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Können Hofläden rentieren?
von Valérie

Können Hofläden rentieren?

Es ist ein bekanntes Szenario. Das kleine Lädeli um die Ecke muss nach vielen Jahren dicht machen. Es hat nicht rentiert. Warum ist das so? Warum ist es für kleine Läden so schwierig, mit dem Detailhandel mitzuhalten?

Es ist wie’s ist: Die bequemen Konsument*innen – und dazu zählen die meisten von uns – geht in der Regel bei einem grossen Detailhändler seinen Wocheneinkauf machen. Das hat für sie gleich mehrere Vorteile:

  • es gibt alles für den täglichen Bedarf an einem Ort – auch WC-Papier
  • der Ort ist meist zentral gelegen und gut erreichbar
  • die Preise sind tw. sogar attraktiver, als wenn man beim Bauern einkauft.

Und gerade der letzte Punkt mag auf den ersten Blick doch sehr irritierend sein. Man müsste doch meinen, dass ein Einkauf direkt beim Produzenten preislich attraktiver sein sollte, als wenn dieser seine Waren an einen Detailhändler verkauft, der ja auch noch eine Marge obendrauf schlägt.

Warum ists im Hofladen nicht günstiger?

Die bittere Wahrheit ist: Detailhändler haben so viel Marktmacht, dass sie die Preise so stark drücken können, dass die Bauern ihre Waren oft unter Wert verkaufen müssen (Artikel Direktvermarktung). Sie sind aber – und das muss man auch sehen – in Bezug auf das Verhältnis von Personalkosten zum verkauften Volumen – in der Regel effizienter als kleine Läden. Gerade WEIL sie grosse Frequenzen haben.

«Die verbreitete Meinung, dass wegen Ausbleiben des Zwischenhandels mehr für den Bauern bleibt, ist leider falsch.»

Martin Jucker

Der Grossverteiler ist vor allem punkto Personalkosten und Infrastruktur um einiges effizienter als ein Hofladen. Dann gibt es noch die Einschränkung der Landwirtschaftszone, Bestimmungen bezüglich Nebenerwerbs. Böse gesagt bleibt am Ende oft ein Beschäftigungsprogramm für Bauernfamilien, aber ganz sicher kein wirtschaftlich funktionierender Betriebszweig», sagt Martin Jucker.

Autsch. Harte Worte für den Geschäftsführer eines Bauernhofs, der selbst auf Direktvermarktung angewiesen ist und 4 Hofläden betreibt. Aber er sagt auch: «Das soll jetzt nicht arrogant klingen, sondern es ist eine Erkenntnis, die wir selber auf die harte Tour lernen mussten.»

Wie können Hofläden rentieren?

Aber wie soll man es denn machen? Wie rentieren Hofläden? Ist das überhaupt möglich? Was braucht es, damit Hofläden rentieren?

Ja es ist möglich, ABER… Hierfür muss man etwas ausholen…

Zu beurteilen, ob ein Hofladen rentiert oder nicht, ist eine relativ komplexe Angelegenheit. Denn es spielen die verschiedensten Faktoren mit rein, wie zum Beispiel die Frequenz an Besuchern, das verfügbare Sortiment, der Betreuungsaufwand, die Struktur, die der dahinterstehende Betrieb hat, etc.

Grundsätzlich haben es grössere Konzepte einfacher. Aus dem einfachen Grund, dass sich der Grundaufwand für Infrastruktur und Personalkosten auf mehr verkaufte Produkte verteilen lässt.

«Prinzipiell ist es immer eine enge Nummer, mit dem Verkauf von Lebensmitteln Geld zu verdienen», erklärt Martin Jucker, «denn der Preisdruck ist hoch, die Preise tief und die Margen entsprechend knapp. Und je knapper die Margen, desto kleiner der Spielraum und desto grösser der Druck. Bei anderen Dienstleistungen und Luxusgütern rechnet es sich entspannter.

Sprich: Kleine Läden haben es tendenziell schwerer, weil sie weniger Umsatz generieren, aber ein gewisser Grundstock an Investitionen bleibt. Je grösser desto einfacher
Ein Hofladen kann seine Waren nur dann günstiger verkaufen, wenn sich der personelle Aufwand in Grenzen hält: Sprich, ein Stand in Selbstbedienung, ohne grosse Betreuung durch eine*n Angestellten. Und: Weil im Hofladen Waren verkauft werden können, die sonst Abschreiber wären, wie z.B. unförmiges Gemüse, Spezialitäten etc.

Ein Hofladen mit Bedienung funktioniert in den wenigsten Fällen. «Die Personalkosten gehen nur runter bei sehr guter Auslastung. Es ist genau gleich, wie bei einem Quartierladen. Als Faustregel hätte ich gesagt, dass ein kleiner Laden mit einem Umsatz unter 1.5 Mio. Umsatz über kurz oder lang schliessen muss. Ab 1,5 Mio. rentiert er knapp und ab 2.5 Mio. wird man glücklich damit», sagt Martin Jucker.

Sonderfall Corona

In der Corona-Zeit erlebten Hofläden einen enormen Aufschwung. Dies, weil durch den Lockdown der Bedarf an privat eingekauften Lebensmitteln innert weniger Tage sprunghaft angestiegen ist. Zudem waren die Hofläden für viele eine angenehme Alternative zu den überlaufenen Grossverteilern. Auch in unseren Hofläden hatten wir den Effekt bemerkt. Die Eröffnung des Römerhofs profitierte von dieser «Krise» als Anschub enorm. Auch der Online-Hofladen Farmy.ch profitierte von der Krise.

Doch die Ernüchterung folgte auf den Fuss. Das Einkaufsverhalten entwickelte sich wieder zurück zum vorherigen Zustand: Das meiste kauft man heute wieder im Grossverteiler.

Wie schlagen sich unsere Hofläden?

Die kurze Antwort: Nicht so schlecht. Aber auch sie sind keine gratis Geldmaschine, bei der wir immer die Kosten im Auge behalten müssen.

Wir haben natürlich den grossen Vorteil, dass wir – vor allem bei den Erlebnishöfen – von einer vergleichsweise grossen Masse an Leuten profitieren, die zu uns auf den Hof kommen. Auf diesen Höfen kommt man zum Brunch oder Firmenanlass und nimmt dann noch ein Geschenk für die Freundin, einen guten Wein oder ein paar frische Beeren mit. Entsprechend haben wir in diesen Hofläden mehr Einkäufe, aber mit kleineren Beträgen. Etwas anders sieht es auf dem Römerhof in Kloten und auf dem Spargelhof in Rafz aus. Dort sind die Warenkörbe grösser, weil die Gäste gezielt zum Einkaufen dorthin kommen. Aber auch dort ist das Einkaufen ein Erlebnis.

Die Antwort auf die Frage ist also: Ja, Hofläden können rentieren, aber wie bei anderen kleinen Ladenkonzepten ist es auch hier schwierig und davon abhängig, wie man aufgestellt ist.

Valérie war Vollblutautorin des FarmTickers (bis Juni 2024) und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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