Hofladen Rafz in der Kürbiszeit
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Hofläden Rafz und Kloten doch nicht geschlossen

Nachtrag Samstag, 19.09.2020: Soeben haben wir erfahren, dass wir unsere Hofläden sonntags doch geöffnet lassen dürfen! Grund dafür war ein unglückliches Missverständnis zwischen den Behörden und Jucker Farm. Bisher liegt uns keine schriftliche Schliessungsverfügung vor. Wir hatten wohl auf den Bescheid etwas zu schnell und gewissenhaft reagiert.

Das bedeutet, dass wir die Hofläden in Rafz und Kloten morgen nun doch wie gewohnt öffnen dürfen.

***

Es kommt zugegeben etwas überraschend: Vor wenigen Tagen wurde uns von den zuständigen Behörden mitgeteilt, dass sie ihre seit 10 Jahren vertretene Praxis ändern und deshalb per sofort die Beschäftigung von Verkaufspersonal in den Hofläden des Spargelhofs in Rafz und auf dem Römerhof an Sonntagen nicht mehr erlauben.

Das bedeutet für uns, dass diese beiden Hofläden per sofort am Sonntag jeweils geschlossen bleiben müssen. Der Juckerhof in Seegräben und der Bächlihof in Jona sind von dieser Änderung als Gastronomiebetriebe nicht betroffen.

Nicht mehr Bauer, sondern Detailhändler?

Normalerweise ist es den auf dem eigenen Betrieb beschäftigten Bauern gestattet, ihre Ware im Hofladen auch sonntags zu verkaufen. Nach der neuen Einschätzung der Behörden trifft dies auf uns als Arbeitgeber jedoch nicht mehr zu. Neu gelten wir als Detailhändler.

Auch auf dem Römerhof heisst es per sofort: Sonntags zu.

Auch hier steckt man mitten in der Kürbissaison...

...Kürbisfiguren zieren den Hofplatz.

Der Hofladen bleibt Mo bis Sa geöffnet.

Sonntagsverkauf ist kreislaufrelevant

Die plötzliche Umstellung erwische Jucker Farm tatsächlich auf dem falschen Fuss, sagt Jucker. Man befinde sich mitten in der Erntezeit mit Kürbis und Himbeeren und habe die gesamte Anbauplanung auf das bestehende Konzept mit Verkauf am Sonntag ausgelegt. Die Ernte auf dem Feld gehe weiter. Gerade Himbeeren seien besonders zeitkritisch in der Haltbarkeit und somit auch in der Vermarktung.

Auch die Ernteplanung für das Jahr 2021 sei bereits gemacht, und diese sei ein wichtiger Teil des betrieblichen Gesamtkonzepts. «In den letzten Jahren haben wir unser Betriebskonzept konsequent auf Direktvermarktung ausgerichtet. Das heisst, wir haben es geschafft, einen massgeblichen Teil ansonsten unverkäuflicher Ware in unseren Hofläden direkt zu vermarkten. Das klappte unter anderem deshalb so gut, weil wir die frisch geerntete Ware direkt unter die Leute bringen konnten».

Für eine «enkeltaugliche» Landwirtschaft

Durch die konsequente Ausrichtung auf einen möglichst fungizidarmen Anbau gebe es auch Einschränkungen in der Haltbarkeit. Auf das bestehende Betriebskonzept inklusive Sonntagsverkauf - mit geschlossenen Kreisläufen zur Reduktion von Foodwaste - habe man viele Jahre hingearbeitet. Natürlich sei der Entscheid ein grosser Rückschlag.

Nicht zuletzt sind auch die finanziellen Einbussen schmerzhaft: «In Kloten und Rafz machen wir jeweils etwa 1/3 des gesamten Umsatzes an Sonntagen». Trotzdem nimmt Jucker die Situation erstaunlich sportlich: «Klar macht man keine Freudensprünge über einen solchen Entscheid. Uns ist aber wichtig, dass alles korrekt läuft und werden diesen Entscheid selbstverständlich per sofort umsetzen. Wir haben schon einige Herausforderungen gemeistert, dann werden wir auch mit dieser noch fertig».

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

Beiträge von Valérie
7 Kommentare zu “Hofläden Rafz und Kloten doch nicht geschlossen”
    Seiler

    Was ich zu dieser Anordnung finde, behalte ich für mich! Ich habe mich immer auf ganz frische Beeren, Obst, Gemüse und Salat gefreut am Sonntag. Sehr schade, drück die Daumen, dass eine Sonntags Bewilligung erreicht wird! 👍

    Antworten
    gintonix

    Der Amtsschimmel wiehert da wieder mal gaaaaanz laut !!! Wie wenn nicht schon alles kompliziert genug ist in der aktuellen Situation.
    VIEEEEL Erfolg !!!

    Antworten
    Angela

    Ein absolut und unverständlicher Entscheid. Bürokratismus pur!

    Antworten
    Monica

    Statt in diesem fragilen Zeitpunkt die Wirtschaft zu stärken werden solche kleinliche Beamten Fehlentscheide getroffen, und das noch in Kloten die auf jeden Steuerfranken angewiesen ist ..

    Antworten
    Heiri

    vielleicht schaffens ja die leute auch an einem der andern sechs tage einzukaufen, in fast allen läden gehts ja scheinbar auch. immer diese änderungen per sofort sind einfach grundsätzlich nicht so fair. man sollte wenigstens eine übergangsfrist von ein paar monaten gewähren. umgekehrt lassen sich die behörden ja auch oft monatelang zeit mit entscheiden.

    Antworten
    Eric

    Da hat man jahrelang den Bauern gepredigt, sie müssten sich mit Fantasie neue Ideen einfallen lassen um sich ihr Einkommen etwas zu verbessern. Und nun kommen die gleichen Behörden dazu, diese Ideen zu schlachten, damit einige Grossverteiler mehr Profit machen können. Es stellt sich hier die Frage, ob dabei die Frische der Produkte wohl noch gewährleistet ist schein nicht wichtig zu sein. Zudem ist ein sonntäglicher Familien-Besuch mit Kindern auf einer der Jucker-Farmen von unschätzbarem Wert.

    Antworten
    Valérie Sauter

    Liebe Kommentarschreiber. Vielen Dank für eure aufbauenden Worte. Es ist schön, so viel Unterstützung zu erfahren. Aktuell hat sich die Situation ja wieder entspannt...

    Antworten

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