
Fruchtfolge – warum Bauern ihr Land abtauschen
In der Schweiz wächst selten auf einem Feld mehrere Jahre lang das Gleiche. Mal reckt sich auf derselben Fläche der Mais gen Himmel, im nächsten Jahr spriesst der Weizen und dann strahlen einem plötzlich gelbe Rapsblüten entgegen. Der Grund dafür ist nicht etwa, dass sich Landwirt*innen nicht entscheiden können, was sie anbauen möchten, sondern die Fruchtfolge.
Unter dem Begriff versteht man die geplante Abfolge des Anbaus bestimmter Kulturen auf demselben Feld. Diese ist in der Schweiz vorgeschrieben. Wer mehr als 3 ha offene Ackerflächen bewirtschaftet, muss gemäss ÖLN (Ökologischer Leistungsnachweis) entweder mindestens vier verschiedene Ackerkulturen mit maximalen Kulturanteilen anbauen oder zwischen den einzelnen Kulturen bestimmte Anbaupausen einhalten. Je nach Kultur sind diese Pausen unterschiedlich lang.
Kürbisse etwa, darf man innerhalb von 7 Jahren nur 2-mal auf dem gleichen Flecken Land anbauen. Bei Erdbeeren sind maximal 3 aufeinanderfolgende Ernten auf der gleichen Parzelle erlaubt. Danach sind mindestens 3 Jahre Pause nötig. Auch beim Hafer gilt eine Anbaupause von mindestens 3 Jahren - allerdings bereits nach einer Ernte. Ganz schön knifflig ...
Ausgenommen von der Fruchtfolge sind sogenannte «Dauerkulturen». Dazu zählen u.a. Weintrauben, Obstbäume und Spargeln. Sie alle überdauern mehrere Vegetationsperioden, bleiben also mehrere Jahre im gleichen Feld und liefern wiederkehrende Erträge. Auch Topfkulturen - also alles, was in einem Topf und nicht auf einem Feld wächst - sind ausgeschlossen.
Wieso braucht es die Fruchtfolge?
Diese Vorschriften erfüllen einen wichtigen Zweck. Mit einer guten Fruchtfolge lassen sich bodenbürtige Pflanzenkrankheiten und Schädlinge bekämpfen. Ausserdem wird so die Bodengesundheit erhöht und erhalten. Denn gleiche Pflanzen ziehen auch die immergleichen Nährstoffe aus dem Boden. Wirklich nötig wurde die gut geplante Fruchtfolge erst mit dem Aufkommen von Monokulturen.
Zu wenig eigenes Land
Nun bauen aber die wenigsten Landwirtschaftsbetriebe genügend unterschiedliche Kulturen an oder haben genügend Land, um all ihren Feldern die vorgeschriebenen Anbaupausen zu gönnen. Darum ist es gang und gäbe, sein Land mit anderen Betrieben in der Region abzutauschen. Auch wir bei Jucker Farm sind darauf angewiesen. Vor allem auf unserem Produktionshof, dem Spargelhof in Rafz, wo Kürbisse, Erdbeeren, Hafer und Co. wachsen.
Wir haben dort 3 Betriebe, mit denen wir regelmässig einjährige Tauschverträge abschliessen. Dabei wird immer ungefähr gleichviel Land abgetauscht. Es gibt aber noch andere Möglichkeiten, wie Landwirtschaftsbetriebe diesbezüglich zusammenarbeiten. So werden auch langjährige Tauschverträge abgeschlossen, damit die involvierten Betriebe grössere Flächen bewirtschaften können. Gewisse Betriebe schliessen sich ausserdem zu einer Fruchtfolgegemeinschaft zusammen. Dabei legen sie ihre Felder zusammen und definieren für die Gesamtfläche eine gemeinsame Fruchtfolge. So ist mehr Ertrag von einer Kultur im gleichen Jahr möglich.
Wer bewirtschaftet, entscheidet
Einmal jährlich wird in Landwirtschaftsbetrieben die Strukturdatenerhebung fällig. Beim Bund wird dabei angegeben, welches Land aktuell von welchem Betrieb bewirtschaftet wird und welche Kulturen dort wachsen. Hat ein Feld einen neuen Bewirtschafter, kann dieser damit nach eigenem Gutdünken umgehen. Der eigentliche Eigentümer hat nicht mehr viel mitzureden.
Für uns als regenerativer Betrieb ist das nicht immer ideal. «Land zu finden, das so bewirtschaftet wird, wie wir es gerne hätten, ist eigentlich unmöglich», sagt unser Experte für regenerative Landwirtschaft, Sven Studer. Während wir möglichst auf Pestizide und Kunstdünger verzichten und uns darauf fokussieren, den Boden wiederaufzubauen, arbeiten viele Höfe noch konventionell – sprich mit den zugelassenen Chemikalien und schwerem Gerät. Laut Sven tun aber auch viele Betriebe bereits einiges für ihre Böden, auch wenn sie sich nicht explizit als regenerativ auszeichnen.
Mit Bio-Betrieben abzutauschen, ist ebenfalls schwierig bis unmöglich, da wir nicht Bio-zertifiziert sind und für Betriebe, die nach der Bio-Verordnung bewirtschaftet werden, auch bei der Fruchtfolge die Anforderungen von Bio Suisse gelten.
Der Einsatz von chemischen Wirkstoffen ist in der regenerativen Landwirtschaft zwar nicht grundsätzlich verboten, wird aber so gut es geht vermieden. Denn was Beikraut und Schädlinge beseitigt, tötet meist auch wichtige Bodenorganismen.
«Meine Hoffnung ist es, dass wir Partner, die aktuell noch konventionell arbeiten, ein Stück weit auf unserem Weg mitnehmen können», sagt Robert (Röbi) Portmann, Leiter unserer Landwirtschaft auf dem Juckerhof in Seegräben.
Auf dem Juckerhof bauten wir bisher vor allem Dauerkulturen (Äpfel, Birnen, Heidelbeeren, Kirschen) an. Seit hier zusätzlich Kürbisse gedeihen, braucht aber auch Röbi Leute, mit denen er Land abtauschen kann. Ihm ist dabei nicht nur die Art der Bewirtschaftung wichtig, sondern auch, dass es auf menschlicher Ebene gut funktioniert und man sich auch sonst gegenseitig aushilft. «Damit beide von der Zusammenarbeit profitieren können».
Investition in die Zukunft
Genau aus diesen Gründen haben wir 2023 den Kurs für «Landwirtschaft mit Zukunft» ins Leben gerufen, der heute vor allem in den Händen von Sven Studer ist. Die teilnehmenden Landwirt*innen lernen von Experten aus der Praxis die Grundlagen der regenerativen Landwirtschaft kennen und wie sie diese Praktiken auf dem Betrieb umsetzen können.






















Noch keine Kommentare zu “Fruchtfolge – warum Bauern ihr Land abtauschen”