Zürioberländer Honigglas
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Das Jahr ohne Honig

Seit vielen Jahren kaufen wir unseren Honig auf dem Juckerhof vom Seegräbner Imker Werner Fischer, der die Bienenhäuschen von Ueli Jucker auf dem Jucker-Areal bewirtschaftet (wir haben berichtet). Rund 200 Gläser waren das pro Jahr jeweils.

Doch seit etwa 3 Monaten gibt es keinen Honig mehr. Weder im Hofladen noch auf dem Buffet beim Brunch auf dem Juckerhof. Warum? Um das zu verstehen, braucht es etwas Hintergrundwissen. Schauen wir uns erst mal an, wie Honig normalerweise gewonnen wird.

Nahrungsvorrat der Bienen

Eigentlich gehört der Honig den Bienen. Bienen sammeln Nektar (den zuckerhaltigen Saft der Blütenpflanzen) und scheiden ihn in Form von so genannt «unreifem» Honig wieder aus, wenn sie im Bienenstock ankommen. Dort wird er mehrfach konzentriert und als «fertiger Honig» in den Waben als Nahrungsmittelvorrat für das Bienenvolk gelagert. Diese Erklärung ist stark vereinfacht. Wer’s genauer wissen möchte, kann hier nachlesen: wikipedia.org.

Honig gegen Zuckersirup

Der Imker erntet den Honig jeweils während der Blütezeit im Frühling und dann wieder im späteren Sommer während der Waldblüte. Das heisst, er entnimmt die mit Honig gefüllten Waben aus dem Bienenstock. Allerdings nur einen Teil davon. Pro Bienenvolk sollten rund 3-4 kg* für die Bienen als Nahrungsmittelreserven im Stock verbleiben. Insbesondere im Frühling wird diese Nahrung benötigt, denn dann wächst das Bienenvolk von rund 10'000 auf rund 50'000 Bienen an. Zudem gibt es eine Blütepause (in der Fachsprache Trachtpause) zwischen der Obstblüte im Mai und der Waldblüte im Juli, in der die Bienen weniger neuen Nektar sammeln können. Um diese Pause zu überbrücken, braucht es gute Futterreserven.

«Die Bienen haben selber nicht genug davon».

Zum Ausgleich für den entnommenen Honig erhalten die Bienen eine Fruchtzuckerlösung, die ihnen die entgangenen Kalorien ersetzen sollen. Doch die Zuckerlösung enthält nicht die wertvollen Nährstoffe des Honigs. Diese sind auch für die Bienen wichtig, um ihr Immunsystem zu stärken. Nimmt man ihnen alles weg, passiert das gleiche, wie wenn sich Menschen ungesund ernähren: Sie überleben kurzfristig vielleicht, werden aber auf lange Sicht gesehen krank.

Imker Werner und Jsmael

Werner Fischer und sein Sohn Ismael vor dem Bienenhäuschen am Waldrand in Seegräben.

Biene auf Blüte

Die Bienen haben ein schwieriges Jahr hinter sich...

Blumenwiese

...zu selten war das Wetter in der entscheidenenden Saison so schön wie auf diesem Bild.

Zu wenig ist zu wenig

Und so kommen wir zum eigentlichen Grund, warum wir dieses Jahr keinen Honig haben. Ganz einfach: Die Bienen haben selbst nicht genug davon. Frühling und Sommer waren viel zu kalt und nass. Bei diesen Bedingungen konnten die Bienen nicht mal genügend ausfliegen, um sich selbst zu versorgen. «Den Honig, den sie sammeln konnten, haben sie eigentlich immer gleich wieder aufgebraucht», sagt Werner Fischer. Er musste viel mehr auffüttern als sonst. Ca. 20-25 kg Futtersirup pro Volk. Ihnen jetzt den spärlichen Honig, den sie mühsam gesammelt haben wegzunehmen, wäre nicht nur grausam, sondern käme einem Todesurteil für unsere Völker gleich.

Deshalb hat Fischer sich entschlossen, dieses Jahr - bis auf wenige Gläser für den Eigenbedarf - keinen Honig zu ernten. Erstmal sollen die Bienen den Winter überstehen. Neuen Honig gibt es erst wieder nächsten Mai, wenn die nächste Blütezeit hoffentlich freundlicher wird.

«Das widerspricht unserem Gedanken der Nachhaltigkeit».

Jennifer Hoeffleur, Hofladenleiterin Seegräben

Überlegungen der Nachhaltigkeit

Und weil Werner Fischer keinen Honig liefern kann, gibt es keinen Honig im Hofladen zu kaufen. Natürlich hätte Hofladenchefin Jennifer den Honig einfach von wo anders beziehen können. «Für uns kommt aber nur Schweizer Honig in Frage. Doch weil es allen Bienen in der Schweiz etwa gleich ergangen sein dürfte, hätte das bedeutet, den Honig bei einem Imker zu kaufen, der seine Bienen womöglich bis zum letzten Tropfen auspresst. Das widerspricht unserem Gedanken der Nachhaltigkeit», erklärt sie ihren Entscheid. Und weiter: «Wir hatten die Wahl, die vorhandene Nachfrage zu decken und Geld zu verdienen, oder aber das Bewusstsein dafür zu fördern, dass die Verfügbarkeit von Honig von äusseren Umständen abhängt. Und bisher stösst dieser Entscheid bei 9 von 10 Kunden auf viel Verständnis. Man muss es nur erklären».

 

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Fakten rund um den Honig

Für 1 kg Honig legen die Bienen rund 100’000 km zurück. 3 kg Nektar müssen sie dafür sammeln. Das bedeutet, dass sie rund 100’000-mal ausfliegen und 150 Millionen Blüten besuchen müssen. Pro Flug kann eine Biene 40 g Nektar und 20 mg Pollen (Eiweissfutter für die Bienenmaden) transportieren. Das entspricht über der Hälfte ihres eigenen Körpergewichts: Quelle: Naturzyt.ch

*In einem Bienenstock leben ca. 50'000 Bienen. In einem guten Jahr erntet Werner Fischer pro Bienenstock 20 kg von 23-25 kg verfügbarem Honig. Dabei entnimmt er nur den Honig aus den Honigwaben im oberen Teil des Stocks. Die Brutwaben im unteren Teil gäben nochmal rund 10 kg, diese überlässt er aber den Bienen.

Frühlingshonig und Waldhonig: Der Frühlingshonig stammt vom Nektar der Blüten während der Frühlingszeit: Also z.B. von Obstbäumen, Löwenzahn, Raps etc. Er ist hell und cremig. Der Waldhonig von wilden Büschen und Bäumen dagegen ist sehr dunkel und eher flüssig.

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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