Hofleiter mit Karohemd
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Ein Tüftler wird Hofleiter

Mit der Neuorganisation von Jucker Farm hat jeder Hof einen eigenen Hofleiter zugeteilt erhalten. Reto Benker, der bisherige Eventchef, ist neu Standortleiter vom Juckerhof. Wobei es ihm fast schon unangenehm ist. Auf Jobbezeichnungen gibt er nicht so viel und repräsentative Aufgaben sind ihm nicht der liebste Teil seiner Arbeit. Er ist eher der Tüftler hinter den Kulissen. Und trotzdem passt er auf den Posten. Auch weil er schon so lange hier ist. Wir stellen euch diese interessante Spezies heute mal genauer vor.

Aufgewachsen ist Reto in Chur. Aber seine Wurzeln hat er im Zürioberland in Pfäffikon, wo er geboren ist und auch immer mal wieder gewohnt hat. Sein Werdegang ist eine mäandrierende Kuriosität zwischen Reagenzgläsern, Aquarien und Kulinarik. Schlussendlich hat ihn das Leben auf den Juckerhof gespült, wo Reto jetzt schon seit 15 Jahren wirkt.

Schon in der Kanti in Chur haben ihn Reagenzgläser und Erlenmeyerkolben fasziniert. Aber beim Schnuppern in diversen Laborantenberufen hat es ihn einfach nicht gepackt. Der Folgeplan war, Biologie zu studieren. Das hat er aber schon gar nicht begonnen, nachdem der damalige Fledermausbeauftragte des Kantons Zürich dem jungen Reto erklärt hat, dass man aus ideologischen Gründen Biologe wird und nicht des Geldes wegen. 8 Jahre hatte die berufliche Findungsreise bis dahin gedauert und Reto stand da und hatte keine Ahnung, was er beruflich machen könnte.

Also hat er - wie so viele - ein Jahr in einer Bergbeiz gearbeitet, um etwas Geld zu verdienen. Und da hat er gemerkt, dass das Kulinarische auch noch was für ihn wäre. Also hat er sich in der Hotelfachschule Passugg angemeldet. «Dann war ich wieder für 3 Jahre versorgt», schmunzelt er.

Beim Food&Beverage Praktikum im Hotel Kulm in St. Moritz kam er seiner Bestimmung näher. Parties organisieren, kreative Konzepte entwickeln und die Mischung aus Büro und bei den Leuten sein, das war’s. Und in diese Richtung hat er sich dann auch beruflich orientiert…

Alles Weitere erfahrt ihr im Interview:

Du arbeitest schon ewig hier…

Vor 15 Jahren irgendwann im Sommer hab ich hier begonnen. Da war ich 25 Jahre alt.

Wie hat alles angefangen?

Ich suchte im Rahmen meiner Ausbildung an der Hotelfachschule Passugg meinen zweiten Praktikumsplatz und hatte mich unter anderem bei Jucker Farm beworben. Sie haben einfach als erstes geantwortet. Und es war cool, weil es halt nah an Pfäffikon war, das ich ja schon kannte.

Beim Vorstellungsgespräch war ich dann völlig overdressed. Wir hatten einen von der Schule verordneten Dresscode. Also stand ich dann da, mit meinen Lederschuhen, Anzug und Krawatte. Und als ich hier ankam, dachte ich so: «Scheisse, ist das so ein Öko-Aussteiger-Hof?!» Beat und Susanne haben mich schon etwas komisch angeschaut, aber sie haben mich trotzdem genommen.

Mit dem Ende des Praktikums war dann auch meine Ausbildung fertig und sie haben mich angefragt, ob ich nicht als Event-Manager bleiben möchte.

Und ich blieb. Das war eine krasse Zeit. Wir haben halt so Startup-mässig alles selbergemacht. Wirklich alles. Wenn es zu wenig Gläser hatte, ging ich einfach abwaschen. Ich habe noch einen Mitstudenten rekrutiert (der Häuptling, der im Zelt eingepennt ist, siehe Event-Pannen Nr. 9 ;-)), der dann für den Service verantwortlich war. Mit ihm und seiner Freundin zusammen wohnte ich in einer WG in Pfäffikon. Also eigentlich war es einfach eine Höhle zum Schlafen. Wir haben so viel gearbeitet.

Während der Tätigkeit beim Jucker erwachte mein Interesse an betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen. Also habe ich mich an der HTW in Chur angemeldet für Betriebsökonomie, habe beim Jucker gekündigt. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das doch nichts ist für mich. Dann habe ich ganz verzweifelt Beat angerufen und er meinte, er finde schon was für mich. Etwa in diese Zeit fiel dann auch der Aufbau des L’AQ (ehemals Restaurant Seerose Pfäffikon, welches Jucker Farm übernommen hatte) und des Bächlihofes bei dem ich mich ziemlich reingeben konnte.

Wie bist du dann zum Eventchef geworden?

Der damalige Eventchef ist von heute auf morgen ausgefallen und kam nie wieder zurück. Da musste ich in die Bresche springen.

Und jetzt bist du Hofleiter. Was hat dich bewegt, diese Aufgabe zu übernehmen?

Ganz ehrlich? Ich musste einfach, sonst hätte ich mir einen neuen Job suchen müssen. 🙂

Nein, es war schon auch Zeit für eine neue Aufgabe. Ich bin schon sehr lange hier, habe unzählige Events auf unseren Standorten organisiert und habe einen guten Überblick über alles.  Und was mich reizt an der neuen Aufgabe ist, dass ich noch mehr Konzepte entwickeln kann und zu sehen, welche rentabel sind und welche nicht. Diesen kreativen Teil mache ich unheimlich gern.

Was ist dein Lieblingsort auf dem Hof?

Der Bewässerungsteich hinter dem Hof. Wegen der Fische. Es hat da mal jemand Fische reingeworfen– ich liebe Fische. Die sind wir zwar jetzt wieder am rausfischen, aber wir haben wohl noch nicht alle erwischt.

Wo steht der Juckerhof in 5 Jahren? Was möchtest du ändern?

Ich möchte den Juckerhof zu einem richtigen Food-Schlaraffenland machen. Hier wächst das Zeug. Und wir verarbeiten es gleich selber. Das haben nur wir. Ein ganzjähriger FarmFood Markt, das wäre richtig cool.

Was gefällt dir am Unternehmen Jucker Farm?

Die Freiheit beim Arbeiten. Und die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Inhaber. Und das Konzept, das einfach so innovativ ist.

Wo haben wir noch Knackpunkte?

Die Herausforderung ist die grosse Diversität unserer Produkte. Und es arbeiten sehr viele verschiedene Leute hier und das ganze bunte Treiben in diesem verschlafenen Nest zu führen, ist schon manchmal ein Seiltanz. Aber es gibt nichts Gravierendes, was nicht läuft. Wenn man etwas lernt hier, ist es, dass es nichts bringt, sich über Details aufzuregen.

Was ist dein Lieblings-Jucker-Produkt?

(denkt lange nach) D Blaubeeri.

Was machst du am liebsten ausserhalb der Arbeit?

Ich mache keinen Unterschied zwischen Arbeit und Freizeit. Das ist bei mir oft dasselbe. Und der grösste Teil meines sozialen Umfelds ist über die Firma definiert.

Es gefällt mir ja hier und ich denke gerne in der Freizeit über die Arbeit nach. Inspiration kommt immer und überall, man muss nur offen sein.

Hast du Zukunftsträume, die du uns verraten magst?

Ja. Hunderte :-).

Eine solche Idee wäre es, später mal einen ganz einfachen Job machen. Z.B. auf einer Muschel-Farm. Oder so ein ganz einfaches Beizli führen am Meer. In der Bretagne oder so. Lieber ganz einfach, dafür richtig geil. Ich habe eine Vorliebe für alles aus dem Wasser :-).

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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