Kürbisskulptur Affe
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Bilanz Kürbissaison 2021

Es war die zweite Kürbissaison «unter Corona». Welche Bilanz können wir ziehen? Der Sommer war zweifellos schwierig. Das Wetter war unglaublich nass, sowohl im Frühling wie auch im Sommer und wir verzeichneten nicht nur eine miese Getreideernte, sondern hatten auch mit anderen Kulturen Schwierigkeiten. Doch ab Mitte August brach ein mehr als versöhnlicher Herbst an und konnte einen Teil der Verluste wieder wettmachen – wenn auch nicht alles.

Auf dem Feld: Nicht gut, aber nicht so schlecht wie erwartet

Anfang August hatte es düster ausgesehen. Aufgrund des sehr nassen und kalten Wetters waren die Kürbisse nicht reif genug, um bereits zu Beginn der Kürbissaison in die Vollen zu gehen. «Wie bei vielen anderen Kulturen waren wir auch mit den Kürbissen rund 3 Wochen im Verzug», sagt Robert Courth, Produktionsleiter in Rafz. Zu Beginn der Kürbissaison rechnete er damit, gar keine eigenen Butternusskürbisse liefern zu können. Die einzige Hoffnung war ein durchgehend gutes Wetter im Herbst. Und diese wurde glücklicherweise erfüllt. So konnten wir mit etwas Verzögerung dann doch noch Butternusskürbisse verkaufen. «Insgesamt war die Ernte bei den Butternusskürbissen dann nur noch knapp unterdurchschnittlich, aber ok. Bei dieser Sorte sind wir mit einem blauen Auge davongekommen», erklärt Robert Courth.

Die Kürbisse zum Behängen der Kürbisobjekte wurden nur rechtzeitig reif, weil man sie unter der Folie angebaut hatte. Noch schlechter sah es bei anderen Kürbissorten aus wie z.B. beim Orangen Knirps und bei den Zierkürbissen. Hier haben wir vielleicht die halbe Menge ernten können und waren darauf angewiesen, die fehlenden Mengen aus Europa zu importieren. Dies allerdings nur für unsere Grossverteiler-Kunden, die sehr grosse Mengen benötigten. Das lief auch alles transparent und war entsprechend deklariert. Trotzdem ist es ein Wermutstropfen. Natürlich hätten wir lieber unsere eigenen Kürbisse an sie verkauft. Die Blumenabteilungen unserer Grossverteilerkunden konnten wir gar nicht mit eigenen Zierkürbissen beliefern.

Die Kürbissaison war eine riesige Herausforderng.

Glück im Unglück hatten wir mit den Butternusskürbissen. Sie konnten noch nachreifen.

Insgesamt ist die Bilanz der Kürbissaison aus Produktionssicht nicht gut. Dank zusätzlichen importierten Kürbissen ist der Gesamtumsatz zwar nahezu ok, aber der Gewinn ist viel kleiner als sonst, da wir so viele Kürbisse zukaufen mussten.

Gastronomie: Flotte Lotte

Besser sieht es glücklicherweise bei den Erlebnishöfen mit ihren Restaurants  und Hofläden aus: Die Kürbissaison 2021 war aus gastronomischer Sicht trotz Zertifikatspflicht die erfolgreichste seit Beginn der Kürbisausstellung. «Wir haben in Seegräben im Hofladen und im HofRestaurant noch nie einen so grossen Oktober-Umsatz gemacht wie dieses Jahr. Und dies trotz der BAG-Auflagen in Bezug auf Covid. Allerdings betrifft das natürlich nur den Oktober und nicht das ganze Jahr», sagt Reto Benker LINK, Chef der Erlebnishöfe bei Jucker Farm. Das tolle Wetter, das im Herbst praktisch durchgängig herrschte, trug hierzu massgeblich bei.

Unsere Erlebnishöfe hatten den grossen Vorteil, dass sich die Leute draussen aufhalten konnten. Die Kürbisausstellungen zusammen mit der Möglichkeit, sich draussen zu verpflegen war gerade für viele Leute ohne Zertifikat eine willkommene Gelegenheit für einen Freizeitausflug.

Auch qualitativ seien die Rückmeldungen positiv, sagt Benker: «Die Ausstellung wird als immer wertiger empfunden. Manche Gäste haben das Gefühl, es seien weniger Figuren als sonst, aber das stimmt so nicht. Die Anzahl ist in den letzten Jahren gleichgeblieben. Wir verteilen sie nur anders und auf dem Hofplatz ist aus Platzgründen nur noch eine Figur».

Bächlihof Brunch: BuureZmorge

Der BuureZmorge war wie immer ausgebucht...

...zusammen mit den Hofläden hat man auf dem Juckerhof den besten Oktober je verzeichnet.

Events – trotz Zertifikatspflicht erfolgsversprechend

Auch im Bereich der Firmenevents und Seminare herrscht im Herbst normalerweise Hochsaison. Das hat man auch dieses Jahr wieder gemerkt. Die Umsätze lagen hier zwar etwas tiefer als im Herbst vor Corona, aber immerhin deutlich höher als 2020.

Auch der Ausblick auf die Wintersaison mit Weihnachts- und Jahresessen sieht sehr gut aus. Die meisten Firmen kommen trotz der Zertifikatspflicht und finden intern eine Lösung mit ihren Mitarbeitern. Es gebe zwar einzelne Absagen aufgrund der Zertifikatspflicht, diese fielen aber nicht wirklich ins Gewicht. «Viele dieser Firmen, die auch dieses Jahr kein Weihnachtsessen buchen, beschenken dafür ihre Mitarbeiter mit einer Geschenkkiste», sagt Benker. Ausserdem biete man Lösungen an, wie Firmenessen oder -Apéros auch ohne Zertifikatspflicht draussen stattfinden können. Die beliebtesten Tage sind bereits ausgebucht.

Noch besser sieht es im Seminarbereich aus. Hier verzeichnen Benker und sein Team sogar eine höhere Auslastung als in anderen Jahren: «In anderen Jahren war im Winter eher Flaute. Aber jetzt scheinen die Leute ziemlichen Aufholbedarf zu haben. Unsere Seminarräume sind sehr gut gebucht».

Auch bei den Reservationen für Brunchs sieht es nicht schlecht aus: «Natürlich sind die nicht ganz so rasch ausgebucht, wie im Sommer oder Herbst. Die Chance, kurzfristiger noch einen Platz zu bekommen ist höher. Wir haben jedoch trotz Zertifikatspflicht eine gute Auslastung. Diejenigen Leute, die ein Zertifikat haben, scheinen die lange Durststrecke bezüglich Restaurantbesuchen von letztem Jahr etwas zu kompensieren», stellt Benker erfreut fest.

Jucker Farm Geschenkkiste Jucker Spezialitätenbox

Firmen, die dieses Jahr coronabedingt auf einen Firmenanlass verzichten, beschenken ihre Mitarbeitenden einfach mit einer Geschenkkiste.

Juckerhof Seminarraum Denkstube 2021 1

Die Seminarräume sind überdurchschnittlich gut gebucht und sehr gefragt.

Es gibt auch die Möglichkeit, Anlässe draussen durchzuführen. Outdoor-Apéros sind auf dem Juckerhof nicht erst seit Corona beliebt.

Verkehr Seegräben – bleibt schwierig

Die Verkehrssituation in Seegräben ist und bleibt eine alljährliche Herausforderung für alle Beteiligten. Es gibt noch immer Gäste, die nicht verstehen, warum man in der Kürbissaison an Wochenenden nicht nach Seegräben fahren kann. Jedoch wird die Lösung mit der Busverbindung von Uster nach Seegräben am Wochenende von vielen Leuten gut angenommen: «Der Bus wurde auch im Herbst rege genutzt», so Reto Benker.

Über alle Bereiche gesehen war die Kürbissaison 2021 ganz gut. Besonders wenn man bedenkt, dass immer noch Auflagen bezüglich Covid-19 herrschen, können wir eigentlich zufrieden sein. Einen Grund, jetzt die Füsse hochzulegen, gibt es aber definitiv nicht. Dafür haben wir vom ersten Halbjahr noch einiges aufzuholen.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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