Coffee To Go
Hofleben von Nadine

Weg mit dem Einweggeschirr

«Ein Kaffee to go, bitte.» So einfach, so schnell, so umweltschädlich. Die WirschaftsWoche berichtet, dass in Deutschland 60 Einwegbecher pro Jahr und Person verbraucht werden. Die Zahlen in der Schweiz sind wohl vergleichbar. Die Becher sind oft plastikbeschichtet und können deshalb nicht rezykliert werden. Auch die Herstellung der Becher ist nicht gerade umweltfreundlich. Auch in den Hofrestaurants von Jucker Farm hat man solche Einweggeschirr erhalten. Deshalb wurden nun Massnahmen dagegen ergriffen. Es ist schockierend, welche finanziellen Auswirkungen das Einweggeschirr hat.

Teurer Abfall

44'000 Franken. So viel Geld gibt Jucker Farm pro Jahr für den Einkauf von Einweggeschirr für die Hofrestaurants auf dem Bächlihof in Jona und dem Juckerhof in Seegräben aus. Dazu gehören Kaffeebecher mit Deckel, Trinkbecher, Schalen für z.B. Birchermüesli, Suppenbecher und verschiedene saisonal bedingte Schälchen und Verpackungsmöglichkeiten.

44'000 Franken für Abfall. Natürlich war es nicht klassisches Plastikgeschirr, denn alle Einweg-Sachen waren theoretisch rezyklier- und kompostierbar. Auch die Papierservietten sind biologisch abbaubar. «Das ist uns sehr wichtig, denn es kommt immer wieder vor, dass der Wind Becher und Servietten wegwindet. Und wir wollen nicht, dass Plastik in der Natur landet,» sagt Melanie Sorg, Leiterin des Hofrestaurants auf dem Juckerhof.

44'000 Franken. Ein grosser Betrag. Aber es geht Jucker Farm eigentlich gar nicht ums Geld. Einweggeschirr, auch wenn es nicht aus Plastik ist, schadet der Umwelt. «Viele nehmen gleich mehrere Becher, kostet ja nichts,» stellt Melanie Sorg immer wieder fest. «Und am Schluss landen alle im Abfall. Da nützt auch die Rezyklierbarkeit nichts.»

Schluss damit

Aus all diesen Gründen wird nun der Grossteil an Einweggeschirr aus den Hofrestaurants

  • verbannt (z.B. Plastik-Konfischäleli vom Brunch Buffet oder 2dl Becherli für Öpfelmoscht),
  • weniger prominent platziert (z.B. Kartonplättli für Kuchen)
  • oder nur auf explizite Anfrage herausgegeben (z.B. Kaffeebecher aus Karton).

Nachtrag (20.03.2019): Neu stehen auffüllbare Behälter mit Zucker, Zimt, Schoggipulver und Rahm in den Restaurants zu Verfügung (für Kaffee, Tee usw.). So möchten wir den Verbraucht der Zuckersäckli, Rahmbecherli usw. eindämmen. Dies galt lange als "unmöglich umsetzbar". Argumente wie "das verklumpt, das gibt eine Sauerei, das wird geklaut..." wurden jedoch jetzt beiseite gestellt und das "Unmögliche" wahr gemacht. Coole Sache!

«Viele Gäste nehmen auch Einweg-Behälter, obwohl sie auf dem Hof essen,» sagt Melanie Sorg. «Das Gleiche gilt für viele unserer Mitarbeitenden. Aus Bequemlichkeit nehmen sie ihren Kaffee im Kartonbecher statt in der Tasse. So sparen sie sich den Gang zur Abräumstation. Das heisst, wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen.» Per sofort gilt ein Einweggeschirr-Verbot für alle Mitarbeitenden, welche die Möglichkeit haben, auch abwaschbares Geschirr zu benutzen. Schliesslich hält ab und zu ein Gang zur Abräumstation auch fit 😉

Für Events gibt es ausserdem ab April neu auch auf dem Juckerhof eine Wasserstation. Dort können mehrfach verwendbare Glasflaschen aufgefüllt werden für die Gäste. Diese Station steht auch den Mitarbeitenden zu Verfügung, somit werden auch die Mitarbeiter-PET-Wasserflaschen verbannt. Auf dem Bächlihof gibt es schon lange einen Wasserzapfhahn mit feinstem Blaubrunnenwasser, auch für die Gäste.

Bringt eure eigene Tasse mit!

Eine weitere Massnahme, um die Gäste vom Einweggeschirr abzugewöhnen: Wer seinen eigenen Mehrwegbecher mitbringt, kriegt 20 Rappen Rabatt im HofRestaurant auf den To-Go-Kaffee.

Gerade das Beispiel Kaffee-Becher zeigt aber, dass das Handling des Mehrweggeschirrs nicht ganz ohne ist und neue Probleme hervorbringt. Zum Beispiel aus hygienischer Sicht. Viele Kaffeehäuser füllen deshalb nur saubere Gläser oder Becher wieder auf. Sonst besteht die Gefahr, dass die Kaffeemaschine verunreinigt wird. Wer also unterwegs ist und mit seinem Mehrwegbecher mehrere Kaffees holen möchte, muss ihn zwischendurch reinigen. Ausserdem stellen einige in Frage, ob die Mehrwegbecher wirklich besser für die Umwelt sind. Schliesslich werden diese mit Materialien wie Kunststoff, Edelmetall oder Keramik energieintensiv hergestellt. Es ist also essentiell, dass der Becher häufig gebraucht und umweltschonend gereinigt wird sowie über kurze Transportwege an den Konsumenten gelangt (Quelle: welt.de).

Das Einweggeschirr beim Essen zu ersetzen stellt Anbieter wie Jucker Farm vor ein weiteres Problem. Nämlich das Gewicht. Jedes selbermitgebrachte Behältnis hat ein anderes Grundgewicht und müsste einzeln vor dem Befüllen am Buffet gewogen werden. Das zeigt auch ein Beitrag der 20 Minuten. Viele Take-Away-Anbieter preisen deshalb jetzt eigenes Mehrweggeschirr an. Sinnvoll ist das jedoch erst, wenn alle Anbieter das gleiche Mehrweggeschirr akzeptieren an der Kasse. Denn wer nimmt schon 3 verschiedene Behältnisse mit, weil er sich noch nicht entscheiden kann, wo und was er genau Zmittag essen will?

Weitere Massnahmen zur Vermeidung von Plastik

Schlussendlich erinnert die Diskussion um das Einweggeschirr sehr an diejenige über Einwegplasiksäckli im Detailhandel. Wir haben selbst Erfahrungen damit gemacht. Seit wir von 2 Jahren 20 Rappen für unsere Papiertüten verlangen, bringen mehr Gäste ihre eigenen Mehrwegtaschen mit. Auch haben wir keine negativen Reaktionen auf diese Gebühr erhalten. Auch die Schweizer Detailhändler verzeichnen einen klaren Rückgang der Plastiksäckli, seit sie 5 Rappen kosten. Laut SRF wurden 80% weniger Säckli mitgenommen. Coop allein spart damit 850 Tonnen Neu-Plastik pro Jahr ein.

P.S. Ein tolles Projekt hat auch die Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon lanciert, welches wir unterstützt haben. Während einer Abfallwoche haben zwei engagierte Schüler ihre Mitschüler auf die Plastikproblematik aufmerksam gemacht und Mehrweggeschirr für die Mensa und Take-Away eingeführt. Zum Artikel:

Nadine kam von der Bank zum Bauernhof. Sie ist seit 2016 Marketing- und Kommunikationschefin bei Jucker Farm. Ihre Spezialität ist die digitale Kommunikation. Neben Ihrem Job backt sie leidenschaftlich gerne (Zum Portrait).

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