Zu Jucker Farm
regenerative Prinzipien - Teil 3
von Valérie

Die 5 regenerativen Prinzipien – Teil 3

In den letzten zwei Teilen ging es um Biodiversität, möglichst wenig Bodenbearbeitung, dauerhafte Bewachsung und Durchwurzelung. Im dritten und letzten Teil geht es um die Integration von Tieren und die Frage, inwiefern wir uns an die fünf regenerativen Prinzipien halten.

Prinzip Nr. 5: Integration von Tieren

Tiere sind eine super Ergänzung zur regenerativen Landwirtschaft. Erstens bearbeiten sie den Boden sanft, ohne ihn zu verdichten. Zweitens liefern ihre Ausscheidungen wertvollen Dünger für den Boden.

Rinder, Schafe oder Schweine weiden Gras und Unkraut ab, ohne die Bodenstruktur zu stark zu stören. So fungieren sie als lebende Rasenmäher.

Ein wichtiger Begriff dabei ist das so genannte «Mob Grazing». Das bedeutet, dass Tiere in Gruppen («mob») während einer relativ kurzen Zeit eine begrenzte Fläche intensiv beweiden. Danach zieht die Herde weiter. Dabei lassen sie genügend Pflanzenreste stehen, um die Pflanzen am Leben zu erhalten und ihr Wachstum anzuregen – etwa wie beim menschlichen Haareschneiden.

Einen anderen «Job» im regenerativen Konzept haben Hühner und Enten. Sie sind hervorragende Schädlingsbekämpfer. Oft werden sie als Folgetrupp dem Weidetrupp «hinterhergeschickt», um die Würmer, die sich in deren Kot eingenistet haben, zu vertilgen. Enten lieben beispielsweise Schnecken.

Man kann sich also auch den Einsatz von Pestiziden sparen. Wenn man keinen künstlichen Dünger einsetzen will, sind Tiere ein zwingender Bestandteil in einem regenerativen Konzept.

Regenerativ bei Jucker Farm

Und welche dieser Prinzipien setzen wir davon hier bei uns, bei Jucker Farm um? Alle! Manche konsequenter als andere. Manche waren einfacher und rascher umsetzbar als andere.

Die Biodiversität haben wir schon früh angepackt. Lange bevor wir das Wort «regenerativ» überhaupt kannten, haben wir Blühstreifen gesät, Nistkästen für Insekten und Fledermäuse und Vogelhäuschen aufgestellt. Haben geschaut, dass wir immer mal wieder einen Hochstammbaum in unsere Anlage gepflanzt haben, haben den alten Birnbaum stehen lassen, da er eine gute Unterkunft für Kleinlebewesen darstellte. Unsere Anstrengungen in diese Richtung haben wir in den letzten Jahren noch verstärkt. Im Wildkulturgarten arbeiten wir im Anbau nach dem «Flickenteppich»-Prinzip und streben kleine Flächen an, die sich durchmischen.

Tiere als Mitarbeiter haben wir seit 2021 – den Anfang gemacht haben die Schafe, kurz darauf folgten Hühner und dann die Schweinchen. Und wer weiss, vielleicht kommen mal noch Enten oder Gänse zum Einsatz, um den Schnecken den Garaus zu machen 😉.

Unsere Hühner als Schädlingsbekämpfungstrupp auf dem Bächlihof.

Schweinchen Maggie im Einsatz für die regenerative Landwirtschaft.

Unsere Schafe grasen gerne in "Mob"-Formation. Manchmal ist das Gras ännet dem Zaun aber grüner :-).

Biodiversität machen wir eigentlich schon immer.

Nicht pflügen – das ist für uns – insbesondere auf dem Spargelhof in Rafz – noch eine grosse Herausforderung. Noch gibt es einige Felder, auf denen wir vor dem Anbau pflügen. Vor allem vor Gemüse, bei Spargel-Neuanlagen, bei den Erdbeeren etc.). Wir arbeiten zunehmend aber mit der Mulch- oder Direktsaattechnik, das funktioniert beispielsweise bei Getreide, Raps und Mais sehr gut.

Eine lückenlose Bedeckung des Bodens ist in unseren Kulturen kaum möglich. Jedoch setzen wir auf möglichst kurze Bewuchspausen. Das bedeutet wir schauen, dass wir die Zeitspanne, in der der Boden nicht bepflanzt ist, möglichst kurz halten. In der Regel handelt es sich hierbei um wenige Tage, in denen die Wurzeln der abgeernteten Pflanzen im Boden bleiben und der Übergang zu lebenden Wurzeln der neuen Kulturpflanze fliessend ist.

Was wir auch machen, ist beispielsweise, zwischen den Spargeldämmen Weizen einzusäen. Das hat sich – insbesondere in langen Niederschlagsphasen – als riesiger Bonus erwiesen. Der Boden hat das Wasser viel besser aufnehmen können und wurde durch die bestehenden Pflanzen besser getragen und weniger schlammig.

Eine Konsequenz des Anspruchs ständiger Bepflanzung ist auch, möglichst kein Herbizid mehr zu verwenden. Das klappt aktuell noch nicht bei allen Kulturen gleich gut. Je nach Wetterlage und Kultur kann das nämlich schwierig werden. Wir behalten uns explizit vor, in Ausnahmefällen auf Herbizid zurückzugreifen. Wir haben uns kein Verbot auferlegt, sind aber bestrebt, den Einsatz möglichst klein zu halten.

Insgesamt – das haben wir schon im Artikel «Jucker Farm wird regenerativ» erklärt – befinden wir uns in einem Prozess. Es ist ein Herantasten, was funktioniert und was nicht. Aber wir sind auf dem Weg und sind gespannt, was wir alles noch lernen werden in Zusammenarbeit mit der Natur.

Die fünf Prinzipien regenerativer Landwirtschaft.
Die fünf Prinzipien regenerativer Landwirtschaft.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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