig bleiben und nicht ausgelaugt oder zu sehr belastet werden. Hierüber haben wir einen separaten Artikel geschrieben.

  • "galt" / Galtkuh

    Eine Galtkuh ist eine Kuh, die gerade keine Milch gibt, z.B. weil sie sich zwischen zwei Laktationsperioden befindet. Aber auch junge weibliche Rinder (Gusti), bevor sie das erste Mal gebären. Das Wort "galt" bedeutete im althochdeutsch "verhext". Damals galt unfruchtbares Vieh als "verhext". "Galt stellen" bedeutet soviel wie einer Milchkuh eine Pause zu gönnen.

  • Geohobel®

    Der «Geohobel®» ist ein geschützter Begriff von der Firma «Rath-Maschinen» zur minimalen Bodenbearbeitung. Damit können in einem Durchgang mehrere Bearbeitungsschritte gleichzeitig erfolgen: Gründüngung wird gemäht und mit der obersten Bodenschicht vermengt und dahinter kann direkt die nächste Kultur in diese nährstoffreiche neue Schicht eingesät werden. Das bedingt allerdings, dass nicht zu viel Gründüngung vorhanden ist. Denn bei reichlich organischer Substanz muss das "Grünzeug" erst verrotten, bevor wieder eingesät werden kann.

  • Gusti / Muni

    Das Gusti ist das weibliche, der Muni das männliche Jungtier beim Vieh im Alter zwischen ca. 6 und 18 Monaten. Es wird nicht mehr gesäugt, ist altersmässig kein Kalb mehr, aber auch noch keine ausgewachsene und geschlechtsreife Kuh oder Stier.

  • GVO

    GVO steht für Gentechnisch Veränderte Organismen. Wieder eine heiss diskutierte Grundsatzfrage: Soll es überhaupt gentechnisch veränderte Lebensmittel geben? Darf der Mensch das? Der Anbau ist in der Schweiz verboten (Gentech-Moratorium), es dürfen aber GVO in Futter- oder Lebensmitteln verwendet werden, wenn sie gekennzeichnet und speziell bewilligt sind. Zurzeit sind in der Schweiz sind eine Sojalinie, drei Maislinien, zwei Vitamine, zwei Labfermente, zwei Zuckerarten als Zutat und mehrere Lebensmittelenzyme als Verarbeitungshilfsstoffe zur Verwendung in Lebensmitteln bewilligt. Beim Umgang mit GVO müssen Massnahmen ergriffen werden, um unbeabsichtigte Vermischungen mit herkömmlichen Erzeugnissen zu vermeiden.
    Mehr Infos.

  • Heinze

    Eine Heinze ist ein hölzernes Gestell zum Aufhängen und Trocknenlassen von geschnittenem Gras. Im Hochdeutschen wird auch der Begriff "Dieme" verwendet.

  • Hektare / Are

    Eine Hektare ist ein landwirtschaftliches Flächenmass und entspricht 100 Aren (weil Griech. «hekto» = Hundert). 1 Are beträgt 10 x 10 Meter oder 100 m2. Eine Hektare sind also 100 x 100 Meter oder 10'000 m2.

    Mehr dazu

  • Krähhahn

    Kein Güggel! 😉 Der Krähhahn war ein Fest, das zum Abschluss der alljährlichen Ernte oder Wümmet. Im "Küsnachter Jahrheft" von 1981 wird er folgendermassen beschrieben (Auszug): "Hier wurden zum Beschluss der Weinlese in den Kellerräumen aus Mauerwerk in hellem Backstein, die zu ebener Erde lagen, die Knechte und Mägde und die für die Traubenernte aus der Gemeinde beigezogenen Winzer und Winzerinnen bei Petrollampen und Kerzen die Nacht hindurch mit Schinken,
    Würsten, Kartoffeln, Kabissalat und Wähen zu Wein und Most bewirtet. Zwischenhinein wurde gesungen und zur Ziehharmonika getanzt, wurden althergebrachte Gesellschaftsspiele gemacht und aus dem Stegreif frei ersonnene kleine komische Szenen aufgeführt...".

  • Lohnarbeit

    Lohnarbeit ist prinzipiell eine zeitlich abgeschlossene Arbeit, die ein Unternehmer für einen anderen Unternehmer erledigt und im Rahmen eines Werkvertrags für diese Arbeit entlöhnt wird. In der Landwirtschaft sind Lohnarbeiten üblich, da nicht alle Landwirtschaftsbetriebe über die gleichen Gerätschaften verfügen. So werden Lohnarbeiten wie z.B. Dreschen, Bodenbearbeitung oder Transportarbeiten oft von einem Landwirtschaftsbetrieb für einen anderen erledigt. Oder aber der Landwirt erledigt im Winter Schneeräumungsarbeiten für eine Gemeinde, da er mit den entsprechenden Maschinen (Traktor mit Schneepflug) ausgestattet ist.

  • Monokultur

    «Mono» bedeutet auf Griechisch «einzig», oder «allein». Wörtlich übersetzt bedeutet Monokultur, eine Kultivierung von Gleichem. In der Landwirtschaft scheint es unterschiedlich eng gefasste Definitionen von Monokultur zu geben. Streng genommen wird fast jede landwirtschaftliche Kultur, wie man sie heute kennt, in Monokultur angebaut. Doch hier scheiden sich die Geister. Kein Landwirt spricht gerne von einer Monokultur, denn der Begriff ist negativ behaftet. Genaueres hier: Was ist eine Monokultur

  • Mulchen

    Mulchen heisst, dass Gras oder andere Überreste des Anbaus auf dem Feld abgemäht und zerkleinert und danach auf dem Feld belassen wird. Mulchen hat zum Ziel, die Pflanzenreste schneller abbaubar zu machen und damit den Boden wieder aufzuwerten. Das kann durch einen so genannten Schlegel- oder Sichelmulcher geschehen.

  • Ökoelement

    Ökoelemente sind Bausteine, die Nützlingen und anderen Lebewesen bewusst Inseln in landwirtschaftlich bearbeiteten Flächen verschaffen sollen. Das können z.B. Hochstammbäume, ein Stein- oder Asthaufen, aber auch Blüh- oder Grasstreifen, eine Extensivwiese oder eine Brache sein.
    Hier gibt es eine gute Übersicht: lid.ch.

  • Paloxe

    Eine Paloxe oder eine Grosskiste ist das gleiche. Sie dient dem Transport oder der Lagerung von Waren, wie z.B. Kürbissen oder Äpfeln. Ihre Grundfläche entspricht der Grösse einer Palette (120 x 100 cm) und ist mittels eines Gabelstaplers transportierbar. Sie kann aus Holz oder aus Plastik sein und ist in der Regel stapelbar. Der Begriff Paloxe ist ein Markenname für eine Grosskiste der «Utz Gruppe».

  • Permakultur

    Permakultur ist ein zusammengezogener Begriff von Englisch permanent agriculture. Das erklärte Ziel der Permakultur: Eine Landwirtschaft zu betreiben, die dauerhaft Bestand hat, ohne längerfristig die Böden auszulaugen, beziehungsweisedie Schaffung «langfristig ertragreicher landwirtschaftlicher Systeme als nachhaltiger Gegenentwurf zum vorherrschenden industriellen Agrarsystem». Das Konzept wurde in den 1970 er Jahren von Australier Bill Mollison und David Holmgren ins Leben gerufen und verfolgt das Prinzip, natürliche Ökosysteme und Kreisläufe der Natur genau zu beobachten und sie in der Produktion von Lebensmitteln nachzuahmen. Dabei geht es darum, dies nicht nur im ökologischen, sondern eben auch im sozialen und ökonomischen Sinne zu tun.
    Mehr dazu.

  • Pfropfen

    Das "Pfropfen" ist eine Technik im Obstbau, um den Ertrag positiv zu beeinflussen, sei es quantitativ oder qualitativ. Dabei wird z.B. auf einer Apfelbaumsorte eine andere Apfelsorte oder gar Birnensorte "aufgepfropft". Ein Ast wird durch den Ast einer anderen Sorte ersetzt. So kann zum Beispiel erreicht werden, dass auf einer krankheitsresistenten Grundsorte eine anfällige Edelsorte wächst, die aber durch die Robustheit des Unterbaus geschützt ist. Man erhält dann sozusagen "den Foifer und s Weggli".

    Auch im Weinbau ist Pfropfen üblich. Die meisten europäischen Reben sind auf amerikanische Wurzelstöcke aufgepfropft, die restistent gegen die Reblaus sind.

  • Rapid

    «Nimm doch grad kurz den Rapid» - hört man des Öfteren auf dem Bauernhof. Es ist einer von vielen Markennamen, die eigentlich ein Gerät bezeichnen. Die Firma RAPID stellt verschiedene handgeführte Kleintraktoren her, die wahlweise zum Transport, zur Schneeräumung, zum Mähen, Mulchen oder viele weitere landwirtschaftliche Arbeiten verwendet werden können. Sinnbildlich steht der Rapid einfach für ein «kleines, praktisches Traktörli».

    https://www.rapid.ch/de

  • Silo / Silage

    Ein Silo ist erst einmal ein grosses Speicherbehältnis. Es kann zur Aufbewahrung von allerlei Schüttgütern wie z.B. Zement, Kalksteinmehl oder Kunststoffgranulat verwendet werden. In der Landwirtschaft bewahrt man in einem Silo vor allem Futtermittel oder Getreide auf.

    Die Silage hingegen ist der Landwirtschaft vorbehalten. Sie bezeichnet das im Silo durch Milchsäure vergorene Futter für die Tiere (meist Rinder).

    Die klassischen Hochsilos sind hohe Türme, die von oben befüllt werden, mit einem Entleerungsklappe unten. Neuerdings setzen sich immer mehr so genannte Flach- oder Fahrsilos durch, da sie einfacher zu bewirtschaften sind und weniger gefährlich.

    Es kam und kommt nämlich in Hochsilos immer wieder zu bösen Unfällen, bei denen Leute durch Gase im Silo erstickt oder in der Silage untergegangen sind.

  • Schleppschlauch

    Der Schleppschlauch ist eine Vorrichtung zur emissonsarmen Ausbringung von Gülle direkt auf den Boden. Ab 2024 ist diese Art der Ausbringung in der Schweiz vorgeschrieben, da sie mit weniger Emissionen verbunden ist, als die herkömmliche Ausbringung von Gülle mittels eines Pralltellers, bei der die Gülle durch die Luft geschleudert wird, bis sie auf dem Boden landet. Die Schleppschlauchpflicht wird von vielen Bauern als problematisch angesehen. Dies hat unterschiedliche Gründe. Einerseits wegen der hohen Anschaffungskosten der Schleppschlaucheinrichtung und andererseits, weil sich die Ausbringung mittels Schleppschlauch in manchen Gegenden kaum bewerkstelligen lässt. Ebenfalls ein Thema ist die Futterverschmutzungen bei Viehhaltern. Das Thema schreit nach einem eigenen Artikel ;-).

    Hier ist er!

  • Schotte

    In landwirtschaftlichem Zusammenhang eben kein schottischer Landsmann. Sondern vielmehr das, was auch unter «Molke» besser bekannt ist. Die Schotte, Molke oder Sirte (ist alles das Gleiche) ist diese gelblich-grünliche Flüssigkeit, die nach der Käse- oder Quarkherstellung übrigbleibt. Ricotta, Ziger oder der norwegische Braunkäse werden mit Hilfe von Molke hergestellt. Sie wird aber auch in Form von Molkenpulver für die Schweinefütterung verwendet .

  • Stöckli

    Das «Stöckli» ist das so genannte «Auszugshaus». Es ist der Teil auf dem Bauernhof, in den die Eltern- bzw. Grosselterngeneration hinzieht, wenn sie die Bewirtschaftung des Hofs ihren Kindern übergeben. Manchmal wohnten da aber auch Knechte oder Mägde und das Gebäude war mit einem Vorratsspeicher, einem kleinen Stall oder einem Ofen versehen.

Gibt es ein Bauernbegriff, das du gerne mal erklärt hättest? Dann schreib es in die Kommentare oder mach ein Mail an marketing@juckerfarm.ch mit dem Betreff «Bauernlexikon».

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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