Zwei Damen an der Spargeltheke
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Liebe Konsumenten…

In der Öffentlichkeit wird aktuell viel darüber diskutiert, WIE Lebensmittel produziert werden sollen. Die Konsumenten sind offensichtlich unzufrieden mit den Bauern – und den Bauern platzt der Kragen.

Wir als Jucker Farm stehen zwischen Stuhl und Bank. Einerseits verstehen wir das Bedürfnis der Konsumenten nach umweltfreundlicher Produktion, andererseits sitzen wir als produzierende Bauern mit allen anderen Produzenten im selben Boot.

Starten wir den dringend nötigen Dialog mit einem offenen Brief eines imaginären Bauern an die konsumierende Bevölkerung und lassen den Dampf ab:

«Liebe Konsumenten.

Wir haben SO einen Hals. Ständig trampelt ihr auf uns herum. WIR Bauern verschmutzen die Gewässer, WIR Bauern quälen Tiere bei der Milch- und Fleischproduktion, WIR Bauern sprühen Gift, fahren CO2-schleudernde Traktoren, machen die Böden kaputt und sind massgeblich Schuld an der Klimaerwärmung und leben hinter dem Mond. Zu allem Überfluss lassen wir uns vom Staat dafür bezahlen und jammern trotzdem.

NIE können wir es euch recht machen. Dabei ist es doch ganz einfach. Einer muss das Zeug, das wir alle essen schliesslich produzieren! Wir produzieren ja nicht für uns, sondern für euch alle!

Ganz ehrlich: Macht es doch besser! Steht ihr doch jeden Morgen um 5 Uhr im Stall, kratzt ihr doch den Kuhmist vom Boden, geht ihr doch bei Wind und Wetter raus aufs Feld. Auch im Winter, wenn es uu huere chalt isch und schneidet mehrere hundert Bäume zurück, auch wenn euch fast die Chlüppli abfrieren! Wir schieben 55 Stunden-Wochen oder mehr und reissen uns den Arsch auf, damit ihr jeden Tag zu Futtern habt. Und glaubt ihr wirklich, dass uns die Böden, mit denen wir täglich arbeiten, egal sind? Dass wir mit der Giftspritze willkürlich unsere Kulturen einsprühen, in denen wir täglich arbeiten – einfach so, weil’s Spass macht? Wir sind weder dumm noch bösartig, sondern haben ein echtes Interesse daran, dem, womit wir arbeiten, Sorge zu tragen. Was denkt ihr eigentlich von uns?

Wo ist eure Wertschätzung für unsere Arbeit? Die sehen wir im Moment nirgends. Denn ihr seid nicht bereit für unsere Produkte zu bezahlen. Gemäss Umfragen wollt ihr zwar Bio, aber im Laden greift ihr dennoch immer nach dem Günstigsten! Wieso kauft ihr nicht so ein, wie ihr abstimmt?

Wir kriegen immer mehr Auflagen, welche die Produkte verteuern, aber bezahlen will das niemand! Im Gegenteil! Immer günstiger soll es sein!! Ja, das geht doch einfach irgendwann nicht mehr auf?! Was wollt ihr denn jetzt?

Und wenn unsere Produkte dann immer teurer werden, dann kauft ihr sie eben im Ausland. Wollt ihr uns eigentlich verarschen?

Ihr esst Burger von der Fastfood Kette, andererseits habt ihr Mitleid mit dem herzigen Kälbli das wir bösen Bauern schlachten. Wir schlachten das nicht, weil wir es wollen, sondern weil IHR das Fleisch essen wollt! Und zwar möglichst billig. Merkt ihr nicht, dass das nicht aufgeht?

Wie wär’s, wenn IHR mal Verantwortung übernehmt?

MfG, dein Bauer.»

Die Replik aus Konsumentensicht folgt auf den Fuss, genauso wie abschliessend ein Vermittlungsversuch 😉. Wir sind gespannt auf eure Reaktionen.

Teil 2: Liebe Bauern (14. Januar 2020)
Teil 3: Vermittlungsversuch (16. Januar 2020)

Haben wir was vergessen? Wie seht ihr das?

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und hat vor der Geburt ihres zweiten Kindes das Kommunikationsteam von Jucker Farm geleitet (Zum Portrait).

Beiträge von Valérie
4 Kommentare zu “Liebe Konsumenten…”
    Timo

    Ihr seid super. Finde es eine tolle Idee. Als Gastronom kennen wir die Riesen Schlucht zwischen den öffentlichen Wünschen und der inoffiziellen Wahrheit (Kaufentscheidung)
    Super Idee von euch! Weiter so!

    Antworten
    Nadine Gloor

    Danke für deinen netten Kommentar. Auch bei uns in der Gastronomie merken wir diese "Schlucht" - z.B. erhalten wir immer wieder Reklamationen, dass wir kein CocaCola verkaufen... Auf dem Bauernhof ;)

    Antworten
    Ruth +Dölf Cadonau

    Liebe Juckers
    Was ich nicht kapiere, warum müssen sich die Leute so sau blöd benehmen und den Bauern, welche meistens mehr als 55 Wochenstunden arbeiten alles missgönnen. Mein Grossvater war Appenzeller Bergbauer und ich habe in den Ferien immer bei ihm gearbeitet bin heute 85 jährig muss aber immer wiederholen, dass ich meine Einstellung zur Arbeit und mein ganzes Benehmen anderen gegenüber schon als Jugendlicher von ihm gelernt habe. Wir sind oft bei Euch aber in Rafz, es gibt doch nichts schöneres als direkt beim Produzent einzukaufen. Unsere heutige Bevölkerung, speziell die links grünen sind einfach furchtbare Egoisten und vor allem Besserwisser. Haben aber ausser vielleicht einem Schulabschluss, wenn überhaupt, nichts vorzuweisen als ein riesiges " Besserwissen". Die meisten voll im Greta Trend einfach lächerlich ist ein solches Benehmen. Genau gleich wie mich die blöden Sprüche anwidern bei der Sendung Landfrauenküche, mit dem blöden Kommentar, aber diese Frauen haben auch tolle Küchen. Sicher, aber nicht alle, dafür können sie können sie gut und schön kochen und haben sehr oft viele Leute am Tisch. Kurz und bündig, sind wir alle froh, dass wir überhaupt Bauern haben, lasst die in Ruhe arbeiten, und geniesst alles was sie für uns produzieren. Wer s besser kann soll doch mal für einige auf einem Hof helfen, dann sieht er was dahinter steckt.

    Mit freundlichen Grüssen

    Dölf Cadonau

    Antworten
    Valérie Sauter

    Lieber Herr Cadonau. Hm. Haben Sie die folgenden beiden Beiträge auch gelesen? Eigentlich war genau NICHT das Ziel dieses Artikel, Öl ins Feuer zu giessen und weiter Hass zu säen. Sondern eben zu vermitteln zwischen den beiden verhärteten Fronten. Wir sind der Meinung dass beide gehört werden sollen und es gibt nicht den einen, der es besser macht, als der andere. Wir möchten das gegenseitige Schlechtmachen (ja, auch der "links-grünen Besserwisser") endlich hinter uns lassen und konstruktiv in einen Dialog treten. Falls Sie es noch nicht getan haben, lesen Sie doch noch Teil 2 und 3... ;-)

    Antworten

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