Hofleben von Nadine

Die letzte Reise der Weidegänse

Weihnachten rückt näher. Und so auch das Lebensende unserer Weidegänse. Die gackernde Schar hat den ganzen Sommer auf den Weiden in Rafz beim Spargelhof verbracht. Die Rafzer Weidegänse werden nicht hochgemästet, sondern ernähren sich vom Gras auf den Wiesen. Dadurch - und weil sie sich mehr bewegen - brauchen sie mehr Zeit, um zu wachsen. Doppelt so viel wie herkömmliche Gänse. Ein schönes Gänseleben haben sie… Doch sie landen ja nicht auf magische Art und Weise als Weihnachtsgans auf dem Teller. Dazwischen findet etwas statt, worüber man eigentlich nicht so gerne spricht: Die unumgängliche Schlachtung. Und genau den Prozess schauen wir uns jetzt genauer an.

Auf dem Weg zum Metzger

Ich habe die Gänse vom Spargelhof Rafz bis zum Metzger begleitet. Ausserdem habe ich Metzger Erwin Schenk getroffen und ihn gefragt, was ihm beim Umgang mit den Tieren wichtig ist. Auch berichte ich, wie ich den Besuch in der Metzgerei erlebt habe. Doch wieso zeigen wir überhaupt solche Bilder?

Es ist uns wichtig, den ganzen Weg unserer «Produkte» zu zeigen, sei es ein Kürbis oder eine Weidegans. Das Töten des Tieres gehört zum Fleischessen dazu. Wir finden, es wäre nicht ehrlich, diesen Teil der Reise zu verheimlichen. Deshalb wollen wir auch zeigen, wie die Gänse geschlachtet werden.

Achtung: Das Video enthält explizite Bilder von der Schlachtung. Wer dies nicht sehen möchte, soll bitte das Video NICHT anschauen.

Wer das Video nicht anschauen möchte, hier ein Schritt für Schritt Beschrieb der Schlachtung:

  1. Frühmorgens geht’s los auf dem Spargelhof in Rafz. Die Gänse werden abgeholt und in einem Transporter zum Metzger gefahren. Wichtig ist hier, dass die Gänse nicht aufeinandersitzen, sonst erdrücken sie sich gegenseitig. Deshalb hat Walter Pfister den Transporter in mehrere Abteile unterteilt.
  2. Angekommen in der Metzgerei Schenk werden die Tiere «eingestallt». In diesen relativ grossen Ställen warten sie, bis sie an der Reihe sind. Die Tiere sind erstaunlich ruhig. Solange sie in der Herde sind, geht es ihnen gut.
  3. Einzeln werden rund 10 Tiere kopfüber aufgehängt. Metzer Erwin Schenk hat eine Brust-Stange montieren lassen, damit die Tiere nicht frei hängen. Das beruhigt sie. Auch dort hängend sind sie ganz ruhig, es ist keine Nervosität zu spüren. Dann werden die Gänse mit Strom betäubt und anschliessend wird ihnen mit einem scharfen Messer die Pulsader aufgeschnitten.
  4. Nach dem Ausbluten werden sie gerupft. Die Federn werden gesammelt und zu Daunen verarbeitet.
  5. Die gerupften Gänse werden in Wachs getunkt – so lösen sich die letzten Federn und der Flaum.
  6. Nun werden die Innereien und der Kopf entfernt. Innereien wie z.B. der Magen werden separat verpackt und mit verkauft.
  7. Zum Schluss werden die Gänse nochmals abgespült und kommen in den Kühler.
Stall Rafz

1. Start im Stall Rafz. Die Gänse werden in einem Anhänger zum Metzger transportiert.

2. Beim Metzger warten sie im Stall, bis sie an der Reihe sind.

3. Kopfüber aufgehängt werden sie mit Strom betäubt, anschliessend wird ihnen die Halsschlagader durchgeschnitten und sie bluten aus.

4. Nach dem Ausbluten werden die Gänse gerupft.

5. In Wachs getunkt, wird der letzte Flaum entfernt.

6. Die Innereien und der Kopf werden entfernt.

...der Magen wird z.B. aufbewart, der kann weiterverwendet werden.

7. Zum Schluss werden die Gänse abgespült und kommen in den Kühler.

Jetzt warten die gekühlten Gänse darauf, zu einem feinen Weihnachtsbraten verarbeitet zu werden. Hier können Sie Ihre Weihnachtsgans bestellen:

Die Frage nach dem Fleisch

Wenn man sich mit dem Thema Fleisch beschäftigt, stellt sich automatisch die Frage: Ist Fleischkonsum in der heutigen Zeit noch vertretbar? Laut dem WWF Schweiz verursacht 1kg Schweinefleisch so viel CO2 wie 80kg Herdöpfel. Der ökologische Fussabdruck könnte durch eine Umstellung auf eine vegetarische Ernährung um 24% gesenkt werden. Würde man sich vegan ernähren, wären es sogar 40% (Quelle: wwf.ch). Doch auch die vegane Ernährung ist nicht über alle Zweifel erhaben… Es gibt Stimmen die sagen, dass vegane Ernährung zu Mangelerscheinungen führt, das kann aber auch «Normalessern» passieren, wenn sie nicht auf eine ausgewogene Ernährung achten.

Bekanntlich gibt es zu jeder Studie eine Gegenstudie. So zeigt eine Arbeit der Universität Leiden (DE), dass z.B. in der Schweiz ein Verzicht auf Fleisch nicht unbedingt die CO2-Emissionen verringern würde. Denn die Anzahl Kalorien, die wir mit einem Steak aufnehmen, müssten ersetzt werden durch vegetarische Alternativen. Durch den vermehrten Anbau von Obst und Gemüsen würde am Ende sogar mehr Treibhausgas ausgestossen werden. Wichtig wäre daher, weniger Fleisch und allgemein weniger Kalorien zu sich zu nehmen(Quelle: NZZ). Auch spannend; laut wissenschaftlichen Studien konnte sich das menschliche Hirn nur durch Fleischkonsum zu dem entwickeln, was es heute ist (Quelle: geo.de).

Und die Moral von der Geschicht’

Was denn nun? Darf man die Weidegans ohne schlechtes Gewissen essen oder nicht? Bei den ganzen Ernährungsstudien haben wohl die meisten – wie auch ich - den Überblick verloren.

Wie sieht er denn aus, der Speiseplan von Herr und Frau Schweizer aus?

Laut «Schweizer Fleisch» assen Herr und Frau Schweizer 2017 durchschnittlich 50kg Fleisch. Gegenüber 2016 ist der Fleischkonsum um 1.1% zurückgegangen. Nicht berücksichtigt in der Studie wurde jedoch der Konsum von Fleischwaren, welche im grenznahen Ausland eingekauft wurden. Gemäss einer Umfrage im Januar 2018 essen 4/5 aller Befragten mindestens 2-4 Mal pro Woche frisches Fleisch. Schweizer Fleisch geniesst laut einer Umfrage des Marktforschunginstituts Dichter Research AG im Auftrag von Proviande einen guten Ruf. 65% der befragten Personen sind auch bereit, für Schweizer Fleisch mehr zu bezahlen (Quelle: schweizerfleisch.ch).

Wie so oft ist wohl die goldene Mitte der richtige Weg. So sagt auch Christoph Meili, Ökobilanzexperte von WWF Schweiz auf deren Website: «Wer seinen Speiseplan mit vegetarischen Gerichten anreichert und Fleisch- und Milchprodukte als etwas Besonderes geniesst, tut der Umwelt viel Gutes.»

In diesem Sinne: En Guete!

Nadine kam von der Bank zum Bauernhof. Sie ist seit 2016 Marketing- und Kommunikationschefin bei Jucker Farm. Ihre Spezialität ist die digitale Kommunikation. Neben Ihrem Job backt sie leidenschaftlich gerne.

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