Zu Jucker Farm
von Valérie

Der Weg des Spargels

Wenn der Spargel mal im Laden liegt, stellt man sich vor lauter Vorfreude kaum mehr gross Fragen. Ab ins Körbchen damit und im Geist steht man schon zuhause in der Küche und bereitet die Königin aller Gemüse zu.

Doch bis der Spargel im Laden liegt, legt er eine ziemliche Reise zurück:

Vom Setzling zur Spargelpflanze

Wie im Gemüsebau üblich, beziehen wir die Spargelpflanzen als Setzlinge von einem spezialisierten Lieferanten. Jene von den Spargelsetzlingen sind Lieferanten aus Deutschland oder Holland (man kriegt gar keine aus der Schweiz). Einmal gesetzt, bleibt eine Spargelpflanze während rund 10 Jahren im Boden. Allerdings werden die Spargeln in den ersten zwei Jahren noch nicht geerntet. Erst vom 3. bis zum 10. Jahr werfen die Spargeln Ertrag ab. Nach 10 Jahren werden neue Pflanzen gesetzt – an einem anderen Ort, damit sich der Boden erholen kann. Spargeln sind nämlich eine sehr intensive Kultur (wie wir den Boden schützen lest ihr hier: Regenerativer Spargel).

Mittels eines speziellen Geräts werden die Spargelsetzlinge im Frühsommer in die Erde gesetzt und zwar «fadegrad» - das ist wichtig. Denn die Spargeldämme werden in den kommenden 10 Jahren mit dem Traktor gezogen. Da muss man sich darauf verlassen können, dass man sich entlang gerader Linien orientieren kann. Heute hat man hier zum Glück GPS-gesteuerte Traktoren, die das sehr exakt erledigen können.

Dann lässt man die Spargelpflanzen erst mal wachsen, bis sie gross genug sind, um abgeerntet zu werden.

Wann geht’s los?

In ihrem 3. Jahr werden die Spargeln zum ersten Mal geerntet – vorerst werfen sie rund 30-50% dessen ab, was sie ausgewachsen liefern werden. WANN die Spargeln anfangen, auszutreiben, hängt massgeblich davon ab, wann es erstmals während mehrerer Tage warm und sonnig genug ist.

Wenn die Temperatur an der Wurzelknolle in ca. 40 cm Tiefe 12 Grad oder mehr erreicht, geht es bei den frühen Kulturen los. Genaueres dazu haben wir hier berichtet.

Dann wird gestochen

Dann, irgendwann zwischen Ende März und Mitte April ist es so weit: Die ersten Spargeln können geerntet werden. Die weissen etwas früher als die grünen Spargeln, denn die weissen Spargeln werden aus der Erde geholt, bevor sie das Sonnenlicht sehen. Die Grünen hingegen wachsen über der Erdoberfläche.

Frisch gestochen werden sie auf die Dämme gelegt und in Kisten eingesammelt. Dann sind sie an der Schnittstelle noch ausgefranst und voller Erde. Deshalb kommen sie auf dem Spargelhof in die grosse Rüsthalle, wo sie vorgereinigt werden.

Der Spargel wird gestochen - hier Bleichspargel, direkt aus der Erde...

...Grüppchenweise auf den Damm gelegt...

...und vom Nächsten eingesammelt...

In der Verarbeitungshalle kommen sie erst mal in den Schockfroster, um ihre Kerntemperatur zu senken...

Nach ihrem Gang über die Wasch- und Sortieranlage kommen die Spargeln in den Blaulicht-Kühler.

Schlussendlich landen sie dann in unseren Hofläden...

Schick gemacht und gefilmt

Dann wird unsere Wasch- und Sortiermaschine angeworfen. Das ist sozusagen ein Beautysalon am Fliessband für unsere Spargelstangen. Nach einem Bad im Tauchbecken, werden sie aufs Band gelegt. Es wird darauf geachtet, dass sie schön nebeneinander liegen - eine Spargel pro Transportfach. So laufen sie nochmals über eine Waschanlage und werden unten gerade angeschnitten.

Die sauberen angeschnittenen Stangen flitzen dann unter einer Kamera hindurch. Von jeder einzelnen sich drehenden Spargel macht die Kamera 20 Videoaufnahmen. Anhand dieser Aufnahmen und der von uns voreingestellten Parameter, ordnet die Maschine die Spargeln dann den jeweiligen Klassen zu. Die Klasse bestimmt, in welche Abwurfschale die Maschine die Stangen wirft. Die Abwurfschalen haben eine integriert Waage, sodass ein Lämpchen aufleuchtet, wenn 500g Spargeln erreicht sind. Die Spargeln werden dann von Hand herausgenommen und direkt auf die Bündelmaschine gelegt.

Gut gekühlt ist halb gewonnen

So sind die Spargeln bereit zum Verkauf. Es ist im Rafzer Hofladen - bevor wir diese Sortieranlage hatten - auch schon vorgekommen, dass die Kisten mit ungebündelten Spargeln direkt in den Hofladen gelangt sind. Besonders zu Beginn der Saison, wenn die Nachfrage meist grösser ist als das Angebot. Für Gastrobetriebe bieten wir auch geschälten Spargel an. Dann werden hier auch die Bestellungen für unsere Kunden (diverse Gastrobetriebe, Grossverteiler, kleinere Läden) bereitgestellt und zur Lieferung abgeholt.

Alles was nicht sofort an die Front gelangt, kommt in einen Spezialkühler mit einem UV-freien Blaulicht. Das ist wichtig, weil die Bleichspargeln auf keinen Fall mit UV-Licht in Kontakt kommen dürfen, da sie sonst grün würden. Bei Bleichspargeln wäre das eine massive Qualitätseinbusse. Und das beste an unserem Kühlsystem ist: Es wird mit hofeigenem Solarstrom betrieben.

Frisch an die Front

Im Spargelhof Rafz hat man tatsächlich die besten Chancen, den Spargel ganz erntefrisch, quasi direkt vom Feld zu kaufen. Mit den richtigen Methoden können wir den Spargel im Kühler bei perfekten Bedingungen jedoch ohne Probleme 3-4 Tage erntefrisch halten. Das ist sehr wichtig für uns, da sowohl das Angebot (wetterbedingt) wie auch die Nachfrage (Spitzen am Wochenende) stark schwanken. Mit perfekter Lagerung können wir solche Schwankungen gut auffangen und sicherstellen, dass wir immer genügend Spargel haben.

Eine Faustregel ist, dass grüner Spargel mit der richtigen Lagerung bis zu 5 Tage, Bleichspargel bis zu 2 Wochen frisch gehalten werden kann. So bestehen auch die Spargeln, die in unseren anderen Hofläden, bei Coop oder in unserer HofChuchi landen, den Frischetest.

Valérie war Vollblutautorin des FarmTickers (bis Juni 2024) und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

Beiträge von Valérie
Noch keine Kommentare zu “Der Weg des Spargels”

Weitere Berichte

Neuer Tunnel für Erdbeeren
von Leslie

Erdbeeren mit Dach über dem Kopf

«Der Jucker, der hat Freilanderdbeeren.» Dieser Satz stimmt immer noch. Zumindest wenn’s um die späteren…

Weiterlesen
Bleichspargel
von Leslie

Mit Sensoren am Puls der Spargeln

Der erste Spargelstich sorgt im Jucker Farm Team immer für Aufregung. Schliesslich warten die Hofläden…

Weiterlesen
von Leslie

Äpfel anbauen ohne Herbizid

Der Apfel gehört zu den meistkonsumierten Obstsorten in der Schweiz. Pro Kopf schnabulierte die Bevölkerung…

Weiterlesen
von Nadine

Wie die Schweiz den Selbstversorgungsgrad erhöhen könnte

«Der Selbstversorgungsgrad wird definiert als Verhältnis der Inlandproduktion zum inländischen Gesamtverbrauch», schreibt…

Weiterlesen
Kürbis waschen
von Leslie

Kürbis im Akkord – die Saison 2025

Die Kürbisernte ist vorbei. Noch bis in die ersten Novembertage haben unsere Erntehelfenden das Herbstgemüse…

Weiterlesen
von Leslie

Der Boden lebt

Im Boden sind unzählig viele Lebewesen zu Hause. Die meisten sind so klein, dass wir…

Weiterlesen
×