
Sommergemüse Ahoi!
Als ich letzte Woche in Rafz auf dem Spargelhof eintraf, reicht mir unser Produktionsleiter, als erstes zwei Stücke Kürbis. Kürbis. Im Juli. Das ist kein Scherz, sondern sein voller Ernst. Was ich in der Hand halte sind ein Pâtisson- und ein Spaghettikürbis.
Frühe Kürbiszeit
Keine der Sorten, weder der Spaghettikürbis noch der Pâtisson, sind schon vollreif. Ich solle reinbeissen, denn man könne sie in diesem Stadium roh geniessen. Die Schale ist noch nicht so hart wie bei einem reifen Kürbis, das Fruchtfleisch hat eine ähnliche Konsistenz wie Zucchetti, geschmacklich ist der Kürbis aber lieblicher. Ganz gut ist mein Befund! Doch warum ernten wir die Kürbisse unreif?
«Von diesen beide Sorten haben wir relativ viele. Man muss sie sowieso ausdünnen, sonst werden alle Kürbisse an einer Ranke zu klein. Anstatt einen Teil unterzumulchen, ernten wir jetzt die noch etwas Unreifen und versuchen sie als Sommergemüse an die Kunden zu bringen,» erklärt man mir. Ein spannender Ansatz. Die «unreifen» Kürbisse können als Snack roh gegessen werden – zum Beispiel mit einem Knoblidipp– oder man schmeisst sie wie den Grillkürbis auf den Rost.
Aber Achtung: Ausgereifte Kürbisse sind teilweise über Monate haltbar, das gilt für die unreifen nicht!
Zucchetti en masse
Wer schon einmal selber im Garten Zucchetti angepflanzt hat weiss, wie schnell und stark diese Pflanze wächst. So auch bei uns auf den Feldern. Man könnte fast von einer kleine Zucchetti-Schwemme sprechen. Deshalb haben Robert und sein Team beschlossen, Zucchettiblüten zu ernten.
Die Zucchetti darf nur ca. 5cm lang sein, wenn man die Blüte ernten will. Wird die Zucchetti grösser, fällt die Blüte ab. Man muss sich also entscheiden; Zucchetti oder Zucchettiblüte. Da wir so viel haben dieses Jahr, reicht es für beides. Am besten erntet man am Morgen früh, wenn die Blüte noch offen ist. Sieht schöner aus und der Blütenstempel lässt sich gut entfernen.
Wie wir im Zucchetti-Saison-Lexikon-Artikel bereits erläutert haben, sind Zucchetti mit Kürbissen verwandt. Das sieht man auf dem Feld auch ganz klar. Denn die Pflanzen sehen zum Verwechseln ähnlich aus. Und auch Kürbisse bilden Blüten. Warum ernten wir diese nicht? Sind sie nicht essbar? Doch, essbar wären sie, aber es macht für uns keinen Sinn, Kürbisblüten zu ernten. Wir brauchen im Herbst für die Hofläden, den Detailhandel und die Kürbisausstellung so viele Kürbisse, da machen wir uns keinen Gefallen, wenn wir nur die Blüten ernten.
Erdkulturen statt Hors Sol
Gleich neben dem Spargelhof steht ein grosser weisser Tunnel. Der ist nicht etwa beheizt, sondern schützt die Kulturen vor der Witterung und es wird automatisch warm im Sommer. Dort wachsen Tomaten, Gurken und Chilis. Und zwar in der Erde. Das ist nicht selbstverständlich.
Der Anteil an «Hors Sol» Kulturen ist nämlich auch in der Schweiz sehr hoch. Was bedeutet das? Beispielsweise Tomaten wachsen dabei nicht in der Erde, sondern in einer Nährlösung. Nährstoffe werden künstlich mittels eines Schlauchsystems beigefügt. Jucker Tomaten, Gurken und Chilis wachsen in Rafzer Erde. Mit einem Schlauch werden sie punktgenau bewässert und gedüngt.
Im Tunnel werden ausserdem keine künstlichen Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Wir arbeiten aktuell mit Nützlingen wie Schlupfwespen.
Sonst noch was?
Fast vergessen… Natürlich gedeihen aktuell in Rafz auch die Beeren! Die Kirschensaison ist bald vorbei, dafür gibt es zuhauf saftige Erdbeeren, Heidelbeeren und Himbeeren! Und die Melonen sind auch bald reif.




















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