Zu Jucker Farm
Michel Zwahlen
von Valérie

Michel – gastronomischer Tausendsassa

Überarbeitete Version von Februar 2026

Ich geb’s zu, ich habe Michel für ein Mitarbeiterportrait angefragt, weil ich ahnte, dass er viel zu erzählen haben könnte. Entgegen den Erwartungen ist es aber nicht das längste Mitarbeiter-Interview geworden. Aber definitiv auch nicht das Kürzeste.

Michel war zuerst Stv.-Küchenchef auf dem Juckerhof, zusammen mit Max. Dann hat's ihn auf den Bächlihof gezogen, wo er jetzt selbst Küchenchef ist. Aufgewachsen ist Michel in Hinwil, ist dann ins Glarnerland weggezogen, dann nach Zürich und ist jetzt seit wieder zurück in seinem Elternhaus in Hinwil.

Eine Reise quer durch die Gastronomie

Seine Lehre als Koch hat er in der Sagibeiz in Murg absolviert, was ihm konzeptionell sehr gefallen hatte. Als nächstes fand er, er könne direkt als Chef de Partie in einem Michelin-Betrieb einsteigen, was dann aber für den frischgebackenen Lehrabgänger eine Nummer zu gross war. Zurück in der Sagibeiz arbeitete er ein Jahr als Event- und Partychef, bevor er sich auf eine Art «Tour de Restaurant» in Zürich aufmachte, wo er insgesamt 7 verschiedene Betriebe kennenlernte, darunter Namen wie das «Terrasse», das «Swissôtel» und der «weisse Wind». Auch im Service hat er gearbeitet und dann war da noch ein halbes Jahr in einem Agriturismo-Betrieb in Italien.

Parallel dazu absolvierte er die Hotelfachschule in Luzern. Darüber sagt er: «Ich wusste schon mit 16 Jahren, dass ich mich dereinst selbständig machen möchte. Dafür braucht es aber eine gute Vorbereitung. Ein eigenes Restaurant aufzumachen ist nicht so einfach, wie man immer denkt. Ich habe eine abgeschlossene Berufslehre, Hotelfachschule und mittlerweile X Jahre Berufserfahrung und trau mich trotzdem noch nicht, mich selbständig zu machen.»

Gearbeitet hat er immer sehr viel. Und er wundert sich heute darüber, dass seine Frau das all die Jahre mitgemacht hat. Mit ihr hat er mittlerweile 2 Kinder (geboren 2021 und 2023).

Trotzdem ist Michel immer auch viel gereist: 3 Monate Neuseeland, Philippinen, Japan, USA – you name it.

So. Jetzt aber zu den Fragen:

SEIT WANN ARBEITEST DU HIER?

Das müsste seit August 2023 sein…

WIE BIST DU BEI JUCKER FARM GELANDET?

Ich habe in der Rampe in Bubikon als Stv.-ChuchiChef gearbeitet. Der Plan war eigentlich, die Rampe nach einem Pächterabgang zu übernehmen. Leider hat das aber nicht geklappt. Eine Zeitlang habe ich dann bei Coople temporär gearbeitet. Jucker Farm habe ich da schon immer gesehen, wollte mir den Betrieb aber «aufsparen», um mich vielleicht mal fest zu bewerben. Bei einem Brunch auf dem Bächlihof habe ich dann mal die Website auf Jobs durchsucht und prompt war eine Stelle als Sous-Chef ausgeschrieben.

WAS IST DEIN JOB?

Seit Herbst 2025 bin ich Küchenchef auf dem Bächlihof. Ich suchte nach neuen Herausforderungen und statt diese ausserhalb des Jucker Universums zu finden, durfte ich intern mehr Verantwortung übernehmen. Jetzt ist mein Job breiter gefächert, ich habe für alles, was in der Küche passiert die Verantwortung. Ausserdem darf ich selber wieder mehr kochen, weil wir in Jona ein kleineres Team sind.

Davor war ich zusammen mit Max Stv. von Küchenchef Sämi. Anfangs dachte ich, es wäre ein Overkill. Ist ja «nur» ein Bauernhof. Ich bin dann aber schnell auf die Welt gekommen. Hier läuft so viel parallel, dass es locker mehrere Führungspersonen in der Küche verträgt. Vor allem in der Saison. Da bewältigen wir schon krasse Massen. Und dann gibt’s noch Banketts ganz unterschiedlicher Grösse und Anforderungen an verschiedenen Standorten. Im Winter ist es dann nicht mehr so nötig, aber da kann man ja dann auch Ferien machen. Das kommt mir eh entgegen 😉.

GIBT ES AUCH UNTERSCHIEDE IM ANGEBOT ZWISCHEN SEEGRÄBEN UND JONA?

Im Grundsatz verfolgen wir dieselbe Philosophie, wenn es um unser Angebot geht. Das heisst, wenn möglich hofeigen oder ansonsten sicher aus der Region/Schweiz. Jedoch muss ich auf dem Bächlihof kreativer sein, da wir deutlich mehr Stammgäste haben, die mehrmals pro Woche kommen und ein spannendes abwechslungsreiches Angebot erwarten.

WAS GEFÄLLT DIR HIER?

Das Team. Sind einfach alles geili Sieche! Wir haben’s wirklich mega gut.

Und die Arbeitsbedingungen sind super. Es ist weniger Stress als in einem À-la Carte-Betrieb. Ich hatte noch nie so geregelte Arbeitszeiten wie hier. Manchmal haben wir fast etwas einen Nine-to-Five-Job, wie im Büro. Und die oben erwähnte Abwechslung gefällt mir auch. Von Anlässen zwischen 50 und 1500 oder mehr Personen ist alles dabei. Und in der Kürbissaison Aussenstände zu organisieren, macht auch Spass.

WAS GEFÄLLT DIR NICHT SO?

Ich habe jetzt 2 Wochen überlegt und mir ist effektiv nichts eingefallen.

Was ist dein liebstes Jucker-Produkt?

Eigentlich ganz simpel: Unsere frischen Produkte vom Feld: Die Spargeln, Hornpeperoni und Wassermelonen – alles ist von hervorragender Qualität. Wir kriegen Spargeln, die noch keine 24 Stunden aus der Erde sind. Damit zu kochen, macht einfach Spass. Mein Vater ist Gärtner und ich bin mit gutem Gemüse aufgewachsen. Vielleicht weiss ich das deshalb besonders zu schätzen.

UND WAS MACHST DU IN DEINER FREIZEIT?

Ganz klar Zeit mit meinen Kindern und meiner Familie verbringen. Dann haben wir noch das Haus mit einem riesigen Garten. Und ich spiel noch in einer Band. Wir machen Skater-Punk (Brightness of the Sky)

Und kochen tu ich auch privat gerne und viel.

WAS FÜR ZUKUNFTSTRÄUME HAST DU?

Also die Selbständigkeit ist immer noch ein Fernziel. Momentan stelle ich das wegen der Familie nicht so in den Vordergrund. Aber irgendwann wär’s cool. Im Stil Sagibeiz. Ich liebe Industriecharme.

Vielen Dank für deine Zeit, Michel!

Valérie war Vollblutautorin des FarmTickers (bis Juni 2024) und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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