Rettich und Kartoffeln Offenverkauf
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Offenverkauf in Zeiten von Corona

Auf glatten Flächen hält sich das Coronavirus bis zu neun Tage (Journal of Hospitalinfection).

Das wirft Fragen auf. Wie lange hält es sich auf Äpfeln, Salat oder Brot? Frischware wird nach wie vor offen verkauft. Wenn jetzt ein Corona-Infizierter mit ungewaschenen Händen die Ware berührt, könnte er darauf Keime hinterlassen. Laufe ich dann nicht Gefahr, mich anzustecken?

Auf der Seite des BAG wird vorsichtig formuliert: «Eine Übertragung des neuen Coronavirus durch Lebensmittel auf den Menschen ist bis jetzt nicht bekannt. Wenn Sie ganz sicher sein wollen: Waschen und erhitzen Sie die Lebensmittel gut.» Auf Deutsch gesagt: Es gibt keine Garantie, dass man sich nicht ansteckt. Geht es dann unter diesen Bedingungen noch, Frischprodukte im Offenverkauf anzubieten?

Auf der Website der Schweizer Gemüseproduzenten hiess es am 12. März 2020: «Gemäss Rücksprache mit Herrn Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit, ist eine Übertragung des Virus über Lebensmittel höchst unwahrscheinlich und daher auch nicht relevant. Es haben bereits Gespräche mit den Grossverteilern stattgefunden und Herr Koch bestätigt gegenüber dem VSGP, dass keine besonderen Massnahmen beim Verkauf von Lebensmitteln vorgesehen sind, auch nicht im Offenverkauf.»

Coronavirus instabiler

Studien dazu wurden bisher allerdings noch nicht verfasst. Es war leider nicht möglich, beim BAG genauere Auskünfte zu erhalten. Ein Anhaltspunkt: Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit listet primär das Hepatitis-A-Virus und das Norovirus als relevante Viren im Zusammenhang mit Lebensmittelsicherheit auf. Beide Viren sind im Vergleich zum Coronavirus sehr viel stabiler in der Umwelt. Das heisst sie überleben länger ausserhalb ihres Wirts und können erwiesenermassen via Lebensmittel übertragen werden. Hepatitis-A-Viren halten sich je nach Bedingungen mehrere Monate*, das Norovirus mehr als 12 Tage**.

Spray und Kärtchensystem
Desinfektionsspray und Zutrittskärtchen - zwei der Massnahmen im Hofladen auf dem Römerhof in Kloten.

Im Vergleich zu diesen beiden Viren überlebt das Corona-Virus nach aktuellem Kenntnisstand weniger lang. Wohl deshalb geht man aktuell davon aus, dass eine Übertragung via Lebensmittel kein Problem darstellt. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es jedoch nicht. Wer ganz sicher gehen will hält sich ans Motto, das alle Weltreisenden auswendig kennen: «Cook it, peel it or forget it» (Koch es, schäl’ es oder vergiss es) 😉 - oder wasch es (z.B. im Fall von Salat) wenigstens gut mit Wasser… NICHT mit Desinfektionsmittel, Javelwasser oder Seife - ein Witz? Anscheinend nicht, wie 20 Minuten berichtet.

Massnahmen im Hofladen

Obwohl der Verband Schweizer Gemüseproduzenten keine besonderen Vorschriften macht, werden im Hofladen bei Jucker Farm zusätzliche Massnahmen getroffen, um maximale Hygiene sicherzustellen. «Wir stellen unseren Kunden Plastikhandschuhe zur Verfügung, damit sie Obst und Gemüse nicht mit blossen Händen anfassen müssen. Zudem stehen eingangs Hofladen und an weiteren Stellen im Hofladen zusätzliche Möglichkeiten zur Händedesinfektion bereit», sagt Patrik Köchli, Chef des neu eröffneten Pop-Up-Hofladen auf dem Römerhof in Kloten. Und dies, obwohl man in «normalen» Zeiten immer darauf bedacht gewesen sei, Plastik im Verkauf eher zu reduzieren. Wenn die Krise vorbei ist, werden auch die Plastikhandschuhe wieder verschwinden. Es wäre der falsche Moment, verbissen am Ziel "plastikfrei" festzuhalten.

Quellen:

*Merkblatt Empfehlungen zur Hepatitis-A-Prävention in der Schweiz vom 01.01.2007 des BAG

** www.bag.admin.ch/norovirus 

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und hat vor der Geburt ihres zweiten Kindes das Kommunikationsteam von Jucker Farm geleitet (Zum Portrait).

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