Bächlihof Hühner
Farmticker Icon Feldbericht Feldbericht von Nadine

Hühner für den Pflanzenschutz

«Pestizid» wird als Überbegriff für alle Pflanzenschutzmassnahmen verstanden. Genau genommen wird ein Pestizid gezielt gegen tierische Schädlinge eingesetzt - zumindest ist das die "alte" Definition. Heutzutage wird der Begriff eben als Überbegriff verwendet. Neben dem Pestizid gibt es diverse andere «zide»: Fungizide, die gegen Pilzbefall wirken, gegen Unkraut wird mit Herbiziden gekämpft und Insektizide wirken gegen Insekten. Es gibt Akarizide, die gegen Spinnen oder Milben wirken, Bakterizide, gegen Bakterien, Molluskizide gegen Schnecken etc. Diese Mittel kommen sowohl im biologischen wie auch konventionellen Anbau vor. Je nach dem bestehen sie aus natürlichen oder chemischen Bestandteilen.

Die Produktion von Jucker Farm ist nicht Bio-zertifiziert. Das ist ein ganz bewusster Entscheid. «Wir sind überzeugt, dass Bio nicht die nachhaltigste Lösung für die Landwirtschaft ist,» sagt Martin Jucker. «Nur weil etwas Bio ist, ist es nicht unbedingt besser.» Der Gala-Apfel ist hier ein gutes Beispiel, wie wir im Artikel Hört auf Gala zu essen erläutern. Aber kein Label bedeutet nicht, dass unsere Landwirte nicht täglich daran arbeiten, nachhaltiger produzieren zu können.

Bächlihof herbizid- und insektizidfrei

Dieses Jahr hat Stefan Bächli, Obstbauchef und Inhaber vom Bächlihof in Jona, zum Beispiel bei seinen Obstbäumen keinerlei Herbizide (gegen Unkraut) und Insektizide (gegen schädliche Insekten) ausgebracht. Das Unkraut hat er anstatt mit Spritzen, mit einer sogenannten Fadenmaschine entfernt. Mit dieser fährt er durch die Obstbaumreihen und reisst alles Unkraut ab. «Betreffend Insekten hatten wir ein gutes Jahr,» sagt Bächli. «Letztes Jahr hatten wir viel mehr Probleme.»

Hühner unter den Obstbäumen

In Zukunft wird Bächli bei seinem Vorhaben zudem von einer Herde Hühnern unterstützt. Während dem Corona-Lockdown hat er einen alten Erntewagen in einen Hühnerwagen umgebaut und sich 10 Hühner zugelegt. Diesen Wagen stellt er einmal pro Woche an einen anderen Standort. Aktuell leben sie zwischen den Birnenbäumen. Dort halten sie durch Kratzen und Scharren ganz nebenbei das Unkraut in Schach. «Man sieht bereits nach ein paar Tagen, dass unter den Bäumen kein Unkraut mehr wächst,» sagt Bächli zufrieden. «Bei den Stämmen hat es am meisten Futter. Die Hühner scharren mit ihren Klauen nach Insekten und Würmern und halten so die Bäume sehr sauber.»

Die Hühner haben einen weiteren Zweck. Sie fressen auch für Obstbäume schädliche Insekten, wie z.B. Wanzen. Besonders interessant wäre für Bächli, wenn sie die marmorierte Baumwanze, umgangssprachlich besser bekannt als Stinkkäfer, vertilgen würden. Diese wurden aus Asien eingeschleppt und sind eine Plage für Obstkulturen. Die Wanzen saugen an den Früchten, die dadurch deformiert werden und übertragen Pilzkrankheiten. «Allerdings wissen wir noch nicht, wie die Hühner auf die Stinkkäfer reagieren,» meint Bächli. Wie der Name schon sagt, riechen diese Wanzen ziemlich übel. Wie sie im Gaumen sind, können wir schlecht beurteilen 😉 Aber die Hoffnung ist, dass die Hühner Bächlis täglichen Kampf gegen Schadinsekten in den Obstbäumen unterstützen.

Hühner als natürliche Pflanzenschutzmassnahme – eine tolle Sache. Aber wir stehen noch ganz am Anfang. Denn natürlich können 10 Hühner nicht alle Juckerschen Felder pflegen! Dazu bräuchte es einerseits mehr Hühner, andererseits könnten auch andere Tiere wie z.B. Schafe mithelfen. Aber die ersten Monate mit Hühner zeigen, dass es grundsätzlich funktioniert. «Und neben all den positiven Folgen für die Produktion machen die Tiere auch einfach Freude,» sagt Bächli.

Bächlihof Hühner

Die Hühner halten die Obstbäume sauber von Unkraut indem sie mit ihrem Krallen scharren.

Bächlihof Hühner

Ganz schön frech sind sie 😉

Bächlihof Hühner

Stefan Bächli verschiebt den Hühnerwagen jede Woche an einen anderen Standort.

Bald Bächlihof-Eier?

«Die Hühner legen fast täglich ein Ei,» erklärt Bächli. Diese landen bis auf Weiteres auf dem Zmorgetisch der Familie Bächli. Falls die Hühner sich weiterhin bewähren, wird die Herde vergrössert. Dann könnte es durchaus sein, dass es Jucker-Eier geben wird. Damit allerdings der gesamte Bedarf von Küche, Manufaktur und Hofladen mit eigenen Eiern gedeckt werden könnte, bräuchte es einige Hühner!

Die Herde besteht aktuell nur aus Hennen – ein Güggel gehört aber durchaus zum Plan Bächlis. Güggel haben den Nachteil, dass sie laut sind und viel fressen. Dafür halten sie die Hennen im Schach und befruchten Eier – dann könnten wir die Herde gleich selber vergrössern.

Nadine kam von der Bank zum Bauernhof. Sie ist seit 2016 Marketing- und Kommunikationschefin bei Jucker Farm. Ihre Spezialität ist die digitale Kommunikation. Neben Ihrem Job reist sie leidenschaftlich gerne (Zum Portrait).

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