Alte Bäuerin pflückt Äpfel
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Frauen in der Landwirtschaft – Teil 1

Frauen leisten Grosses. Besonders in der Landwirtschaft. Und vielleicht ist es besonders spannend, sich die Frauen deshalb mal genauer anzuschauen, die sich in einem Bereich bewegen, der doch sehr von traditionellen Strukturen geprägt ist und die gleichzeitig ein immenses Arbeitspensum bewältigen. Der Spagat ist bei den Bäuerinnen besonders gross, die Emanzipation der Frau noch weit weg, so könnte man meinen.

Doch - ist dem wirklich so?

Unterziehen wir unsere Sichtweise einem Realitätscheck. Wie werden Bäuerinnen überhaupt wahrgenommen? Wie sehen sie sich selbst? Fühlen sie sich wertgeschätzt? Und wie vereinbaren sie Berufstätigkeit mit Familie? Ist «die Bäuerin» im Rahmen eines Familienbetriebs ein aussterbendes Modell?

In unserer vierteiligen Serie «Frauen in der Landwirtschaft» versuchen wir, Antworten auf diese Fragen zu finden.

Die rundliche Frau mit den roten Backen?

Wir starten unsere Serie damit, das Bild der Bäuerin zu umreissen, wie sie von ausserhalb der Landwirtschaft wahrgenommen wird. Wie nimmt die städtische Bevölkerung die Frauen auf dem Land wahr? Existiert das Klischee der rotbackigen, rundlichen Bäuerin tatsächlich?

Nadine und ich waren an einem Samstagmorgen in Zürich unterwegs und haben die Fussgängerzonen rund um die Bahnhofstrasse, die Marktbrücke und die Europaallee abgeklappert. Neun Personen, vor allem Frauen haben wir gefragt, wie sie die Bäuerinnen wahrnehmen. Und die Überraschung: Die roten Backen wurden nirgends erwähnt :-).

Bäuerinnen arbeiten viel…

Der Tenor ist relativ eindeutig: Die meisten ahnen, dass die Arbeit auf dem Bauernhof sehr anstrengend ist und unseren grössten Respekt verdient, darin waren sich alle Befragten einig. Meistens werden sie als Frauen gesehen, die dazu noch Kinder haben und auf dem Hof mitarbeiten. Insbesondere der Bezug zu den Tieren, der wurde häufig hergestellt.

…aber was denn genau?

Auffallend ist, dass nicht allen Befragten bewusst war, dass Landwirtin und Bäuerin zwei unterschiedliche Berufe sind.

Während Landwirtin EFZ eine mehrjährige Berufslehre darstellt, erfordert die Tätigkeit der Bäuerin im Sinne einer Unterstützung des Landwirts in Haus und Hof keine zwingende Ausbildung. Die «Bäuerinnenschule» kann als Weiterbildung ergänzend zu einer bereits abgeschlossenen Lehre absolviert werden.

Vor allem jüngere Befragte verorteten die Arbeit der Bäuerin primär auf dem Feld. Die Frage, ob es eine Ausbildung brauche, wird eher uneindeutig beantwortet.

Niemand würde tauschen

Ob sich unsere Städter auch hätten vorstellen können, Bäuerin oder Landwirtin zu werden? Wir bekamen ein ziemlich einstimmiges Nein, wenn auch nicht immer gleich vehement.

Die meisten finden das Leben auf dem Lande «zu anstrengend, zu verpflichtend». Und ja, es fiel auch die Aussage, man hätte selber lieber keine dreckigen Hände. Es sei schon eine schöne Arbeit, aber eben auch eine, die nicht genügend entlöhnt würde. Darin war man sich einig. Viel zu viel und zu anstrengende Arbeit für viel zu wenig Geld.

Und doch ist man sehr froh, dass es sie gibt, die Bäuerinnen. Froh darüber, dass jemand diese strenge Arbeit macht. Keine der interviewten Personen äusserte sich despektierlich gegenüber den Bäuerinnen. «Sie sind genauso wichtig wie der Bauer auch», kam es beispielsweise ausgerechnet von einem Mann.

Nicht so bezahlt, wie sie sollten

Und trotzdem gehen die meisten Leute davon aus, dass die Bäuerinnen nicht für ihre Arbeit entlöhnt werden. Ihre Arbeit wird im Rahmen des Familienbetriebs, wie auch die Arbeit aller anderen Hausfrauen, nicht entsprechend entlöhnt. Und sehr rasch bewegen wir uns weg von der Landwirtschaft. Denn es ist ein Thema, das sämtliche Frauen (und Männer!) betrifft, die zu Gunsten der Kinder eine bezahlte Erwerbsarbeit aufgeben oder in einem reduzierten Pensum arbeiten. Und die Meinungen darüber, ob es nötig oder möglich wäre, diese Arbeit zu entlöhnen, gehen bekanntlich auseinander.

Warum «Bäuerinnenschule»?

Spannend ist ja auch, dass die Bäuerinnenschule - wohl als einzige Ausbildung der Schweiz - immer noch keine geschlechterneutrale Bezeichnung hat. Auch unsere Befragten äusserten sich dem Begriff gegenüber eher skeptisch. Von «bünzlig und altbacken» über «konzeptionell falsch» bis hin zu «despektierlich» kamen alle Äusserungen. Es gab aber auch Leute, die nichts Problematisches an der Bezeichnung finden konnten.

Zu der Frage, ob es eine Bäuerinnenschule braucht und ob die Begrifflichkeit die richtige ist, kehren wir in Teil 4 dieser Serie nochmal zurück. Denn es ist noch nicht das letzte Wort gesprochen…

Was wir vorhaben…

In Teil 2 nehmen wir uns den Bäuerinnen selbst an. Wie zufrieden sind sie mit ihrer Rolle? Fühlen sie sich wertgeschätzt? Mit welchen Themen haben sie zu kämpfen? Dazu haben wir mit diversen Bäuerinnen und Landwirtinnen gesprochen. Diese Gespräche fliessen auch in Teil 3 ein, der die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei den Bäuerinnen unter die Lupe nimmt. In Teil 4 setzen wir uns wiederum mit dem Begriff der «Bäuerinnenschule» kritisch auseinander und mit der Frage, ob die Bezeichnung nicht bestehende Rollenbilder zementiere:

Teil 1 - Bild der Bäuerinnen aus städtischer Sicht

Teil 2 - Wie geht es den Frauen in der Landwirtschaft?

Teil 3 - Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Landwirtschaft

Teil 4 - Die «Bäuerinnenschule» - ein emanzipierter Begriff?

 

PS: Die Dame im Titelbild ist übrigens die Grossmutter von Stefan Bächli, unserem Obstbauchef und Hausherr des Bächlihof in Jona.

FarmTicker Autorin Valerie Sauter Valérie Sauter

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

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