Traktor bei Getreideernte
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Warum soll Bio weniger CO2 ausstossen?

Das liebe Klima. Es beschäftigt uns. Wir fangen an, uns mit unserer Ernährung auseinanderzusetzen. Wie esse ich denn nun möglichst klimafreundlich?

Weniger Fleisch, regional essen. Essen, was aktuell Saison hat, aus Freiland-Kulturen und nicht aus einem beheizten Treibhaus. Alles klar. Doch neuerdings kommt ein neues Argument: Produkte aus Bioproduktion soll man essen.

Moment mal! Echt jetzt? Wieso sollte Bio klimafreundlicher sein, als konventionell produziert? Kühe sind und bleiben Kühe und furzen genau gleich. Und mit dem Traktor fährt auch der Bio-Bauer. Also warum eigentlich?

Unterschiede vor allem bei Getreide und tierischen Produkten

Auf der Website des FiBL – Forschungsinstitut für biologischen Landbau in der Schweiz – wird auf eine Österreichische Studie verwiesen, die sich der Frage genauer angenommen hat. Im Auftrag der Supermarktkette Hofer (zu Aldi gehörend) und des österreichischen Landwirtschaftsministeriums.

Diese Studie kommt zum Schluss, dass vor allem im Bereich von Fleisch, Milch und Getreide massive Unterschiede in den Treibhausgasemissionen bestehen. Und zwar sowie bei einem Vergleich nach Anbaufläche, wie auch nach den geernteten Kilos. Das heisst das vielzitierte Argument, auf Bio-Flächen könne weniger angebaut werden, weshalb die Bilanz pro Kilogramm eines erzeugten Lebensmittels nicht besser sei, zieht nach dieser Studie nicht.

Der EU-Bio-Produktionsstandard soll je nach Produktgruppe zwischen 10 und 50% weniger Treibhausgase freigesetzt werden, als bei der konventionellen Produktion in Europa. Im Bereich des Freiland-Gemüses sind ebenfalls deutliche Unterschiede da. Diese bewegen sich aber in einem derart kleinen Bereich, dass die Transportwege deutlich mehr ins Gewicht fallen.

Doch warum diese Unterschiede?

Bei der Milchproduktion soll vor allem ins Gewicht fallen, dass im Bio-Kraftfutter keine südamerikanische Soja enthalten sei, deren Import auf die CO2-Bilanz schlage. Beim Getreide soll die verringerte Emission daran liegen, dass in der Bio-Produktion (EU-Standard) kein Stickstoff-Mineraldünger eingesetzt werde: «Der Verzicht auf leichtlösliche Stickstoff(N)-Mineraldünger reduziert die Treibhausgasemissionen wesentlich, da zur Herstellung der N-Dünger große Mengen an Erdgas und Erdöl benötigt werden. Zum anderen verursacht der Mineraldüngereinsatz deutlich höhere Lachgas(N2O)-Emissionen als organische Dünger», heisst es da.

Der Weisheit letzter Schluss?

Als kritischer Leser werde ich immer skeptisch, wenn eine Supermarktkette eine Studie in Auftrag gibt. Wer garantiert mir, dass es hierbei nicht einfach darum geht, das eigene (margen-trächtigere?) Bio-Sortiment zu pushen?

Eine objektivere Quelle dürfte eine von der Organisation foodwatch.org  in Auftrag gegebene Studie sein. Im Vergleich von pflanzlichen Produkten kommen die in etwa auf ähnliche Resultate: Bio ist besser, aber der Ausstoss bewegt sich generell auf einem tiefen Niveau.

So richtig spannend wird es nun aber, wenn man sich in den Bereich tierischer Produkte bewegt. Schweinefleisch und Käse (ja, der mischt auch ganz vorne mit!) haben in konventioneller Produktion eine wesentlich schlechtere CO2-Bilanz. Aber: Bio-Rindfleisch aus Mastbetrieben, schwingt mit seinem CO2-Austoss weit oben aus und ist viel schlimmer, als sein konventionell produziertes Pendant.

Also so einfach ist es eben nicht.

Humus und seltener Fleisch essen?

Ein weiteres Argument, das für die grössere Klimaverträglichkeit der Bio-Produktion ins Feld geführt wird, ist der höhere Humusgehalt von Bio-Böden, der wiederum mehr CO2 binden soll. Darüber ist man sich allerdings nicht einig, wie es in einem Artikel der TAZ ausgeführt ist.

Ein weiterer spannender Ansatz: Weil Bio-Fleisch teurer ist, wird das auch seltener gekauft. Das heisst im Bio-Segment zahlen die Leute lieber mehr, dafür essen sie weniger häufig Fleisch. Auch das ist aber nirgends empirisch belegt.

Fazit

Im Gemüse-Bereich spielt es klimatechnisch nicht so eine Rolle, ob man sich für Bio entscheidet oder nicht. Bei anderen Produkten (Käse, Schweinefleisch) haben Bio-Produkte eine bessere CO2-Bilanz. Bio-Rindfleisch hingegen überhaupt nicht.

Also ja: Grundsätzlich ist es fürs Klima tendenziell besser, Bio zu kaufen. Was aber viel mehr zu Buche schlägt ist überhaupt der Konsum tierischer Produkte. Das gilt nicht nur für Rindfleisch, sondern eben auch für Butter und Käse, die dem Rindfleisch in nichts nachstehen.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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