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1:0 für den Tofu

Anfang Monat haben wir uns mit der Frage beschäftigt, warum Bio-Produkte einen tieferen CO2-Ausstoss haben sollen und wie gross der Unterschied zu konventionell produzierten Produkten ist.

Fazit: Ja, es gibt einen Unterschied. Aber der fällt viel weniger ins Gewicht, als die Entscheidung, einfach keine (oder weniger) Fleisch oder Hartkäse zu essen.

Reaktion meines kritischen Ichs: «Äh, dumms Züg! Das Soja für den Tofu-Burger wird ja auch eingeflogen und all das Vegi-Zeugs im Regal ist ja auch mehrfach verarbeitet. Der Unterschied kann gar nicht so gross sein». Logisch, hat man einen kleineren ökologischen Fussabdruck, wenn man nur Gemüse isst. Aber so ein Vergleich ist nicht fair, weil man seinen Proteinbedarf damit kaum decken kann. Tofu und Co. sind also unvermeidbar, will man sich weiterhin ausgewogen ernähren, das abgepackte Vegi-Schnitzel eine bequeme Alternative. Doch ist der Fussabdruck wirklich wesentlich kleiner?

Falafel vs. Zürigschnätzlets

Eine erste Schweizer Studie, die die Ökobilanz von Mahlzeiten mit ähnlichem Proteingehalt vergleicht, wurde 2016 von ESU-Services im Auftrag von WWF durchgeführt. Tatsächlich zeichnet sich dort ab, dass vegetarische oder gar vegane Gerichte (mit vergleichbarem Proteingehalt!) eine markant bessere Klimabilanz aufweisen. Gemessen wurde mit so genannten «Eco Points». Während Schweinsgeschnetzeltes mit Spätzli beinahe 9000 dieser Öko-Punkte verursacht, bringt es der frittierte Falafel mit Kartoffeln und Joghurt-Sauce auf ca. 1300 Punkte. Weniger deutlich ist der Unterschied zwischen Quorn-Geschnetzeltem mit Pilzsauce und Nudeln (vegetarischer Spitzenreiter der Studie, ca. 3300 Punkte) und Lachs-Spaghetti mit Rucola-Salat (ca. 3600 Punkte, Fleischgericht mit dem tiefsten Punktestand in der Studie).

Und ja, Transportwege und Verarbeitung der Produkte wurden in die Berechnung mit einbezogen. Sprich: Selbst wenn das Soja von Südamerika nach Europa geflogen und hier nochmal verarbeitet wird, hat es immer noch eine bessere Ökobilanz als das böse böse Rindfleisch.

Warum ist das so?

Die Krux liegt wohl in der Effizienz. Denn für die Produktion von 1 kg tierischen Protein werden 5 kg pflanzliches Protein benötigt (Studie 2002).

Das ist vor allen Dingen dann der Fall, wenn in der intensiven Fleisch-Produktion zusätzlich mit Soja gefüttert wird. Bei Fisch und Geflügel scheint der Effekt kleiner zu sein. Aber auch vegetarische Gerichte können, angereichert mit viel Rahm und Käse, eine schlechte Bilanz haben. Ganz zu schweigen von unseren Nationalgerichten Fondue und Raclette. Dafür könnte man sich mindestens auch ein 300 Gramm schweres Steak hinter die Kiemen schieben. Ist so, leider. Eine Käseliebhaberin nimmt Abschied :-(.

Wohl oder übel

Und auch wenn’s fein wäre und wir das Zeug schampar vermissen werden: Wollen wir dem Klima etwas Gutes tun, dann verzichten wir wohl oder übel - zumindest teilweise - auf Fleisch und Milchprodukte. Denn immerhin macht die Produktion von Lebensmitteln rund 16% der ausgestossenen Treibhausgase aus.

Und an alle, die jetzt schon wieder Luft holen, um zu widersprechen:

Schon klar. Kein Verzicht rettet im Alleingang das Klima. Egal davon ob bei der Mobilität, bei der Ernährung oder beim restliche Konsumverhalten. Aber je mehr Leute sich entscheiden können, bei sich selber an der einen oder anderen Schraube zu drehen, desto grösser ist der Effekt. Und dann bewirken wir vielleicht etwas, denn wir sind viele.

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Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und hat vor der Geburt ihres zweiten Kindes das Kommunikationsteam von Jucker Farm geleitet (Zum Portrait).

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