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Ökobilanz Vergleich Haferdrink vs. Kuhmilch

Also gut, wir haben jetzt diesen lässigen Haferdrink. Aber wir wären ja nicht der Jucker, wenn wir den jetzt einfach unkritisch in unsere Schlunde füllen würden, oder?

Da wir stets sehr ums Klima bedacht sind, wird es Zeit, den Haferdrink mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn auf den ersten Blick ist doch alles fein: Hier angebaut, keine Ammoniak-Emissionen, da ohne Wiederkäuer produziert, weniger Wasserverbrach – das pure Wohlgefallen… Doch ist dem wirklich so?

Sind pflanzliche Alternativen wirklich besser?

So im groben Überblick sind sich die unterschiedlichen Quellen ungefähr einig, wobei nicht alle die gleichen Werte verglichen und alle Faktoren berücksichtigt haben. Tendenziell schneiden Pflanzendrinks auf den Liter gesehen besser ab punkto Klimabilanz, Wasserverbrauch und -Belastung sowie Landnutzung. Mit einigen Ausnahmen (z.B. ist der Wasserverbrauch von Reis- und Mandeldrink je nach Quelle höher als bei der Kuhmilch).

Eine sehr umfassende und auch häufig zitierte Studie ist jene von Poore/Nemeck aus dem Jahr 2018. Sie wird auf Quarks.de und auf bbc.com zitiert. Allerdings kommen sie zu etwas unterschiedlichen Darstellungen, obwohl ihre Quelle die Gleiche ist.

Wie dem auch sei, bei diesen beiden Quellen schneidet der Haferdrink im Vergleich zur Kuhmilch besser ab, auch wenn die Werte sich teilweise deutlich unterscheiden*.

Vergleich Kernwerte der Ökobilanzen von Haferdrink vs. Kuhmilch.
Vergleich Kernwerte der Ökobilanzen von Haferdrink vs. Kuhmilch.

*von Auge von der Grafik abgelesen, deshalb Ungenauigkeit möglich. Zudem hat BBC die Werte pro Glas à 200 ml angegeben, Quarks jedoch pro Liter, was weitere Ungenauigkeiten bedingen könnte, auch wenn die Werte für die Vergleichstabelle umgerechnet wurden. 

 

Geht’s noch etwas genauer bitte?

Eine vom WWF in Auftrag gegebene Studie der ESU-Services GmbH hat einen etwas anderen Zugang gewählt: Sie haben verschiedenste Emissionen, die bei der Produktion anfallen in so genannte «Umweltbelastungspunkte» umgerechnet, die ein etwas differenzierteres Bild abgeben. So fällt zum Beispiel der Wasserverbrauch kaum ins Gewicht, obwohl er (gemäss dieser Studie) beim Haferdrink doppelt so hoch sein soll. Einige der Werte haben wir unten aufgelistet:

Vergleich in "Umweltbelastungspunkten" - Quelle: ESU Services im Auftrag von WWF.
Vergleich in "Umweltbelastungspunkten" - Quelle: ESU Services im Auftrag von WWF.

Insgesamt schneidet der Haferdrink auch bei dieser Studie etwas besser ab, wenn auch nicht so deutlich wie bei den anderen Studien. Eine überraschende Nebenerkenntnis dieser Studie: Cashewdrink ist – wenn man dieser Studie glaubt – umwelttechnisch etwas vom Schlimmsten, was man trinken kann (es lohnt sich, reinzulesen!).

Eine weitere Studie wurde von Oatly in Auftrag gegeben (HAHA X-)) und deshalb für diesen Artikel nicht berücksichtigt. Sie weist für Kuhmilch natürlich einen höheren Energieaufwand, Landverbrauch und Treibhausgas-Ausstoss aus.

 

Alles nicht so schlimm

Auch wenn der Haferdrink in fast allen Gesichtspunkten der Produktion besser wegkommt als die Kuhmilch, sollten wir einige Faktoren nicht ausser Acht lassen:

  • Wie hoch die CO2-Emissionen für Kuhmilch ausfallen, variiert stark nach Produktionsart und -Land: Gemäss der bei BBC zitierten Studie Poore & Nemeck ist der Ausstoss für ein Glas Kuhmilch (200 ml) in Lateinamerika z.B. etwa doppelt so hoch (fast 1 kg) wie in Europa (ca. 0.4 kg).
  • Die Emissionen – ganz egal ob von Kuhmilch oder Haferdrink – bewegen sich generell in einem sehr tiefen Bereich. Auch Kuhmilch produziert gemäss BBC «nur» 3 kg CO2 pro kg Milch. Da fallen der Rosenstrauss aus Holland (58kg) oder das Kilogramm Rindfleisch (13 kg) viel stärker ins Gewicht (siehe Artikel Schnittblumen. Ähnlich sieht es auch quarks.de: «Der Klimaretter-Effekt hält sich in Grenzen» und «ein Kaffee mit Sojadrink ist weiterhin klimaschädlicher als ein reines Glas Kuhmilch».
  • Die WWF-Studie gewichtet ihre Ergebnisse in einem weiteren Schritt nach Nährwertproduktion (Umweltbelastungspunkte pro 20g Protein). Da Haferdrink kaum Protein enthält, schneidet er diesbezüglich natürlich schlechter ab. Gewinner hier ist der Sojadrink, danach die Trinkmilch (teilentrahmte Milch), danach die Vollmilch. Das mag aktuell nicht so sehr ein Thema sein, da die Ressourcen (noch) ausreichen und der Nährwertgehalt von Milch für uns Menschen nicht so zentral ist. Doch die Zeiten können sich bekanntlich ändern.

Fazit ist also: Ja, Haferdrink braucht etwas weniger von allem als die Kuhmilch, aber so wahnsinnig viel besser ist er dann auch wieder nicht. Zumindest wenn es um die Ökobilanz geht. Die Tierwohl-Diskussion ist dann wieder ein anderes paar Schuhe, wie wir in einem anderen Artikel diskutiert haben.…

Und da wir selber keine Kühe halten und auch gedenken, das so beizubehalten, produzieren wir weiterhin Haferdrink – weil es eben schon eine recht lässige Sache ist. Vor allem, wenn wir ihn regenerativ produzieren.

 

Warum trinkst du Haferdrink? Wegen der Ökobilanz, weil du ihn besser verträgst, weil du vegan bist? Oder gibt es andere Gründe? Schreib uns in den Kommentaren!

Valérie ist Vollblutautorin des FarmTickers und immer zur Stelle wenn's "brennt". Sie mag schöne Texte und offene Worte. (Zum Portrait).

Beiträge von Valérie
9 Kommentare zu “Ökobilanz Vergleich Haferdrink vs. Kuhmilch”
    TSCHÜGE

    Ich war früher ein wahrer Milch-"Tiger". Als Kind noch die frisch beim Bauern geholte Milch auf dem Heimweg aus dem "Milchchesseli" getrunken. Mit 20 bekam ich Psoriasis - was mich bis heute nicht enorm stört. Dazwischen hörte ich mal vom schädlichen Colostrum in der Kuhmilch. Aber erst vor 5 Jahren liess mir eine Ernährungsberaterin verlauten auf Milchprodukte möglichst zu verzichten. Ich begann mit Mandelmilch und bin mittlerweile bei Barista Hafermilch angelangt. Netter Nebeneffekt der Umstellung weg von Kuhmilch: Für mich normale Blähungen nach dem Essen sind verschwunden. Die Psoriasis ist noch da, hat sich aber reduziert. Und mittlerweile ist der ökologische Nutzen für mich relevanter als der gesundheitliche.

    Antworten
    Valérie Sauter

    Haha, ja gell Milch ist halt schon was Feines. Gut, dass es dir jetzt besser geht.

    Antworten
    Vanessa

    Der Röstaromen des Kaffes werden einfach so viel besser unterstützt. Ich war bis vor kurzem absolute „NUR Vollmilch im Kaffe!“ Verfechterin. Aber seid mich eine Freundin überzeugt hat Hafermilch zu versuchen finde ich Kaffe mit Vollmilch nun wirklich richtig gruselig. 😳

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    M.

    Das erklärt, weshalb mir der Kaffee mit Hafermilch so viel besser schmeckt. Habs auch zufällig entdeckt und kaufe seit Monaten Hafermilch für meinen Kaffee und Vollmilch für den Rest der Familie.

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    Valérie Sauter

    Oh krass, dieses Argument hören wir jetzt zum ersten Mal...

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    karin

    Unsere Kleine hatte so oft den Schnupfen. Das es mehr Schnupfenzeit als Schnupfenfreiezeit gab. Eine Freundin hat uns den Tip gegeben nich ganz so viele Milchprodukte zu verwenden. Da haben wir alle alternativen Drinks ausprobiert und sind beim Hafer geblieben. Und ja ich muss sagen. Wir haben merklich wenger Schnupfen. und einen Chailatte mit Haferdrink ist schon toll.

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    Valérie Sauter

    Oh ok. Ja, Chailatte ist super. Und jetzt im Sommer gibt's in unserem Hofresti den Eiskaffee mit Haferdrink.

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    Werner Habegger

    Ich bin seit 12 Jahren Veganer. Unterdessen vertrage ich keine Lactose mehr. Und ich empfinde den Geruch von Kuhmilch als unangenehm.
    Sojadrink nutze ich fast nur, um Mayonnaise zu machen. In den Kaffee kommt bei mir Haferdrink.

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    Nadine Gloor

    Vielen Dank für deinen Kommentar! Hmm Mayonnaise aus Sojadrink - interessant. Geht das auch mit Hafer? Muss ich bald einmal ausprobieren!

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